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Kurssturz im M-Dax : Anleger flüchten aus Steinhoff-Aktie

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Die Konzernmutter Steinhoff ist in Bedrängnis. Bekommt Poco dies zu spüren? Bild: Poco

Der Aktienkurs des Möbelhändlers Steinhoff fällt am Mittwoch um 60 Prozent. Das unter der Marke Poco bekannte Unternehmen hat nach einem Bilanzskandal Vorstandschef Jooste entlassen. Zudem gibt es einen Verdacht auf Insiderhandel.

          Der Poco-Mutterkonzern Steinhoff zieht im schwelenden Bilanzskandal die Notbremse: Der Möbelhändler trennt sich wegen Unregelmäßigkeiten in den Büchern vom Vorstandsvorsitzenden Markus Jooste. Derzeit soll der Aufsichtsratsvorsitzende Christo Wiese den Konzern übergangsweise führen.

          Erschwerend kommt hinzu, dass die Vorlage der Geschäftszahlen für 2016/2017 auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Die Anleger reagieren mit drastischen Verkäufen, da sie offenbar das Schlimmste befürchten. Der Kurs der im M-Dax notierten Aktie fällt um mehr als 60 Prozent auf 1,18 Euro.

          Auch der Chef der afrikanischen Tochtergesellschaft Steinhoff Africa Retail (STAR), Ben la Grange nimmt seinen Hut. Die Börsenaufsicht in Südafrika prüft mögliche Fälle von Insiderhandel mit Steinhoff-Papieren. STAR beteuert, von den Vorgängen bei Steinhoff nicht betroffen zu sein.

          STEINHOFF INT.HLDG.EO-,50

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          Als Grund für die Maßnahmen nannte die Gesellschaft neue Informationen über finanzielle Unregelmäßigkeiten. Möglicherweise müssten auch die Zahlen früherer Jahren geändert werden. Die Prüfgesellschaft PwC soll nun eine unabhängige Untersuchung durchführen.

          Die geprüften Zahlen für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr will das Unternehmen nun erst veröffentlichen, sobald es dazu in der Lage ist, wie es hieß. Eigentlich war die Zahlenvorlage für Mittwochmorgen vorgesehen.

          Analysten warnen vor Käufen

          Commerzbank-Analyst Andreas Riemann warnte vor Aktienkäufen. Die Untersuchungen seien eine schlechte Nachricht und stellten ein großes Fragezeichen hinter die Ergebnisse der vergangenen Jahre. Sein Kollege Stephen Carrott von JPMorgan Cazenove senkte seine Empfehlung von „Overweight" auf „Neutral".

          Steinhoff ist in Deutschland vor allem durch seinen Möbeldiscounter Poco bekannt. Der Konzern hat seinen Rechtssitz in Amsterdam und hat sein operatives Hauptquartier in Südafrika. In den Vereinigten Staaten hatte der Konzern im vergangenen Jahr den Matratzenhändler Matress Firm zugekauft.

          STEINHOFF AFRICA RETAIL

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          Die drastische Reaktion der Anleger könnte auch mit den Erfahrungen aus dem Börsengang des Leuchtenherstellers Hess herrühren. Dieser hatte 2013 nach vier Monaten an der Börse Insolvenz angemeldet. Auch damals waren zunächst Unregelmäßigkeiten in der Bilanzierung ans Tageslicht gekommen. Steinhoff ist seit zwei Jahren an der deutschen Börse. STAR kam im September auf das Johannesburger Parkett.

          Im Sommer hatte das „Manager Magazin“ über Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Oldenburg gegen Steinhoff wegen des Verdachts der Bilanzfälschung berichtet. Daraufhin war der Aktienkurs ins Rutschen gekommen.

          Steinhoff hatte die Vorwürfe unredlicher Geschäftspraktiken bislang zurückgewiesen. „Wesentliche Fakten und Vorwürfe sind falsch oder irreführend", teilte der Konzern noch Ende August mit. Zudem habe das Unternehmen schon im Jahr 2015 auf Untersuchungen wegen Bilanzfragen hingewiesen.

          Fülle an Ermittlungen

          Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt gegen „vier aktuelle und ehemalige Verantwortliche eines Konzerns, zu dem unter anderem ein Möbelhandel-Unternehmen in Westerstede gehört, wegen des Verdachts der unrichtigen Darstellung in Bilanzen". Hierdurch könne gegebenenfalls auch der Bilanzwert des Konzerns zu hoch dargestellt worden sein. Steinhoff hat seine Europa-Zentrale in Westerstede.

          Im Fokus der Ermittlungen standen laut Staatsanwaltschaft Verträge über Verkäufe von Firmenanteilen im jeweils dreistelligen Millionenbereich. Im Zuge des Ermittlungsverfahrens sei zudem eine Strafanzeige einer dritten Person wegen des Verdachts der Urkundenfälschung erstattet worden.

          Zudem schwelt ein Rechtsstreit zwischen Steinhoff und einem ehemaligen Joint-Venture-Partner. Im September stellten die OM Handels GmbH und WM Handels GmbH bei der Handelskammer des Amsterdamer Gerichtshofs einen Antrag auf ein Verfahren im Zusammenhang mit dem Jahresabschluss 2016. Die Unternehmen gehörten dem früheren Geschäftspartner.

          Quelle: casc/dpa-AFX

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