http://www.faz.net/-gv6-998pu

Kaffeekette : Starbucks will Mitarbeitern Rassismus abtrainieren

Bild: AP

Nach einem Vorfall in Philadelphia schließt Starbucks im Mai 8000 Filialen für einen Nachmittag. An diesem Tag bekommen 175.000 Mitarbeiter einschließlich des Chefs ein Anti-Rassismus-Training.

          Die amerikanische Kaffeehauskette Starbucks wird am 29. Mai 8000 Konzernfilialen für einen Nachmittag schließen, um der Belegschaft ein Anti-Rassismus-Training angedeihen zu lassen. Dieses Training für die  175.000 Starbucks-Mitarbeiter soll für neue Beschäftigte dann obligatorisch werden. Das hat der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Kevin Johnson, in Philadelphia bekannt gegeben.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          In der vergangenen Woche waren zwei schwarze Männer in einer Starbucks-Filiale von der Polizei festgenommen und in Handschellen abgeführt worden. Eine Mitarbeiterin hatte die Polizei gerufen und sich beklagt, dass die Männer nichts konsumiert und trotz Aufforderung die Filiale nicht verlassen hätten. Die Männer hatten zuvor eine Bedienung gefragt, ob sie die Toilette benutzen dürften. Das war ihnen verweigert worden. 

          Das Handyvideo, das ein Starbucks-Gast auf Twitter veröffentlicht hatte, zeigt sechs Polizisten, die zwei ruhig an einem Tisch sitzende Männer zum Aufstehen bewegen, ihre Hände in Handschellen auf den Rücken fesseln und nach draußen führen. Ein Gast spricht die Polizisten an, fragt nach dem Grund der Festnahme und sagt, die Männer hätten nichts getan. Sie hätten auf ihn gewartet. Eine Lokalzeitung identifizierte die beiden Männer als Immobilien-Entwickler.

          Twitter-Video führt zu Boykott-Aufrufen

          Der Polizeipräsident von Philadelphia verteidigte das Vorgehen der Beamten. Sie hätten nach dem Anruf einer Starbucks-Mitarbeiterin, die sich über unbefugtes Eindringen und Störungen beklagte, alles richtig gemacht. Zeugen bestritten gegenüber Reportern, dass es zu Störungen gekommen war. Die Männer sind nach der Vorführung vor einem Richter auf freien Fuß gesetzt worden und haben nichts mehr zu befürchten.   

          Auch auf dem Video des Gastes ist von Störungen nichts zu sehen. Auf Twitter wurde das Video inzwischen mehr als zehn Millionen Mal aufgerufen. In dem Kurznachrichtendienst machten Boykott-Aufrufe und Fotos von Protesten vor Starbucks-Filialen die Runde.

          Um die PR-Krise einzudämmen, sind Unternehmensgründer Howard Schultz, Vorstandschef Johnson und weitere Führungskräfte nach Philadelphia gekommen. Sie haben sich mit dem Bürgermeister, Stadträten, Mitarbeitern und Vertretern sozialer Organisationen getroffen. „Die Werte unserer Firma basieren auf Menschlichkeit und Inklusion“, ließ sich Schultz zitieren. Starbucks bekenne sich dazu, eine Umgebung zu schaffen, „in der sich jeder Kunde sicher und willkommen fühle.“

          Johnson sagte in einer Videobotschaft, sich mit den Männern getroffen und sich bei ihnen persönlich entschuldigt zu haben. Gemeinnützige Organisationen und der frühere Justizminister Eric Holder sollen die Trainingsprogramme für die Anti-Rassismus-Kurse begutachten. Starbucks teilte mit, dass die Mitarbeiterin, die die Polizei benachrichtigt habe, nicht mehr für das Unternehmen arbeite. Das letzte großflächige, mit vorübergehenden Schließungen verbundene Training hatte Starbucks 2008 angeordnet, um den Mitarbeitern beizubringen, wie man guten Milchkaffee macht.

          Die Börse war von dem Vorfall nicht weiter beeindruckt. Die Kurse von Starbucks haben sich nicht gerührt.

          STARBUCKS

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Falscher Corpsgeist : Im Sog der Dieselbetrüger

          Erst der Ruf, dann der Vorsprung: Die zögerliche Aufarbeitung des Dieselskandals durch VW droht die gesamte deutsche Autoindustrie in den Abgrund zu reißen. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.