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Lebensversicherungen : Versicherer streiten sich mit Vermittlern

Der scheidende GDV-Präsident Alexander Erdland. Bild: TRUEBA/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Bald wird der Gesetzgeber das Gesetz zur Reform der Lebensversicherung überprüfen. In der Branche wächst die Nervosität.

          Nach außen ist der jährliche Versicherungstag der deutschen Assekuranz eine harmonische Veranstaltung. Haben sie die Gremiensitzungen des Vortags hinter sich gebracht, nehmen sich viele Vorstände die Zeit, anregenden und oft etwas wesensfremden Vorträgen von Wissenschaftlern und Politikern zu lauschen. Diesmal sind es der australische Historiker Sir Christopher Clark und Altkanzler Gerhard Schröder. Beide sind auf ihre Weise Fachleute für Umbrüche – dem Begriff, der dem Versicherungstag sein Motto und der Branche ihre Herausforderung eingebracht hat. Deshalb tagt man dieses Mal in einem ehemaligen Postverteilzentrum in Berlin-Kreuzberg, das nun ein schmuckes Tagungszentrum ist. Doch im Inneren brodelt es. Die selbständigen Vermittler, die für vertriebliche Schlagkraft in der Fläche sorgen, sind in vielerlei Hinsicht von den Versicherern enttäuscht. Zudem büßt die Branche in der Altersvorsorge allmählich ihre Ausnahmestellung ein. Immerhin aber hat man durch Millionen-Investitionen in der Digitalisierung aufgeholt.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Eine der Aufgaben, welche die neue Bundesregierung von ihrer Vorgängerin geerbt hat, steht unmittelbar bevor: Das vor drei Jahren eingeführte Gesetz zur Reform der Lebensversicherung soll im kommenden Jahr evaluiert werden. „Es ist wichtig, dass wir die Erwartungen des Gesetzgebers erfüllen, was Transparenz und die Vertriebskostenentwicklung angeht“, sagt Alexander Erdland, der scheidende Präsident des Branchenverbands GDV, dem am Mittwoch Wolfgang Weiler nachgefolgt ist.

          In dem Gesetz war festgeschrieben worden, die kalkulatorischen Abschlusskosten zu senken. Ein höherer Anteil der Vergütung von Vermittlern sollte auf die Laufzeit der Verträge verteilt werden, um Anreize für eine Folgeberatung zu setzen. Aus Erdlands Sicht ist die Branche gut vorangekommen – wenn auch mit Zeitverzögerung. „Die Vergütungen sinken, aber wir brauchten Zeit, weil wir Vereinbarungen mit den Vermittlern hatten“, sagt er. Die Politik habe dem Wunsch der Branche entsprochen, das umstrittene Provisionssystem aufrechtzuerhalten. „Wir brauchen deshalb Resultate“, sagte Erdland.

          In der Vermittlerschaft herrscht dagegen ein anderer Eindruck vor. „Die Versicherer haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht“, sagt Ulrich Zander, Vizepräsident des einflussreichen Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute, der 40.000 Vertreter und Makler vertritt und mit seinen Positionen immer wieder Gehör in den Regierungsfraktionen findet. „Wir befürchten, dass das den Vermittlern auf die Füße fällt“, sagt Zander.

          Zähmen Sie Ihren Regulierungswillen!

          In einer Umfrage hat der BVK herausgefunden, dass die zwangsweise Herabsetzung des kalkulatorischen Abschlusskostensatzes von vier auf 2,5 Prozent der Beitragssumme das Vergütungsniveau der Vermittler signifikant verringert habe: zwischen 0,15 und 0,7 Prozentpunkten. Überdies hätten viele Versicherer die Stornohaftzeit für ihre Vertriebspartner über die gesetzlich verlangten fünf Jahre gehoben: Im Durchschnitt liege sie jetzt bei sechs Jahren. Das heißt, so lange können die Versicherer noch Teile der Provision zurückverlangen, wenn der Kunde nachträglich kündigt – auch aus Gründen, für die der Vermittler nichts kann.

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