http://www.faz.net/-gv6-9drxz

Libor : Alternative zum Skandalzins kommt an

  • Aktualisiert am

Barclays, einst Libor-Sünder, verhilft jetzt dem SOFR zu weiteren Erfolgen. Bild: Reuters

Der Libor war jahrzehntelang der wichtigste Zins überhaupt. In Verruf geraten, steht er vor dem Aus. Eine amerikanische Alternative findet Anklang.

          Fast 30 Jahre lang dominierte der Zinssatz Libor die Zinsen für Dollar-Kredite. Dann wurde ihm ein Skandal zum Verhängnis. 2012 wurde bekannt, dass die britische Barclays Bank den Zinssatz jahrelang manipuliert hatte – und wir sich herausstellte, war sie nicht allein gewesen. Auch die Deutsche Bank und andere Großbanken hatten am Zinssatz gedreht.

          Jetzt ist es ausgerechnet Barclays, die dem Zinssatz SOFR, einer neu kreierten Alternative, zum Anfangserfolg verhilft. Barclays ist die erste Bank, die kurzlaufende Anleihen (Commercial Paper) emittiert hat, deren Zinsen nicht wie früher üblich an den Libor, sondern eben an den SOFR gekoppelt sind.

          „Anerkennung der Richtung“

          Die am Freitag begebenen 525 Millionen Dollar seien rasch und breit von den Anlegeren aufgenommen worden, sagte Joe Muscari, Leiter der Abteilung besichertes Portfoliomanagements der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Emission sei eine Anerkennung der Richtung, die die Branche nun eingeschlagen habe.

          Der SOFR wurde von der amerikanischen Zentralbank als Alternative zum umstrittenen Libor entwickelt und basiert auf den Zinsen für mit amerikanischen Staatsanleihen besicherten täglich fälligen Krediten. Der Libor dagegen wird aus täglichen Angaben großer Banken zu den Zinsen unbesicherter Kredite im Geschäft untereinander abgeleitet. Derzeit liegt der Satz bei 1,95 Prozent, der Libor bei 1,92 Prozent.

          Der SOFR wird seit Anfang April offiziell berechnet und fand seitdem durchaus Beachtung.
          angebotene Rate, hat kürzlich Zugkraft mit Finanzinstituten gewonnen. Unter anderem haben die Credit Suisse und die Welt Bank Anleihen verkauft, deren Verzinsung auf dem SOFR basiert. Barclays rechnet mit weiteren SOFR-Emissionen. Emittenten und Investoren hätten ein Interesse daran, dass sich SOFR-Anleihen etablierten und der Markt liquide werde.

          Auch in Großbritannien, wo der Libor einst entstand, arbeitet die Finanzaufsicht FCA an einer Alternative. Diese wird jedoch nicht vor 2021 ausgearbeitet sein. Dennoch hat sie Chancen, selbst wenn sich der SOFR etabliert. Der Libor war stets ein Zins für unterschiedlichste Laufzeiten. der SOFR ist nur für täglich fällige Kredite gedacht, heißt deswegen auch mit vollem Namen „Secured Overnight Financing Rate“.

          Weitere Themen

          Der Ausweg aus der Target-Falle

          Schuldenkrise : Der Ausweg aus der Target-Falle

          Die Bundesbank sitzt auf Hunderten Milliarden Euro an Forderungen gegenüber Südeuropa. Diese Target-Salden sind eine Gefahr für den Frieden auf unserem Kontinent. Zum Glück gibt es für das Problem eine einfache Lösung. Ein Gastbeitrag.

          Wachwechsel an der Pariser Börse

          Ölgigant Total : Wachwechsel an der Pariser Börse

          Nach fast eineinhalb Jahren hat der Ölgigant Total dem Luxuswarenkonzern LVMH an der Pariser Börse wieder den Rang abgelaufen. Auch für die Zukunft wird der Ölpreis dem Mineralölunternehmen den Weg weisen.

          Topmeldungen

          Vor dem Krieg: Botschafter François-Poncet im Februar 1936 mit Hermann Göring in Berlin

          FAZ Plus Artikel: Gefangene des NS-Regimes : Es gab bis zuletzt Champagner

          Mondäne Atmosphäre, erlesene Gesellschaft: André François-Poncet lebte mit Herzoginnen und Prinzessinnen in einem Luxushotel im Kleinwalsertal – auf Kosten des NS-Regimes. Doch der französische Botschafter war eine politische Geisel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.