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Fintech-Unternehmen Mybucks : Schnelle Kredite für Millionen Afrikaner

Schnelle Kredite per Smartphone: Mybucks möchte nun auch Kunden bedienen, die nur schwer an Kredite herankommen. Bild: dpa

Das börsennotierte Fintech-Unternehmen Mybucks will finanzielle Inklusion in Afrika schaffen – mit dem Handy.

          Der Unternehmenssitz in Luxemburg, die meisten Mitarbeiter in Südafrika, notiert an der Frankfurter Börse: Das Fintech-Unternehmen Mybucks ist erkennbar international aufgestellt. Mit europäischer Technik soll ein sehr kleinteiliger Markt bedient werden, in dem Kunden teils schlecht an Kredite kommen: der südostafrikanische Raum von Kenia bis Südafrika. „Wir erschaffen finanzielle Inklusion in Afrika“, sagt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Timothy Nuy der Frankfurter Allgemeine Zeitung etwas hochtrabend.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Als Mybucks im Jahr 2011 startete, ging es darum, Kunden mit Hilfe des Handys schneller mit Krediten zu versorgen. Drei Jahre später erweiterte das Unternehmen die Technik, indem es mehr Daten nutzte, um auch zuvor ausgeschlossene Verbraucher bedienen zu können. Heute heißt das Projekt: Auszahlung innerhalb von zwei Minuten.

          Die Herausforderung besteht darin, dass viele afrikanische Kunden noch keine Krediterfahrung und -historie besitzen. Auskunfteien wie die deutsche Schufa gibt es nicht. „Deshalb muss man sich auf alternative Daten verlassen“, sagt Nuy, ein gebürtiger Niederländer, der zuvor in der Entwicklungsfinanzierung und der Unternehmensberatung gearbeitet hat.

          Die Mybucks-Technik könne die SMS-Historie eines Handynutzers auswerten und daraus Rückschlüsse auf die Kreditwürdigkeit ziehen. „Kreditausfälle bleiben unser größtes Risiko“, sagt Nuy. Darin ähnelt das Geschäft dem traditioneller Banken. Meist geht es um Darlehenssummen von umgerechnet 5 bis 100 Euro. Mikrofinanz-Anbieter und Kreditinstitute seien die wichtigsten Wettbewerber, in stärker entwickelten Volkswirtschaften wie Kenia und Südafrika konkurriere das Unternehmen auch mit anderen Fintechs.

          An Expansion denkt Mybucks derzeit nicht, obwohl in vielen asiatischen und lateinamerikanischen Staaten auch Bedarf bestehe. Zunächst soll sich die Versorgung in den zwölf afrikanischen Staaten verbessern. „Die Technologie läuft auf Englisch und ist skalierbar“, sagt Nuy. Momentan erreicht die Verbreitung von Handys in vielen Ländern 80 Prozent. Nur 4 bis 6 Prozent besäßen ein Smartphone. So werden die mobilen Zahlungen mit Zahlencodes über SMS transferiert.

          Der Aktienkurs gleicht einer Berg- und Tal-Fahrt. Nach dem Börsenstart im Juni 2016 kletterte der Kurs bis auf 19,10 Euro. Seither ist er um 48 Prozent gefallen. Nach dem Tiefpunkt im Dezember ging es aber wieder um 24 Prozent nach oben. Aktuell steht die Aktie bei rund 10 Euro.

          Die zwei Analysten, die das Unternehmen beobachten, empfehlen einen Kauf und haben ihre Zielkurse auf 16,90 Euro und 22,50 Euro gesetzt. „Wir hätten in den vergangenen drei Jahren mehr erwartet, aber die Smartphone-Durchdringung ist geringer als gedacht“, sagt Nuy. Die durchschnittlichen Wachstumsraten von 30 Prozent der vergangenen Jahre will das Unternehmen nun wieder deutlich überbieten.

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