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Neuemissionen : Die Wall Street hofft auf riesige Börsengänge

In diesem Jahr haben bereits 169 Unternehmen an den amerikanischen Aktienbörsen debütiert. Bild: Reuters

Angesichts der schwankenden Kurse drängen hochbewertete Start-ups an die amerikanischen Börsen. Auch in Deutschland erlebt die Börse mit Neuemissionen ein Ausnahmejahr.

          Investmentbanker in New York hoffen im kommenden Jahr auf einen Geldsegen durch Börsengänge. Nachdem es schon in diesem Jahr mehr Börsendebüts gegeben hat als im gesamten Jahr zuvor, rechnen Fachleute an der Wall Street für 2019 mit bekannten Namen wie Uber und möglicherweise Airbnb. Der Taxi-Konkurrent Uber und der Wohnungsvermittler Airbnb gehören zu den hochbewerteten und von Risikokapitalgebern gut finanzierten Technikplattformen, die bisher den Börsengang gescheut haben.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Uber wurde von Investmentbanken, die sich um den Börsengang bewerben, kürzlich mit 120 Milliarden Dollar bewertet. Damit wäre das Unternehmen an der Börse mehr wert als die drei großen amerikanischen Autohersteller General Motors, Ford und Fiat Chrysler zusammen. Uber wäre zudem der größte Börsengang an einer amerikanischen Börse seit dem Debüt des chinesischen Internetunternehmens Alibaba im Jahr 2014.

          Das gestiegene Interesse an IPOs, wie die Erstnotierungen an der Börse im Wall-Street-Jargon heißen, ist dem trotz der jüngsten Schwankungen immer noch hohen Kursniveau an den amerikanischen Börsen geschuldet. Die allgemein hohen Kurse suggerieren einen großen Risikoappetit von Anlegern und damit eine potentiell hohe Nachfrage nach Aktien von jungen Wachstumsunternehmen. Diese Wertpapiere gelten als riskanter als die etablierter Konzerne.

          IPO-Markt von bestimmten Unternehmen dominiert

          Nach Angaben des Wertpapierhauses Renaissance Capital haben in diesem Jahr 169 Unternehmen an den amerikanischen Aktienbörsen debütiert. Das sind 44 Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Dominiert wird der IPO-Markt von Biotechnik- und IT-Unternehmen und chinesischen Unternehmen. Bill Smith, der Vorstandsvorsitzende von Renaissance Capital, rechnet für 2018 mit mehr als 200 Börsengängen. „Das wurde im vergangenen Jahrzehnt nur zweimal übertroffen“, sagt Smith. Für Anleger, die Aktien zum Emissionspreis erhalten haben, hat sich die Investition gelohnt. Die Aktienkurse von Börsenneulingen an der Wall Street sind seit Jahresanfang um durchschnittlich 28 Prozent gestiegen.

          Nach einer seit mehr als neuneinhalb Jahren währenden Hausse an den amerikanischen Aktienmärkten bringen die jüngsten Kursschwankungen außerdem in Erinnerung, dass Kursaufschwünge nicht ewig dauern. Die Börsenkandidaten und ihre Banker wollen offenbar die Gelegenheit für einen erfolgreichen Börsengang rasch nutzen, bevor sich das Fenster möglicherweise wieder schließt.

          Neben Uber gelten auch dessen Konkurrent Lyft, der zweitgrößte amerikanische Fahrdienstanbieter, sowie die auf die Analyse großer Datenmengen spezialisierte Palantir Technologies als Börsenkandidaten. Für Lyft unterstellen Investmentbanker einen potentiellen Börsenwert von 15 Milliarden Dollar. Palantir, das vom bekannten Investor Peter Thiel mitgegründet wurde, könnte möglicherweise mehr als 40 Milliarden Dollar wert sein.

          Die schon 2004 gegründete Palantir will Gründern und Mitarbeitern ermöglichen, ihre Anteile am Unternehmen zu versilbern. Auch das ist eine wichtige Motivation für ein IPO. Zu anderen Start-ups, die einen Börsengang erwägen, gehören Slack Technologies, eine Plattform für Nachrichtenübermittlung am Arbeitsplatz, und die vom Münchner Bastian Lehmann gegründete Postmates Inc., ein Lieferdienst für Lebensmittel.

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