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Sparkassen : Keine Angst vor den Fintechs

Die Sparkasse vor Ort: Noch hat sie einen anderen Kundenkreis als Fintechs - und genug andere Probleme. Bild: dpa

Nur ein Viertel der regionalen Sparkassen und Genossenschaftsbanken misst der Herausforderungen durch Fintechs sehr große Bedeutung bei. Sie haben derzeit andere Probleme.

          Viel ist derzeit in der Finanzbranche die Rede von Fintechs. Das sind junge Unternehmen, die meist über das Internet Finanzdienstleistungen anbieten – ohne großen Vertriebsapparat und nicht zuletzt deswegen auch oft zu deutlich niedrigeren Kosten. Ob automatisierte Geldanlage, Riester-Rente oder Festgeldanlage, überall gibt es ein my.de oder ein 24.de, das mit einem übersichtlicheren, umfassenderen und billigerem Leistungsangebot wirbt als die Sparkasse vor Ort.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch während manche Marktteilnehmer in Aufruhr sind, bleibt man gerade im Sparkassenlager offenbar gelassen. Die Digitalisierung und die Konkurrenz durch Fintechs mache den Instituten erstaunlich wenig zu schaffen, heißt es von der Unternehmensberatung Berg, Lund & Company (BLC) unter Verweis auf ihre aktuelle „Fusionen-Studie 2017“. Nur jeder vierte Manager aus eigenständig gebliebenen Sparkassen und Genossenschaftsbanken messe diesen Herausforderungen sehr große Bedeutung zu. Nur die Kompensation des demografischen Wandels und der Verbesserung der Bilanzstruktur wird noch weniger Bedeutung beigemessen.

          Mehr Kummer mit den Niedrigzinsen

          Dazu dürfte beitragen, dass die befragten Vorstände und leitenden Angestellten von 71 Banken, derzeit vor unmittelbar drängenderen Problemen stehen und die Fintechs zwar möglicherweise innovative Geschäftsmodelle, aber eben (noch) nicht die Masse an Kunden haben.

          Vielmehr geht es bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken um ganze aktuelle Themen. Ganz vorne steht dabei die Steigerung der Erträge, besonders eben in dieser Zeit der anhaltenden Niedrigzinsen. Fast ebenso beschäftigen die Institute die nach der Finanzkrise veränderten regulatorische Vorschriften. Das macht ihnen mehr Mühe und Kummer als Großbanken und ist für sie von Nachteil. Während die Regionalbanken mit direktem Kundenkontakt damit beschäftigt seien, eine neue Vorschrift nach der anderen umzusetzen, gewönnen Onlinebanken und eben Fintechs Kunden, heißt es von BLC.

          Nach Meinung von Senior-Partner Ingo Garczorz, können sich die Institute es derzeit noch leisten, die Konkurrenz durch Fintechs nicht an erster Stelle zu sehen.  „Regionale Banken haben noch zum großen Teil einen anderen Kundenkreis. Doch die Schnittmengen wachsen und die jungen Generationen erwarten gute, praktische Onlineangebote. Hier sind Sparkassen und Genossenschaftsbanken zwar deutlich besser aufgestellt als oftmals unterstellt. Die reine Existenz technischer Lösungen ist alleine aber kein Garant für Erfolg.“

          Das Thema Digitalisierung dürften sie allerdings nicht unterschätzen, auch mit Blick auf mögliche Fusionen. Es sei schwierig, wenn Banken im Digitalisierungsgrad weit auseinanderliegen, denn dies sei meist auch ein Indikator für unterschiedliche Strategien.

          Quelle: FAZ.NET

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