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Geldanlage : Schweizerische Notenbank warnt ihre Aktionäre

Der Herr über den Franken: Die Schweizerische Notenbank gehört zu den wenigen Notenbanken, die an der Börse notiert sind. Bild: dpa

Private Anteilseigner spekulieren auf ein lukratives Abfindungsangebot für die Schweizerische Nationalbank. Doch das ist nicht in Sicht.

          Wenn ein Unternehmen seine Aktionäre zum 110. Mal zur Hauptversammlung lädt, dann riecht das nach Tradition, aber auch ein wenig nach Muff. Mit der Ortswahl für ihre Aktionärsversammlung hat die 1907 gegründete Schweizerische Nationalbank (SNB) indes ein Signal der Frische gesendet. Die SNB, die zu der Handvoll Notenbanken gehört, die an der Börse notiert sind, empfing ihre Anteilseigner im Kursaal Bern, einem modernen Kongresszentrum am Rande des Stadtkerns. Vom vollverglasten Foyer des großen Veranstaltungssaals im fünften Stock bietet sich eine großartige Sicht auf die Berner Altstadt und die Alpen. Am Freitag herrschte Kaiserwetter. Und so wurden die 340 Aktionäre für ihren Besuch der Hauptversammlung nicht nur mit „Gipfeli“ (Croissants) und einem Mittagsmahl belohnt, sondern auch mit dem freien Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Darin steckt viel Symbolik: Denn so hoch wie diese berühmten Schweizer Berge türmte sich im vergangenen Jahr auch der Gewinn der Nationalbank. Er betrug 54 Milliarden Franken. Zugleich kletterte auch der Aktienkurs der SNB auf bisher ungekannte Höhen. Jahrelange dümpelte der Kurs um die Marke von 1000 Franken herum. Als er sich Mitte 2017 verdoppelte, sorgte das schon für Furore. Doch inzwischen notiert das Papier bei 7300 Franken, nachdem es vor kurzem sogar die Marke von 9000 Franken gekratzt hatte. Allerdings ist der Markt für den Handel dieser Aktien sehr eng. Schon wenige Kauf- oder Verkaufsaufträge können zu großen Ausschlägen führen.

          „Die SNB-Aktie ist keine Aktie wie jede andere“

          Trotzdem würden sich Vorstände anderer Unternehmen, die ein derartiges Kursfeuerwerk erleben, vermutlich stolz auf die Schulter klopfen. Nicht so die Führung der SNB. Dieser bereitet der von deutschen Börsenbriefautoren angeheizte Höhenflug der eigenen Aktien zunehmend Kopfzerbrechen. „Die SNB-Aktie ist keine Aktie wie jede andere“, warnte der Präsident des SNB-Bankrats, Jean Studer, in seiner Ansprache an die Aktionäre.

          Ausführlich beschrieb Studer die gesetzlich verbrieften Einschränkungen der Mitbestimmungs- und Vermögensrechte privater Aktionäre, die den herkömmlichen Maßstäben für die Bewertung von Aktien zuwiderlaufen. Der Bankratspräsident fing beim Gewinn an. Dieser sei nicht Ausfluss eines Renditeziels, sondern Resultat der Geld- und Währungspolitik. In der Tat: Um den Franken zu schwächen, hat die SNB in den vergangenen Jahren in großem Umfang Devisen gekauft. Deren Bestand wuchs bis Ende 2017 auf 744 Milliarden Franken an. Weil der Euro gegenüber dem Franken an Kraft gewann und zugleich die Aktienbörsen haussierten, kam es zu Bewertungsgewinnen von 43 Milliarden Franken. Wie schnell aus derlei Gewinnen Bewertungsverluste werden könnten, zeigt das Minus von fast 7 Milliarden Franken, das die SNB im ersten Quartal 2018 verbucht hat.

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          Studer betonte, dass die Dividende für die privaten Aktionäre, die knapp die Hälfte des SNB-Kapitals und 24 Prozent der Stimmrechte besitzen, auf maximal 6 Prozent des Aktienkapitals oder 15 Franken je Aktie begrenzt ist. Der Antrag eines Aktionärs, die Dividende fortan an den Kurswert der Aktie zu koppeln, wurde mit 93 Prozent der Stimmen abgeschmettert. Selbst im Fall einer Liquidation der Nationalbank hätten die Aktionäre keinen Anspruch auf deren Vermögenswerte, sagte Studer.

          Die expansive Geldpolitik will man fortsetzen

          Zudem erinnerte er daran, dass sich der Gesetzgeber bei der Revision des Nationalbankgesetzes 2002 bewusst dagegen ausgesprochen habe, die privaten Aktionäre über ein Abfindungsangebot herauszukaufen. „An dieser Ausgangslage hat sich bis heute nichts geändert.“ Damit begegnete Studer indirekt der hartnäckig kursierenden Spekulation, wonach den Aktionären – wie einst bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) geschehen – eine lukrative Übernahmeofferte winken könnte.

          Thomas Jordan, Präsident des SNB-Direktoriums, kam in seiner Rede auf das Kerngeschäft seines Hauses zu sprechen: die Geldpolitik. Diese hat sich gemessen am aktuellen Kurs des Frankens, der nun wieder ungefähr auf dem Stand wie vor der Aufhebung des Mindestkurses im Januar 2015 liegt, als erfolgreich erwiesen. Die deutliche Überwertung habe sich abgebaut, sagte Jordan. „Dennoch ist der Franken nach wie vor hoch bewertet.“ Jordan will die expansive Geldpolitik fortsetzen. Und er will festhalten an den Negativzinsen (minus 0,75 Prozent) auf Sichtguthaben, die Banken bei der SNB parken. Bei Bedarf sei man auch weiterhin bereit, am Devisenmarkt zu intervenieren. „Beide Maßnahmen sind unverändert notwendig, denn die Situation ist nach wie vor fragil.“ Zwar habe der Devisenmarkt eher wenig auf die jüngsten Börsenturbulenzen reagiert. Die Lage an den Finanzmärkten und damit die monetären Bedingungen für die Wirtschaft könnten sich aber rasch wieder verschärfen.

          Als die Hauptversammlung nach zweieinhalb Stunden vorüber war, glänzten die schneebedeckten Gipfel von Eiger, Mönch und Jungfrau immer noch in der Frühlingssonne. Und Heinz Karrer strahlte über das ganze Gesicht. Der Präsident des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse, der im Bankrat der SNB sitzt, zeigte sich am Rande der Aktionärsversammlung hocherfreut über die Abschwächung des Frankens. Denn das bringt der exportstarken Schweizer Wirtschaft erheblichen Rückenwind.

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