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Mikrokredite : Entwicklungspolitik mit Rendite

Die KfW-Bank vergibt Kredite für Entwicklungsarbeit – ein moralisch wertvolles Engagement also? Bild: dpa

„Impact Investing“ heißt der Ansatz, bei dem es gleichermaßen auf eine finanzielle wie „soziale“ Rendite ankommt. Ein Teil sind Mikrokredite. Doch ein führender Anbieter warnt vor zu viel Begeisterung.

          Zwei Jahrzehnte ist es her, seit die Vollversammlung der Vereinten Nationen beschloss, 2005 zum internationale Jahr der Mikrofinanzierung zu machen. Drei Jahre später begann die Entwicklungskonferenz UNCTAD mit der Arbeit an einem virtuellen Mikrofinanzmarkt und war mit dabei, als ein Jahr später mit Blue Orchard der erste kommerzielle Manager von Mikrokrediten ins Leben gerufen wurde.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Aber eigentlich sei diese Form des „Impact Investing“ ja viel älter, schreiben der Vorstandsvorsitzende Patrick Scheurle und der Verwaltungsratsvorsitzende Peter Fanconi in ihrem Buch „Small Money – Big Impact“ und verweisen etwa auf die Franziskaner des 14. Jahrhunderts, die seinerzeit von privaten Gönnern unterstützte Pfandleihhäuser betrieben hätten, ohne dass das Gewinnziel im Vordergrund gestanden hätte.

          Blue Orchard verwaltet in seinem 1998 aufgelegten Fonds rund 1,6 Milliarden Dollar. Das klingt nicht nach viel, doch es sind mehr als zehn Prozent des vergleichsweise kleinen Marktes. 2,8 Milliarden Dollar hat man an Krediten seit 1998 über Mikrofinanzorganisationen an rund 880.000 Mikrounternehmer ausgereicht.

          Hohe Betriebskosten der Vergabe

          Wie ein typischer Mikrokredit aussieht, erklärt Scheurle am Beispiel einer kolumbianischen Ananasverkäuferin. Ein Kredit von 100.000 Peso (etwa 30 Euro) wird mit rund 25 Prozent jährlich verzinst. Die mit Ananas erzielbare Gewinnmarge sei ebenso hoch, so dass die Unternehmerin ihre monatlichen Zinskosten schon mit dem Verkauf von fünf Ananas decken kann. „Das könnte sie an einem Montagmorgen in 30 Minuten schaffen.“

          Auch wenn sich 25 Prozent angesichts der hierzulande üblichen Niedrigstzinsen nach Ausbeutung anhören mögen, will Scheurle das anders bewertet wissen. „Wir sprechen hier von Kreditnehmern, die in der Regel anderswo kaum eine Chance haben, einen Kredit zu bekommen.“

          Teuer ist vor allem die Betreuung der zahlreichen Mini-Kredite. 63 Prozent der Kreditkosten sind Betriebskosten – mehr als doppelt so viel wie in Industrieländern, wo die Kapitalkosten den Löwenanteil ausmachen. „Es ist fast egal, wie hoch die Kreditsumme ausfällt, die Kosten der Vergabe sind praktisch gleich.“ 194 Dollar ist etwa die durchschnittliche Kreditsumme in Indien oder Sri Lanka, 686 in Afrika südlich der Sahara.

          Was die Kosten treibt, ist dass Mikrokredite fast noch enger betreut werden als herkömmliche Darlehen. Für die lokalen Kreditbüros, die vermittelnden Mikrofinanzinstitute und die Geldgeber des Fonds, ist die Leistungsfähigkeit der Darlehensnehmer und die und Nachhaltigkeit der Darlehen ebenso wichtig wie die Rentabilität. Diese Gleichwertigkeit sei eben das, was „Impact Investing“ von konventionellem Investieren, zu dem Fanconi auch das „Nachhaltige Investieren“ zählt und von philantropischem Engagement unterscheide.

          Zusammenarbeit mit vielen Entwicklungsorganisationen

          Und so geht es Fanconi beim Gespräch mit der Presse auch gar nicht um Geld. Geld sei genug da, sagt der Schweizer. „Wir möchten darauf aufmerksam machen, was Impact Investing bewirken kann.“ Zu 13 der 17 der Nachhaltigen Entwicklungsziele der vereinten Nationen trügen Investmentlösungen von Blue Orchard bei, die sich nicht auf den Mikrofinanzbereich beschränken.

          2014 etwa hat man gemeinsam mit der KfW und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit einen regionalen Bildungsfonds für Afrika aufgelegt. Ziel sei es, angesichts dysfunktionaler öffentlicher Schulen mehr Menschen den Zugang zu Privatschulen zu ermöglichen.

          Letztlich dient dies auch einem anderen nachhaltigen Entwicklungsziel: der Verringerung der weltweiten Flüchtlingsströme. Auch mit den Stiftungen von Arnold Schwarzenegger und Leonardo DiCaprio arbeite Blue Orchard zusammen.

          Verdrängt von Gratiskapital

          60 Prozent der Kredite fließen an Frauen, in Südasien sind es sogar 100 Prozent. Das hat weniger mit einer gezielten Frauenförderung zu tun als damit, dass Frauen die besseren Kreditnehmer seien, so Scheurle. „Sie sind risikoaverser, beratungsaffiner und weniger eigennützig“, formuliert der Manager diplomatisch. Will heißen: Männer sind überzeugter, dass sie alles alleine können, verzocken das Geld leichter und wenn sie dann einmal etwas verdient haben, hauen sie es auch schneller auf den Kopf.

          Auch das „Impact Investing“ mit Mikrokrediten kann nur einen Beitrag zur Lösung der verzwickten Armutsprobleme leisten. Das zeigt etwa die Tatsache, dass zwei Drittel der Mikrofinanzkunden des Fonds in Asien zu finden sind und nur 8 Prozent in Afrika. Scheurle erklärt das nur zum einen damit, dass in Asien eben sehr viel mehr Menschen lebten, gerade etwa in Indien.

          Zum anderen aber fließe nach Afrika eben viel Gratiskapital in Form konventioneller Entwicklungshilfe. „Das ergibt dann ein schlechtes Risiko-Rendite-Profil“, sagt Scheurle. „Das ist für Investoren nicht mehr interessant.“

          Skepsis gegenüber zu großen Mittelzuflüssen

          Zudem ist das Segment trotz eines starken Wachstums von 90 Prozent in nur zwei Jahren mit 114 Milliarden Dollar im Jahr 2016 eher klein. Doch Scheurle und Fanconi warnen vor zu großen Zuflüssen, gerade im Mikrofinanzbereich. Es sei schwierig, große Summen erfolgreich zu plazieren, weil die Kreditvergabe genau geprüft werden müsse.

          Deswegen sind beide auch von Crowdlending und Smartphonekrediten nicht überzeugt. Bestechend seien zwar die einfache Handhabung, gleichzeitig aber seine die Ausfallraten massiv angestiegen. Dagegen weist der Fonds nur eine Ausfallrate von wenig mehr als einem Prozent aus – gerade einmal 23 von 1754 Darlehen wurden nicht zurückgezahlt. Das könne mitunter sicherer sein als Schweizer Hypotheken, meint Scheurle.

          Dabei kommt der Fonds auf eine Rendite von mehr als 4 Prozent pro Jahr. Allerdings auf Dollarbasis, in Euro sind es wohl eher zwei Prozent, so Blue Orchard. Für deutsche Privatanleger ist das aber gleichgültig. Die Anlegerschutzbestimmungen in Deutschland hindern  deutsche Privatanleger daran, in den Fonds zu investieren.

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