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Green Bonds : Öko-Anleihen fehlen noch einheitliche Kriterien

Windmacher: Aufbauarbeiten in einem Windpark in Sachsen-Anhal Bild: ZB

DZ Bank und KfW fordern gemeinsame Standards für Green Bonds. Der Markt muss ihrer Ansicht nach raus aus der Nische. Dabei kann auch die öffentliche Hand mit gutem Beispiel vorangehen.

          Die Emissionen von Anleihen, mit denen ökologisch nachhaltige Projekte finanziert werden, nehmen rasant zu. Trotzdem ist der Markt der sogenannten Green Bonds mit einem Volumen von gegenwärtig 178 Milliarden Euro noch immer sehr klein. Wie Frank Czichowski, als Treasurer für die Anlagen und die Finanzierung der staatlichen Förderbank KfW zuständig, am Donnerstag in einem Pressegespräch einräumte, sind dies gerade mal 0,2 Prozent des gesamten Anleihemarktes der Welt. Selbst die KfW hat in den vergangenen zehn Jahren mit 250 Milliarden Euro mehr Klimaschutzprojekte finanziert.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch für Wolfgang Köhler, Kapitalmarktvorstand der DZ Bank, führt kein Weg an dem Thema Nachhaltigkeit mehr vorbei. Auf derselben Veranstaltung in den Räumen der DZ Bank betonte er, dass ökologisch nachhaltige Anlagen an den Kapitalmärkten immer mehr an Bedeutung gewinnen, da der Klimaschutz zunehmend in das Bewusstsein der Bevölkerung rückt.

          Das spiegeln auch die Neuemissionen wider, die sich im vergangenen Jahr auf 68 Milliarden Euro mehr als verdoppelt haben. Noch beeindruckender fällt der Vergleich mit dem Jahr 2012 aus, als nur 2 Milliarden Euro an Green Bonds begeben wurden. Für dieses Jahr erwarten die Fachleute der britisch-asiatischen Großbank HSBC ein Volumen von 90 bis 120 Milliarden Euro. Jedoch reichen die gegenwärtigen Volumina längst nicht aus, um die wachsenden Anforderungen im Klimaschutz finanzieren zu können. Denn nach dem Pariser Klimaschutzabkommen, auf das sich 196 Staaten im Dezember 2015 geeinigt haben, sind nach einer Schätzung des amerikanischen Vermögensverwalters Blackrock bis zum Jahr 2030 Infrastrukturinvestitionen von 90 Billionen Euro nötig. Das Pariser Abkommen, aus dem die Vereinigten Staaten vor kurzem ausgetreten sind, sieht vor, dass die Erderwärmung auf weniger als 2 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit begrenzt werden soll.

          Ein großes Problem sind die noch nicht vorhandenen Kriterien

          KfW-Treasurer Czichowski erkennt deshalb akuten Handlungsbedarf, die Palette an nachhaltigen Kapitalanlagen gerade für die großen Kapitalsammelstellen wie Versicherer und Pensionsfonds deutlich zu verbreitern. Seinen Angaben zufolge haben die festverzinslichen Anlagen dieser Investoren ein Fälligkeitsprofil von im Schnitt zwanzig Jahren. Das bedeutet, Versicherer und Pensionsfonds müssen schon heute nachhaltige Kriterien in ihren Anlageentscheidungen berücksichtigen.

          Bild: F.A.Z.

          Ein großes Problem der Green Bonds sind die noch nicht vorhandenen Kriterien, nach denen Anleihen als ökologisch nachhaltig einzuordnen sind. Große Emittenten wie die KfW finanzieren damit Projekte im Bereich erneuerbare Energien und lassen die Verwendung von externen Gutachtern prüfen. Zudem berichten sie regelmäßig über die Mittelverwendung, um sich nicht dem Vorwurf des „green washing“ auszusetzen. Darunter werden Anleihen verstanden, deren Emittenten sich gern mit der Nachhaltigkeit schmücken, sich aber in der Verwendung der Mittel nicht danach richten. Czichowski hält dies aber für gefährlich, weil die Investoren auf die Einhaltung ökologischer Prinzipien sehr genau achten. Ein Verstoß dagegen hätte für den Emittenten ein enormen Rufschaden zur Folge, warnt der KfW-Treasurer.

          Für DZ-Bank-Vorstand Köhler führt kein Weg an international einheitlichen Standards vorbei. Denn selbst in Europa gibt es Interpretationsspielraum, was als ökologisch nachhaltig eingestuft werden kann. So hat der französische Energiekonzern EDF, einer der größten Atomstromproduzenten der Welt, Green Bonds begeben. In Deutschland wird Kernkraft kaum als ökologisch nachhaltig akzeptiert. In Frankreich wird dies anders gesehen. Für Köhler stellen die Prinzipien der International Capital Markets Association (ICMA), des Verbands der Banken und Kapitalmarktteilnehmer, eine wichtige Orientierung dar. Demnach können Green Bonds unter anderem der Förderung von erneuerbaren Energien, umweltverträglichen Transportkonzepten, der Abfallwirtschaft, der Ressourceneffizienz und der Biodiversität dienen. Auch die ICMA hält regelmäßige Berichte der Emittenten für unerlässlich, um den Investoren eine ausreichende Transparenz zu verschaffen. Darüber hinaus fordert Köhler, die öffentliche Hand müsse in der Anlage ihrer Mittel – zum Beispiel von Pensionsgeldern – mit gutem Beispiel vorangehen.

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          Quelle: F.A.Z.

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