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Sixt SE : Kauf doch die Vorzugsaktien

Der Vorstandsvorsitzende des Autovermieters Sixt SE, Erich Sixt. Bild: dpa

Sixt ist ein Börsenliebling und Firmengründer Erich Sixt ein ausgezeichneter Manager. Was geht noch bei der Aktie des größten deutschen Autoverleihers?

          Erich Sixt weiß, dass er als Vorstandsvorsitzender des größten deutschen Autoverleihers gut ist und sein Unternehmen seinesgleichen sucht. Und einen Hehl daraus macht er schon gar nicht. Da muss ihn der Titel, erfolgreichster Manager in Deutschland zu sein, nicht überraschen.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Das Schweizer Finanzanalyse-Institut Obermatt hat den 73 Jahre alten Chef des Branchenführers an die Spitze derjenigen Manager gesetzt, die in der Kategorie großer Unternehmen mit mehr als 2 Milliarden Euro Umsatz besonders glänzen (F.A.Z. vom 3. September). Sixt mag sich freuen, einen neuen Titel für seine Erfolge erhalten zu haben. Dafür kaufen kann er sich nichts.

          Aktie ist ein Börsenliebling

          Als Mehrheitsaktionär von Sixt SE schon. Die Aktie ist angesichts der guten Geschäftsentwicklung ein Börsenliebling. Seit Jahresanfang ist der Wert um 45 Prozent gestiegen. Nach fulminanten Halbjahreszahlen erklommen die Titel vor zwei Wochen ein historisches Hoch mit 119,70 Euro, ein Wertzuwachs gar von 61 Prozent seit Jahreswechsel. Nach diesem Höhenflug nahmen die Anleger erst einmal Gewinne mit.

          Sixt VZ

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          Der Vorstandschef und seine Familie sind mit einem Anteil von 58,3 Prozent Hauptprofiteure der Hausse. Das Paket ist bei einem Börsenwert von 3,3 Milliarden Euro aktuell 1,9 Milliarden Euro schwer; Anfang des Jahres waren es 600 Millionen Euro weniger. Das ist ein Wert, der in den Büchern steht und nicht angegriffen wird. Richtig Bargeld hat es für Erich Sixt aber Anfang Juni gegeben, als er 1,01 Millionen Aktien zum Stückpreis von 102 Euro verkaufte.

          Das brachte 103 Millionen Euro ein. Wer meint, da will jemand Kasse machen, irrt. Die Prämisse, langfristig das Sagen im Unternehmen zu behalten, ist unumstößlich; selbst wenn Erich Sixt als Vorstandschef einmal abtreten sollte und die Verantwortung seinen Söhnen Alexander und Konstantin übergeben sollte.

          Mit dem gewinnbringenden Verkauf sollten nur wieder alte Verhältnisse geschaffen werden. Über einige Jahre stieg die Beteiligung wegen erfolgter Aktienrückkäufe auf 61,6 Prozent. Nun ist der Streubesitz der Stammaktien wieder auf die gewünschte Größenordnung von 38,4 auf 41,7 Prozent gewachsen. Der Mustermanager ahnte nicht, dass er wenige Wochen später noch mehr hätte herausholen können; in der Spitze bis zu 18 Millionen Euro. Er kann es verkraften.

          Denn Ende Juni folgte noch einmal ein warmer Geldregen von knapp 71 Millionen Euro. Denn auch als Ausschüttung fiel Manna vom Himmel. 4 Euro (Vorjahr 1,65 Euro) gab es. Sie resultierte aus einem Bonus von 2,05 Euro. Sixt hat aus dem Verkauf der Beteiligung an dem mit BMW betriebenen Carsharing-Unternehmenen Drive Now einen Sonderertrag von 244 Millionen Euro erzielt. Was Sixt im Großen, erlebt der glückliche Streubesitz im Kleinen.

          Wird die Luft nun dünner?

          Die kleine Analystengemeinde ist gespalten. Laut Bloomberg empfehlen fünf Aktienexperten die Titel weiterhin zum Kauf, vier zum Halten; niemand rät zum Verkauf. Commerzbank und Oddo BHF sehen mit Kurszielen von 127 beziehungsweise 125 Euro gar noch deutlich Potential. Sie schulden es dem Umstand, dass das Unternehmen seine Erfolge, seine Marktanteile – selbst als klare Nummer eins in Deutschland – weiter ausbaut und der mit Abstand renditestärkste Anbieter in einer umkämpften Branche mit Wettbewerbern wie Europcar, Hertz oder Avis ist.

          Die Zuwachsraten sind im Vergleich zur Konkurrenz atemberaubend. Und wie die Geschäfte laufen, deutet vieles auf eine höhere Ausschüttung für das Jahr 2018 hin, auch wenn eine Sonderdividende ausbleibt.

          Erich Sixt hat mit seinem zunächst vorsichtig begonnenen Aufbau des Geschäfts im größten Vermietmarkt Vereinigte Staaten auf die richtige Karte gesetzt. Die dort etablierten Stationen in Knallorange, vor allem an großen Flughäfen, arbeiten schon profitabel. Seit dem Jahr 2017 haben die Münchner den Vertrieb im großen Markt Italien in Eigenregie übernommen; ebenso mit Erfolg.

          Es geht darum, die Abhängigkeit vom einst dominierenden deutschen Heimatmarkt zu verringern. Der Auslandsanteil beträgt inzwischen 53 Prozent und könnte bis Jahresende auf die für das Jahr 2019 anvisierten 60 Prozent zusteuern. Im ersten Halbjahr stieg der Auslandsumsatz um 18 Prozent. Selbst im Inland fiel das Plus mit 6,2 Prozent beachtlich aus; dort, wo der Platzhirsch einen Marktanteil von rund 35 Prozent hat.

          Sixt setzt auf Digitalisierung

          Sixt baut auch weiter an der Zukunft: Investitionen von 100 Millionen Euro sind in fünf Jahren in die Digitalisierung und Ausrüstung der Mietwagenflotte mit Telematik geplant. Mietmodelle per App laufen an. Angebote von Kurzzeitmieten von einer Stunde bekommen – ungewöhnlich für die Branche – Carsharing-Charakter. Selbst über das autonome Mietauto in Amerika hat er schon sinniert.

          Für Pierre Groning von Hauck & Aufhäuser ist der Aktienkurs fast ausgereizt; er hat die Zielmarke auf 118 Euro gesetzt. Dabei bleibe Sixt auf der Überholspur. Für ihn wird sich wohl auch das „Katz-und-Maus-Spiel“ zwischen Markterwartung und immer wieder erhöhten Jahresprognosen fortsetzen, was inzwischen zur Regel geworden ist.

          Der Wunsch klingt an, dass sich Erich Sixt endlich einmal aus der Deckung wagt und klare Prognosen abgibt. Unabhängig davon hat Groning eine neue Option ausgemacht: die 16,6 Millionen, nicht im S-Dax gelisteten Vorzugsaktien. Die notieren mit 68,50 Euro und haben seit Jahresbeginn nur um 30 Prozent zugelegt. Der Hauck-Analyst traut ihnen einen Anstieg auf sage und schreibe 115 Euro zu.

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