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Nebenwerte im Portrait (12) : Poulaillon bringt die Laugenstange an die Börse

Frankreich ist berühmt für seine guten Bäckereien: Filiale von Poulaillon in Straßburg Bild: mauritius images

Auch aus einer Bäckerei lässt sich ein mittelständisches Unternehmen schmieden, das an der Börse erfolgreich ist - die Poulaillon S.A. macht es vor.

          Ein Bäcker muss nicht bei einer Backstube bleiben, aus der immer nur kleine Brötchen kommen. Dass sich aus einer Bäckerei ein mittelständisches Unternehmen schmieden lässt, das auch an der Börse erfolgreich ist, zeigt die Poulaillon S.A., die ihre Ursprünge im Elsass hat. „Zusammen mit meiner Frau habe ich vor 45 Jahren angefangen, heute sind wir mehr als 650 Mitarbeiter“, berichtet der Gründer Paul Poulaillon. Die berühmte Laugenstange, ein kurzes Baguette aus Brezelteig, hat der Franzosen nach eigenen Angaben selbst erfunden und es „Moricette“ getauft. Daraus wurde die Basis für die Expansion in Frankreich.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Über vierzig Verkaufsstellen, vor allem im Osten des Landes, gehören heute zu der Gruppe. Es sind nicht nur klassische Bäckereien, sondern auch Schnellimbisse. Eine Reihe von Niederlassungen ist in den französischen Supermärkten plaziert, denen Poulaillon auch direkt Backprodukte in die Regale liefert. Zudem stellt die Gruppe auf einer noch kleinen Basis neuerdings ein Mineralwasser namens Eau Minérale de Velleminfroy her, das auch exportiert werden soll, demnächst sogar nach China. Poulaillon hat die in den sechziger Jahren stillgelegte Quelle in einem kleinen Ort in der Region Franche-Comté 2004 erworben und misst ihrem kalziumreichen Wasser Heilwirkung bei. Nur bei der Abfüllung in Glasflaschen hakt es etwas. Sie wurde auf kommendes Jahres verschoben, weil es Verzögerungen bei der Installation der Abfüllanlage gab.

          POULAILLON

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          „Die Leute sitzen lieber mit einer Krawatte im Büro“

          An der Börse wird das Unternehmen mit rund 47 Millionen Euro bewertet. Der Kurs stieg in zwei Jahren um gut 80 Prozent auf 9,20 Euro. Kern des Erfolges ist die Familie. Zwei Kinder arbeiten an führender Stelle in dem Unternehmen, das im Geschäftsjahr bis Ende September 2017 einen Umsatz von gut 67 Millionen Euro erzielt hat – ein Wachstum von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ein Plus von fast 50 Prozent gegenüber 2014. Der Nettogewinn stieg im ersten Halbjahr um ein gutes Drittel auf 893.000 Euro.

          54 Stellen sind bei dem Unternehmen zurzeit frei. „Die Leute sitzen lieber mit einer Krawatte im Büro, als dass sie ihre Hände in den Teig stecken“, bedauert der Unternehmensgründer. Rund 30 Lehrlinge bildet das Unternehmen aus, wovon in der Regel die Hälfte in der Gruppe bleibt. Poulaillon beklagt die hohen Sozialabgaben, die französische Unternehmen leisten müssen. Dennoch ist den Poulaillons über die Jahrzehnte hinweg der Ausbau ihres Familienunternehmens gelungen.

          European Small and Midcap Award

          Die Europäische Kommission hat sich die Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen zum Ziel gemacht. Dazu vergibt sie unter anderem jährlich gemeinsam mit dem europäischen Börsenverband FESE und Europeanissuers, dem Verband der börsennotierten Unternehmen die „European Small and Midcap Awards“.

          Poulaillon wurde im November mit dem „Rising Star“ ausgezeichnet. Dieser wird an ein Unternehmen verliehen, das in der Gruppe der kleinen Unternehmen mit weniger als 50 Millionen Euro Marktkapitalisierung hervorsticht. Kriterien sind gesellschaftliche Verantwortung, gutes Management, Wachstumspotential aber auch ein deutlicher, aber nicht exzessiver Kursanstieg seit dem Börsengang.

          Quelle: F.A.Z.

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