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Mastercard : Eine Frankfurterin ist Herrin über Millionen Kreditkarten

Martina Hund-Mejean im Technologie-Zentrum von Mastercard in Manhattan Bild: Kai Nedden

Martina Hund-Mejean hat sich an der Wall Street ganz nach oben gearbeitet. Bei Mastercard ist sie für Finanzen und Strategie zuständig. Ein weiter Weg – sie kommt aus einem Stadtteil von Frankfurt.

          Martina Hund-Mejean ist eine der einflussreichsten Managerinnen an der Wall Street. Die langjährige Finanzchefin von Mastercard steht regelmäßig auf den entsprechenden Ranglisten ihrer Branche, und der Berufsverband Financial Women’s Association ehrte sie kürzlich als „Frau des Jahres“. Der Erfolg lässt sich auch am Aktienkurs von Mastercard ablesen, der sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verachtfacht hat. Hund-Mejean hat im vergangenen Jahr fast sechs Millionen Dollar verdient, und als sie zusammen mit ihrem Mann eine neue Wohnung an der Westseite von Manhattan kaufte, stand das sogar in der „New York Times“.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Damit dürfte Hund-Mejean, die auch für die Entwicklung und Umsetzung der Unternehmensstrategie von Mastercard verantwortlich und die Nummer zwei hinter Vorstandschef Ajay Banga ist, die derzeit erfolgreichste deutsche Managerin überhaupt sein. In ihrem Heimatland wäre eine solche Traumkarriere kaum möglich gewesen. Zwischen Manhattan und Mainhattan, wo Hund im Stadtteil Frankfurt-Höchst geboren wurde und einst bei der Deutschen Bank in die Lehre ging, liegen nämlich Welten – und das hat nicht nur mit der Dimension der Unternehmen zu tun.

          Mastercard, nach Visa der weltweit zweitgrößte Betreiber eines globalen Zahlungsnetzwerks, ist ein multinationaler Finanz- und Technologiegigant mit einem Börsenwert von 160 Milliarden Dollar – viermal so viel wie die Deutsche Bank. In der amerikanischen Wirtschaft ist Hund-Mejean aber dennoch keine Exotin. Fünf Prozent der großen Unternehmen im Aktienindex S&P 500 – insgesamt 26 – werden von Frauen geführt, darunter der Technologiekonzern IBM und der Autohersteller General Motors. Auch in der zweiten Reihe gibt es viele weibliche Talente. In Deutschland gibt es gerade mal drei weibliche Vorstandsvorsitzende bei insgesamt 160 börsennotierten Unternehmen, darunter befindet sich kein großer Dax-Konzern. Dazu sind mehr als neun Zehntel aller Vorstandsposten in Männerhand.

          Aus der Manager-Schmiede

          Aufgewachsen ist die heute 57 Jahre alte Mastercard-Finanzchefin zunächst in Höchst. Dort war ihr Vater, ein provomierter Chemiker, für die damalige Hoechst AG tätig. Später zog die Familie nach Schneidhain, ein Ortsteil im hessischen Königstein im Taunus. Auf der privaten Ursulinenschule, einem Mädchengymnasium, entdeckte sie ihre Affinität für Naturwissenschaften, für Mathematik und Physik. Die Abschlussprüfung ihrer Banklehre zog sie vor, um rasch studieren zu können. „Ich musste deswegen aber als kleiner Azubi zum Personalvorstand hoch“, erinnert sie sich mit einem Lachen, als wundere sie sich heute noch über ihre Chuzpe. Der hatte Verständnis und erklärte ihr nebenbei, was ein Vorstand macht.

          Hund studierte Volkswirtschaft in Freiburg, machte Praktika bei IBM sowie beim mittlerweile in der Großbank JP Morgan Chase aufgegangenen Kreditinstitut First Chicago in London, und heuerte nach ihrem Examen in Frankfurt beim Chemieunternehmen Dow Chemical als Kreditanalystin an – alles Tochtergesellschaften amerikanischer Unternehmen. Ein Jahr später ging sie an eine der renommiertesten Manager-Schmieden der Vereinigten Staaten, die Darden School of Business der University of Virginia, um einen MBA-Abschluss zu machen. „Die amerikanische Arbeitsweise mit offenen Büros und das Anreden mit Vornamen hat mir besser gefallen als die der deutschen Firmen, wo die Türen zu waren“, sagt sie.

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