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Maschinenbauer Singulus : Der ewige Patient

Singulus wird die optische Scheibe nicht los. Bild: Singulus

Der Maschinenbauer Singulus hat zum zweiten Mal in kurzer Zeit sein Grundkapital fast aufgezehrt. Zwar gibt es Hoffnung, doch die gab es in den vergangenen 13 Jahren schon oft.

          Unternehmer sein ist nicht leicht, selbst wenn man alles richtig macht. Das liegt daran, dass man viele Dinge nicht selbst in der Hand hat. Am allerwenigsten trifft dies auf den technischen Fortschritt zu. Noch in den Neunziger Jahren hätte man sich eine Welt ohne Kodak nicht vorstellen können. Doch mit der Digitalisierung wurde die herkömmliche Fotografie überflüssig. Und Kodak, das diese selbst erfunden hatte, ging unter. Das Unternehmen hatte den Fortschritt aufhalten oder verzögern wollen und wurde dann von diesem überrollt. Eastman Kodak hatte sich nicht neu erfinden können – oder wollen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ein Unternehmen, das sich offenbar angesichts des technischen Fortschritts nicht hat neu erfinden können, ist der Maschinenbauer Singulus. Vor 17 Jahren verzeichnete das Unternehmen rasantes Wachstum. CDs und DVDs waren die aktuellen Datenträger und Singulus baute die Anlagen zu ihrer Produktion. Der damalige Vorstandsvorsitzende Roland Lacher prognostizierte ein Marktwachstum bis 2007 von 80 Prozent.

          Abermals Eigenkapitalprobleme

          Vergangene Woche nun vermeldete Singulus nun zum zweiten Mal von rund zwei Jahren, dass die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt sei. Zum 31. August sei gemäß HGB der Verlust für das laufende Geschäftsjahr auf 16,7 Millionen Euro geklettert. Damit sei das Eigenkapital gegenüber dem Jahresbeginn um mehr als 80 Prozent auf nur noch 3,7 Millionen Euro geschrumpft. Man werde nun unverzüglich eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen.

          Grund sei, dass gemäß HGB der Umsatz für Aufträge erst nach deren Abschluss ausgewiesen werde. Die Abnahme der Anlagen für eine neue Fabrik für CIGS Dünnschicht-Solarzellen in China werden aber größtenteils voraussichtlich erst zu Beginn des kommenden Geschäftsjahres erfolgen.

          Konkret legte Singulus am Mittwoch nach:

          Demnach wird sich der Umsatz 2017 nicht etwa auf etwa 140 Millionen Euro verdoppeln, sondern nur um 30 bis 45 Prozent wachsen. Das Betriebsergebnis wird in etwa bei null liegen, könnte aber auch noch im prognostizierten niedrigen einstelligen Millionenbereich liegen.

          Etwas nachdenklich stimmt, dass nicht etwa technisch bedingte Verzögerungen zu verzögerten Zahlungen geführt haben. Vielmehr habe der Kunde des Großprojektes mitgeteilt, dass die vertraglich vereinbarte Anzahlung für die nächsten Maschinen erst zum Ende des Jahres eintreffen werde. Deswegen erwarte Singulus nicht mehr, dass mit dem Beginn der Arbeiten noch rechtzeitig begonnen werden könne.

          Hier stellen sich mehrere Fragen: Warum zahlen die Chinesen nicht termingerecht? Kann oder will Singulus mit den Arbeiten nicht rechtzeitig beginnen? Und was bedeutet dies für den Status des Projekts?

          „Wir sind insgesamt sehr optimistisch“

          Es zeigt sich, auf welchem dünnen Boden das Unternehmen agiert. Der Auftragswert wurde seinerzeit mit 110 Millionen Euro angegeben – 2016 hatte Singulus noch insgesamt knapp 70 Millionen Euro umgesetzt, im ersten Halbjahr 2017 waren es immerhin 48 Millionen gewesen.

          Der Vorstandsvorsitzende Stefan Rinck verbreitet aber Optimismus. Der wirtschaftliche Erfolg der Aufträge bestehe unverändert. „Wir erwarten einen längeren Investitionszyklus speziell für hochwertige CIGS Solar-Dünnschichtmodule. Wir sind daher insgesamt sehr optimistisch in unseren Erwartungen für das Segment Solar."

          Im Mai vergangenen Jahres hatte Singulus mit dem vorgenannten Auftrag den größten seiner Firmengeschichte erhalten und für Aufsehen und eine Verdopplung des Aktienkurses gesorgt. Das hielt allerdings nicht lange, eben weil die Erträge erst später fließen, jetzt sogar erst 2018. Im Juni 2016 war Singulus noch von 2017 ausgegangen.

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