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Staatsanleihen : Italien ist gerade wieder gefragt

Giovanni Tria im Juni 2018 bei seinem ersten Auftritt als neuer italienischer Finanzminister im Parlament in Rom. Bild: Reuters

Italiens Staatsanleihen sind im September wieder bei Investoren gefragt. Doch diese Besserung könnte kurzlebig sein.

          Italienische Staatsanleihen haben sich an den Anleihenmärkten zum Spekulationsobjekt entwickelt. Um mehr als sechs Prozentpunkte schwankte die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen in den vergangenen sieben Jahren. Zum Vergleich: Die Bundesanleihe schwankte weniger als halb so stark und das war schon viel, denn die Rendite amerikanischer Anleihen schwankte nur um rund 2,5 Prozentpunkte.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In den vergangenen Tagen stehen italienische Staatsanleihen einmal mehr auf den Kauflisten. Seit Monatsanfang ist die Rendite der Zehnjährigen von 3,236 auf nur mehr 2,873 Prozent gefallen, immerhin der tiefste Stand seit Mitte Juli. Damals war sie von Höchstständen knapp unter 3,2 Prozent zurückgekehrt. Es geht also mächtig auf und ab.

          Viele, viele Fragen

          Anlass der jüngsten Aufwärtsbewegung in den Kursen (was umgekehrt ja sinkende Renditen bedeutet, da die Anleihen teurer gekauft werden müssen) sind eher versöhnliche Töne aus den Reihen der italienischen Regierung. Diese macht den Anlegern seit Anfang Mai Kopfzerbrechen, als sich der Wahlsieg der establishment-kritischen „Fünf Sterne“ und der rechtsgerichteten Lega Nord abzeichnete. Wird sie jede Haushaltsdisziplin über Bord werfen? Und wenn ja, wird sie mit höheren Staatsausgaben Italien voran bringen? Wird sie auf Konfrontationskurs zu den Anleiheinvestoren gehen und am Ende sogar Zahlungen einstellen und einen Schuldenschnitt verlangen? Wie steht sie zum Euro? Und wie ist ihr Verhältnis zu Brüssel?

          All diese Fragen müssen weiter als ungeklärt gelten. Im Gegentei, man konnte in den vergangen Monaten erleben, wie sich Regierungsmitglieder widersprachen und sich ein einmal eingeschlagener Kurs rasch ändern konnte. Das ist auch der Hintergrund der jüngsten Rally.

          Am Wochenende hatte Finanzminister Giovanni Tria für 2019 eine leichte Verbesserung der Haushaltslage in Aussicht gestellt. Ministerpräsident Giuseppe Conte sagte zudem, die Regierung habe niemals einen Austritt aus der Europäischen Union oder dem Euroraum in Betracht gezogen. Ob diese Aussagen insoweit Bestand haben werden, als sich nicht ein anderes Mitglied der Regierung oder der Regierungsparteien findet, das etwas anderes sagt, bleibt dennoch abzuwarten. 

          Italien bereitet derzeit einen Entwurf für das Budget des kommenden Jahres vor. Die Analysten der Investmentbank Morgan Stanley empfahlen, im Vorfeld der Budgetverhandlungen Anleihen zu kaufen. Sie gehen davon aus, dass sich das Haushaltsdefizit auf rund 2,2 Prozent im Verhältnis zur Wirtschaftskraft belaufen wird. Langfristig gesehen sei das Risiko für italienische Anleihen zwar nach wie vor hoch, aber kurzfristig bestehe Gewinnpotential - ein spekulativer Kauf also.

          Italien steht unter verschärfter Beobachtung der Anleger, da es nach Griechenland die zweithöchste Staatsverschuldung aller Staaten der Euro-Zone aufweist. Die Banken des Landes sitzen zehn Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise noch immer auf einem riesigen Berg fauler Kredite.

          Mittlerweile aber sind immer wieder Stimmen zu hören, die die einzige Chance des Landes darin sehen, das Wachstum zu fördern und auf diese Weise das Schuldenproblem zu lösen. Theoretisch ist das eine mögliche Vorgehensweise. Allerdings gibt die Vergangenheit Anlass zur Skepsis. Denn als nach der Euro-Einführung die Anleiherenditen von knapp 6 auf teilweise weniger als 4 Prozent fielen, wurde der zusätzliche Spielraum nicht entscheidend zur Entschuldung oder Wirtschaftsreformen genutzt. Die Staatsschulden fielen bis 2007 nur von 114 auf 103 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

          Heute sind es 131 Prozent. Dabei war dies nicht immer so. In den 1950er- und 1960er Jahren lag die Verschuldung bei weniger als 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und noch 1981 waren es nur 60 Prozent. Erst dann stieg sie rasant an bis die Quote 1994 das Doppelte erreicht hatte. Bis in die frühen 2000er konsolidierte Italien, bis 2013 aber lief die Verschuldung abermals aus dem Ruder.

          Das Forschungszentrum Feri Cognitive Finance glaubt, dass die Regierung auf Zeit spielt, um den Verlauf der Europawahlen im Frühjahr 2019 nicht zu gefährden. Danach seien neue Drohgebärden zu erwarten. Italien sei das schwächste Glied der Europäischen Währungsunion. Die Brisanz habe sich zuletzt sogar deutlich erhöht, das Land habe trotz aktuell moderater Töne für die EU den Charakter einer Zeitbombe.

          Die neue Regierung wolle eine Übernahme von Staatsschulden durch die EZB und schrecke dabei auch vor Erpressung nicht zurück. Höhere Zinsen und Risikozuschläge auf den Kapitalmärkten erzeugten eine gefährliche Dynamik, da die Tragfähigkeit der italienischen Verschuldung sinke. Ende 2018 werde Italien das Auslaufen der monetären Hilfen der Europäischen Zentralbank negativ zu spüren bekommen.

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