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Gegen „Heuschrecken“ : Psychoterror im Hause Thyssen-Krupp?

Stahlproduktion: Die Wiege von Thyssen-Krupp, längst aber nicht mehr das Hauptgeschäft. Was das sein soll, darum gibt es Streit - und vor allem wer darüber entscheidet. Bild: AP

Heiß geht es her um Thyssen-Krupp. Während Großaktionäre einen Verkauf des Aufzugsgeschäfts fordern, spricht der Aufsichtsratschef von „Psychoterror“. Dem Aktienkurs tut der Konflikt nicht gut.

          Der Industriekonzern Thyssen-Krupp kommt nach dem unerwarteten Abgang seines Vorstandsvorsitzenden Heinrich Hiesinger nicht zur Ruhe. Die internen Spannungen sorgen auch an der Börse für Unruhe. Dort gab der Aktienkurs am Mittwoch um mehr als 4 Prozent nach. Es wäre gut, wenn das Unternehmen rasch zu Entscheidungen über eine eventuelle strategische Neuausrichtung gelange, heißt es in einer Studie der Großbank Credit Suisse.

          Brigitte  Koch

          Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Ein weiterer Beleg für die Uneinigkeit in dem Unternehmen bot am Mittwoch ein Interview des Aufsichtsratsvorsitzenden Ulrich Lehner mit der Wochenzeitung „Die Zeit“. Darin beklagte sich Lehner: „Wir sprechen nicht nur in der Hauptversammlung, sondern in vielen Treffen mit unseren Aktionären. Bedauerlicherweise beschreiten einige aber auch andere Wege, die teilweise schon als Psychoterror bezeichnet werden könnten.“ Einige aktivistische Investoren seien dafür bekannt, dass jene Manager, die sie loswerden wollten, später in psychiatrische Behandlung gemusst hätten.

          Lehners Äußerungen wurden als eine Attacke auf die Aktionäre Cevian und Elliott gedeutet. Cevian ist nach der Krupp-Stiftung, die 21 Prozent an Thyssen-Krupp hält, mit knapp 14 Prozent zweitgrößter Aktionär. Der Hedgefonds Elliott besitzt eine kleinere Position. Elliott und Cevian waren am Nachmittag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. „Wir haben keine Not“, sagte Lehner mit Blick auf Forderungen, Teile des Mischkonzerns zu verkaufen.

          THYSSENKRUPP

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          So stehe ein Verkauf der Aufzugssparte nicht auf der Agenda. Dieser wird von den beiden Hedgefonds befürwortet. In einem integrierten Verbund von U-Booten, Stahlhandel und Aufzügen können man, wie die meisten anderen Eigentümer, keinen industriellen Sinn erkennen, sagte etwa Cevian-Gründungspartner Lars Förberg laut der Wochenzeitung „Die Zeit“.

          Der Aufsichtsrat wird sich in dieser Woche mit der Nachfolgeregelung an der Unternehmensspitze befassen. Dem Vernehmen nach wird der Personalausschuss des Gremiums tagen. Der bisherige Vorstandsvorsitzende Hiesinger hatte am vergangen Donnerstag überraschend hingeworfen, und zwar nur kurz nach dem Abschluss für das wichtige Gemeinschaftsunternehmen mit dem indischen Stahlkonzern Tata. Ihm, der von Finanzinvestoren wie Cevian und Elliott als zu zögerlich beim Konzernumbau kritisiert worden war, hatte es an Rückhalt der Kapitalseite im Aufsichtsrat gemangelt.

          Nach dem Abgang Hiesingers führen zunächst die bisherigen Vorstände Guido Kerkhoff (Finanzen) Oliver Burkhard (Personal) und Donatus Kaufmann (Recht) den Konzern. Wie die F.A.Z. berichtet hat, genießt Kerkhoff in dem Triumvirat eine herausgehobene Stellung. So hat er die üblicherweise auf den Vorstandsvorsitzenden zugeschnittenen Ressorts für Kommunikation, Strategie und Unternehmensentwicklung übernommen. Zudem berichten auch die Vorstände der einzelnen Konzernsparten an ihn. Ob der neue Vorstandschef aus dem Konzern kommen sollte oder eine externe Besetzung besser wäre, sei für Cevian offen. Es gebe kompetente Kandidaten in die eine wie die andere Richtung. Lehner ließ erkennen, dass der Aufsichtsrat keinen Anlass sehe, unter Zeitdruck einen neuen Vorstandsvorsitzenden zu berufen.

          Der frühere Henkel-Chef Ulrich Lehner hat als Aufsichtsratschef bei Thyssen-Krupp momentan nicht viel zu lachen.

          Die Führung der Krupp-Stiftung will, wie zu hören ist, am Freitag zu einer Sitzung zusammentreffen, um die Lage zu beraten. Der Stiftungsvorsitzenden Ursula Gather wurde von der Arbeitnehmerseite vorgeworfen, Hiesinger nicht genug unterstützt zu haben. Zuvor will am Donnerstag der Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens, Armin Laschet (CDU), mit Vertretern des Unternehmens und der Belegschaft von Thyssen-Krupp sprechen.

          Gegenüber der äußerte sich auch der stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums der Krupp-Stiftung, Reimar Lüst. „Wir werden den Heuschrecken nicht das Feld überlassen, sonst verraten wir den Auftrag der Stiftung", wird dieser zitiert. Wenn man könnte, würden wir man Hiesinger sofort zurückholen. Man habe immer hinter ihm gestanden.

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