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Hollands NIBC Bank : Ein bemerkenswerter Börsengang

Kooperationen in Aussicht? - Eine Zusammenarbeit mit der holländischen NIBC Bank scheint nun mehr als wahrscheinlich. Bild: EPA

Die holländische NIBC Bank wird nun, nach einer schweren Zeit während der Finanzkrise, aufgekauft. Parallelen mit der HSH Nordbank sind durchaus zu erkennen. Zukünftige Kooperationen der beiden Banken werden nun wahrscheinlich.

          An der holländischen Börse steht in mehrfacher Hinsicht ein bemerkenswerter Börsengang bevor. Schließlich passiert es nicht alle Tage, dass mit der NIBC ausgerechnet eine Bank verkauft wird, die in der Finanzkrise Staatshilfe benötigte. Auch der Verkäufer ist schillernd, es ist ein alter Bekannter: JC Flowers, der im Jahr 2006 als erster privater Investor in eine deutsche öffentlich-rechtliche Landesbank einstieg, mit dem damals größten Schiffsfinanzierer der Welt HSH Nordbank Schiffbruch erlitt, dennoch an Bord blieb und vor wenigen Tagen zusammen mit dem Finanzinvestor Cerberus den vollständigen Kauf der Nordbank vereinbart hat.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Eingeweihte halten es nun für wahrscheinlich, dass die HSH Nordbank und die holländische NIBC künftig kooperieren werden. Denn Finanzinvestor Flowers und seine Kunden, die im Jahr 2005 zusammen mit den Banken Santander und ABN Amro die Bank NIBC für 1,8 Milliarden Euro aus dem Besitz der zwei größten niederländischen Pensionsfonds ABP und PGGM gekauft hatten, wollen jetzt bis zu 30 Prozent der NIBC-Aktien an der Börse für 450 Millionen Euro verkaufen. Den Rest werden sie vorerst behalten. Dahinter dürfte die Hoffnung stehen, dass nach dem Börsengang der NIBC-Kurs steigt und mit einem weiteren Aktienverkauf zu einem späteren Zeitpunkt ein größerer Teil des ursprünglichen Kaufpreises von 1,8 Milliarden Euro wieder hereinkommt. Schließlich wird NIBC jetzt zum Börsengang nur mit 1,28 bis 1,5 Milliarden Euro bewertet.

          Wichtige Rolle des Finanzinvestors

          Außerdem gilt der frühere Goldman-Sachs-Partner J.C. Flowers als cleverer Bursche, der strategisch weitsichtig in seinen Banken agiert, ebenso wie der andere HSH-Investor Cerberus, der nach wie vor auch an der seit Oktober 2017 börsennotierten österreichischen Bawag-Bank beteiligt ist. Somit liegen Spekulationen über einen grenzüberschreitenden Bankenverbund nicht fern – zumal die Parallelen zwischen den Banken frappierend sind: Flowers wollte eigentlich die im Jahr 2005 erworbene NIBC schon im März 2007 wieder über die Börse verkaufen. Dieser Börsengang scheiterte aber ebenso wie die Pläne der HSH Nordbank, die eigentlich 2008 an die Börse gehen wollte.

          Schon kurz nach Ausbruch der Finanzkrise scheiterte Flowers auch mit dem Versuch, NIBC an die isländische Kaupthing Bank zu verkaufen. Kaupthing war bereit, 3 Milliarden Euro für NIBC zu zahlen, der Kauf war im August 2007 vereinbart, doch dann geriet Kaupthing in so schwere Not, dass die Bank zwangsverstaatlicht werden musste. Die Kaupthing Bank war seinerzeit auch in Deutschland bekannt, weil sie Sparer mit hohen Einlagenzinsen köderte und damit 300 Millionen Euro von 34.000 Kleinsparern einsammelte. Diese deutschen Sparer mussten monatelang um ihr Geld zittern, nachdem die Bankenaufsicht Kaupthing in Deutschland im Oktober 2008 geschlossen hatte.

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          Wie sich eine Bank refinanziert, war in der Finanzkrise ein großes Thema und ist es bis heute, weil Banken untereinander sich nicht so selbstverständlich Geld leihen wie früher. 2009 trat deshalb auch die NIBC Bank in Deutschland in den Wettbewerb um Spargelder von Privatkunden ein. Sie macht sich seither hierzulande einen Namen als Preisbrecher auf dem Markt für Tagesgeld. Nach jüngsten verfügbaren Zahlen von Ende 2016 bewegt die NIBC Bank Deutschland AG mit rund 120 Mitarbeitern eine Bilanzsumme von 1,6 Milliarden Euro. Sie ist auf Unternehmen aus Branchen wie Neue Energie und Infrastruktur fokussiert, denen sie mit Krediten zur Seite steht. Das Geld der deutschen Sparer liegt in der von Holland aus gesteuerten NIBC. Mehr als 4 Milliarden Euro haben ihr deutsche Sparer geliehen.

          Rating-Agenturen sind sich uneins

          Auch die HSH Nordbank zielt seit dem Jahr 2017 auf Geld von Privatleuten und hat durch ihr Online-Angebot schon 800 Millionen Euro eingesammelt. Mittelfristig sollen es 5 Milliarden Euro werden, muss die Nordbank doch künftig ohne den Schutz des Sparkassenverbundes an Geld kommen. Wie von dieser Zeitung berichtet, beurteilen die Rating-Agenturen ihre Kreditwürdigkeit nach dem Verkauf an Cerberus und Flowers zwiespältig. Falls es die HSH nicht schaffen sollte, sich vollständig selbst zu refinanzieren, könnte NIBC mit Geld aus Holland aushelfen. Eingeweihte halten es sogar für wahrscheinlich, dass JC Flowers genau das plant. Schließlich verfügt NIBC immerhin um mehr als 9 Milliarden Euro an Kundeneinlagen.

          Es gilt darüber hinaus als wahrscheinlich, dass die neuen Eigner die HSH Nordbank in einigen Jahren an die Börse bringen wollen. Auch auf diesem Weg geht NIBC also voraus: Am 23. März soll die holländische Bank in Amsterdam Börsendebüt feiern. Bis 21. März können Anleger vorbörslich in einer Preisspanne von 8,75 bis 10,25 Euro Aktien zeichnen.

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