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Swiss Market Index : Am Schweizer Aktienmarkt wird die Luft dünner

Auf Höhenflug: Der Swiss Market Index (SMI) ist seit Beginn dieses Jahres auf knapp 9.300 Punkte gestiegen. Bild: dpa

Der schwache Schweizer Franken beflügelt momentan sowohl die Gewinne als auch die Kurse an der Börse. Vereinzelt schwelgt sogar eine gewissen Übernahmephantasie.

          Die gute Stimmung an den Aktienbörsen in aller Welt hat längst auch die Schweiz erfasst. Der Swiss Market Index (SMI), in dem die 20 größten Titel erfasst sind, ist seit Beginn dieses Jahres um 13 Prozent auf knapp 9.300 Punkte gestiegen. Das wichtigste Börsenbarometer der Eidgenossenschaft ist damit hinter der Entwicklung anderer Leitindizes zurückgeblieben. Der Dax hat sich in der gleichen Zeit um 17 Prozent nach oben geschraubt, wobei er vor allem in den vergangenen Monaten an Tempo gewann. Der Dow Jones Industrial Index kletterte sogar um 19 Prozent.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Wie sind diese Unterschiede zu erklären? Panagiotis Spiliopoulos, der das Research der Bank Vontobel leitet, hat eine Antwort: „Im SMI sind vergleichsweise wenige Technologieaktien gelistet.“ Tatsächlich waren es zuletzt vor allem Technologiewerte wie Alphabet, Amazon und Microsoft, die in Amerika ein Kursfeuerwerk verursachten. Solche sind im SMI kaum vertreten, wohl aber im Swiss Performance Index (SPI). Dieser Index umfasst nahezu alle börsennotierten Schweizer Unternehmen – und damit eben auch Tech-Titel wie Logitech und Temenos, deren Wert seit Anfang des Jahres um 42 Prozent beziehungsweise 67 Prozent gestiegen ist. Dass der SPI seit Jahresbeginn – genau wie der Dow Jones Index – um fast 19 Prozent gestiegen ist, hat nach Einschätzung des Aktienexperten Spiliopoulos aber noch weitere Gründe: Gerade die kleineren und mittelgroßen Unternehmen hätten ihr Gewinnwachstum zuletzt enorm beschleunigt.

          Dabei kommen zwei Entwicklungen zum Tragen: Zum einen profitieren die traditionell exportstarken Schweizer Unternehmen von dem Konjunkturaufschwung und der wachsenden Nachfrage in wichtigen Märkten wie Deutschland. Zum anderen beginnt sich die Rosskur auszuzahlen, zu der sich viele Unternehmer infolge der Aufwertung des Schweizer Frankens genötigt sahen.

          „Nach der Aufhebung des Mindestkurses im Januar 2015 war die Schweizer Industrie gezwungen, kräftig an der Kostenschraube zu drehen. Die Unternehmen haben ihre Hausaufgaben gemacht. Das spiegelt sich jetzt in steigenden Gewinnen“, erläutert Spiliopoulus. Zu sehen ist dieser Effekt vor allem bei kleineren Unternehmen wie dem Hörgerätehersteller Sonova oder dem Dentaltechnikspezialisten Straumann, deren Kosten zu rund einem Drittel in der Schweiz anfallen. Sparbemühungen zeigen dort eine viel größere Wirkung als beispielsweise im Hause Nestlé. Beim größten Nahrungsmittelkonzern der Welt fallen nur rund 6 Prozent der Kosten in der Heimat an.

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          Auch die inzwischen erfolgte Abwertung des Frankens gegenüber dem deutlich erstarkten Euro hat den Schweizer Aktien Aufwind verliehen. Im April kostete ein Euro noch 1,08 Franken. Aktuell liegt er bei 1,16 Franken und ist damit nicht mehr weit von dem einstigen Mindestkurs von 1,20 Franken entfernt. „Wenn der Euro-Franken-Wechselkurs bis Ende 2018 auf dem derzeitigen Niveau bleibt, könnte dies zu einem zusätzlichen Gewinnwachstum von 3 bis 4 Prozent führen“, schätzt Spiliopoulus. Der Analyst glaubt aber nicht, dass sich diese Erwartung eins zu eins in steigende Aktienkurse übersetzen lässt. Denn die Bewertung der Unternehmen sei schon relativ hoch. „Daher rechnen wir nicht damit, dass der SMI in diesem Jahr noch große Sprünge macht.“

          Zum Jahresende sieht Spiliopoulus den Leitindex in einer Spanne zwischen 9000 und 9400 Punkten. Daher sei jetzt die Stunde des „Stock Picking“, also der gezielten Auswahl einzelner Werte. Kaufenswert findet Spiliopoulos die Aktie von Clariant. Der Spezialchemiekonzern musste jüngst seine Fusion mit dem amerikanischen Wettbewerber Huntsman abblasen. Dies geschah auf Druck des aktivistischen Aktionärs White Tale. Nun stellt sich die Frage, wie es mit Clariant weitergeht. Gemessen an den aktuellen Geschäftszahlen, sei der Konzern momentan fair bewertet, sagt Spiliopoulus. Er wittert aber eine gewisse Übernahmephantasie: „Ich kann mir vorstellen, dass White Tale bereits hinter den Kulissen nach einem möglichen Käufer für Clariant Ausschau hält. Das wäre jedenfalls typisch für einen aktivistischen Investor.“

          Positiv hebt er auch ABB hervor. Der Elektrotechnikkonzern hat nach einer langen Durststrecke zuletzt endlich wieder mehr Aufträge an Bord geholt und darf folglich auf eine stärkere Umsatzdynamik hoffen. Der ABB-Kurs ist seit Jahresbeginn um mehr als ein Fünftel auf 26 Franken geklettert. Daher sehen manche Analysten den Zeitpunkt für einen Einstieg schon überschritten. Das könnte man auch vom Computerzubehör-Hersteller Logitech sagen. Doch mit Blick auf das bevorstehende Weihnachtsgeschäft empfiehlt Spiliopoulos auch diese Aktie zum Kauf. Ruhig schlafen könne man auch mit den Aktien der Partners Group. Diese Vermögensverwaltungsgesellschaft sei eine Gelddruckmaschine.

          Zu den Gewinnern der vergangenen Woche gehörte Credit Suisse. Die Schweizer Großbank ließ im dritten Quartal einen Aufwärtstrend erkennen. Noch ist es allerdings zu früh zu beurteilen, ob der vor zwei Jahren eingeleitete Umbau die erhofften Ergebnisse bringt.

          Quelle: F.A.Z.

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