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Adidas, Puma und Nike : Laufschuhe und WM bewegen die Sportaktien

Neuer Lauf: Beim 3D-Druck scheint Adidas in der Sportartikelbranche Vorreiter zu sein. Bild: dpa

Adidas liegt als Fußball-Sponsor und Vorreiter beim 3D-Druck gut im Rennen. Nike gibt derweil Umsatzrätsel auf – und für den Kauf der Puma-Aktie scheint es noch zu früh.

          Aktien von Sportartikelherstellern wie Adidas, Puma und Nike stehen vielleicht vor einem neuen Lauf. Zumindest ermöglicht ihnen das 3D-Druckverfahren künftig, Turnschuhe für jeden Kunden individuell herzustellen. Das ist etwa für Jogger interessant, wenn sie, angepasst an ihren Laufstil und ihr Gewicht, auf ihrer ganz persönlichen Fußsohle rennen. Der individuelle Laufschuh muss, anders etwa als die schon länger übliche teure Alternative zum drückenden Skischuh, kein Nischenprodukt bleiben. Für den größten deutschen Sportartikelhersteller Adidas machen schließlich die Einnahmen mit herkömmlichen Laufschuhen etwa die Hälfte des rund 20 Milliarden Euro hohen Jahresumsatzes aus. Die DZ Bank, das Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken, hat am Freitag die Aktie von Adidas zum Kauf empfohlen – allerdings aus anderen Gründen.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In den letzten drei Monaten war die Aktie von Adidas keineswegs ein Dauerläufer. In den vergangenen drei Monaten sind Dax und F.A.Z.-Index rund 2 Prozent gestiegen, Adidas dagegen hat 13 Prozent an Wert verloren. Schlechter liegt in diesem 3-Monats-Zeitraum im Dax nur die RWE-Aktie. Darauf hebt die DZ Bank ab: „Wir würden die gegenwärtige Kursschwäche nutzen, um neue Positionen in der Adidas-Aktie einzugehen.“ Als Grund für die schwache Kursentwicklung vermutet DZ-Analyst Herbert Sturm, dass Adidas amerikanischer Wettbewerber Nike im Dezember für die Monate September, Oktober und November einen Umsatzrückgang bekanntgegeben hat. Offenbar sehen einige Börsianer nun das Risiko, dass auch Adidas’ Amerika-Geschäft im vierten Quartal gelitten haben könnte. DZ-Analyst Sturm geht aber davon aus, dass das Umsatzwachstum in Amerika angedauert hat.

          Adidas rüstet 12 von 32 Nationalmannschaften aus

          In Amerika ist Adidas mit seiner Tochtergesellschaft Reebok vertreten, die gerade in Boston werbewirksam für junge, internetaffine Kunden ein neues Hauptquartier bezogen hat. Belebend auf das für Adidas viel wichtigere Geschäft in Europa dürften sich 2018 die Olympischen Winter-Spiele in Südkorea und die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland auswirken. Während des Turniers in Russland rüstet Adidas zwölf der 32 Nationalteams aus, darunter Argentinien, Russland, Spanien und Deutschland. Auch weil Adidas somit in Wohnzimmern und Biergärten in diesem Sommer sehr wahrgenommen werden wird, empfiehlt die DZ Bank die Aktie mit einem Kursziel von 215 Euro zum Kauf. Am Freitag lag die Adidas-Aktie mit einem Kursgewinn von 2 Prozent auf 170 Euro unter den besten Tageswerten im Dax schon vorn.

          ADIDAS

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          Dagegen scheint es für den Kauf der Puma-Aktie noch zu früh. Nicht nur für das Bankhaus M.M. Warburg muss erst die fehlgeschlagene Übernahmespekulation aus dem Kurs entweichen. Dass Puma nicht, wie viele Anleger vermutet hatten, irgendwann ganz übernommen wird, ist seit Donnerstagabend klar. Da gab der bisherige Mehrheitseigner Kering bekannt, teilweise aus Puma auszusteigen. Die Puma-Aktie verlor daraufhin am Freitag zunächst 13 Prozent. Allerdings mehr als verdreifacht sich nun der Streubesitz auf 55 Prozent. Plötzlich ist das Unternehmen mit einem Börsenwert von knapp 5 Milliarden Euro ein Kandidat für den Aufstieg vom S-Dax in den M-Dax – allerdings nur dann, wenn sich der Wertverfall der Puma-Aktie nicht fortsetzt. Als Sponsor bei der Fußball-WM hat dieser Sportartikelhersteller zumindest kein Glück. Pumas Aushängeschild Italien hat sich nicht qualifiziert.

          Sinkt Nikes Kurs – oder steigt der Umsatz?

          Pumas Umsätze in den Vereinigten Staaten sind vernachlässigbar. Dort ist Nike dank hoher Marktanteile in beliebten Sportarten wie Basketball dominant. Im Vergleich zu Adidas macht Nike auf der ganzen Welt rund 35 Milliarden Dollar (29 Milliarden Euro) Umsatz, also fast 50 Prozent mehr als Adidas, was sich im Börsenwert überaus deutlich zeigt. Hier liegt Nike doppelt so hoch wie Adidas. Dies ist ein Indiz dafür, dass die DZ Bank richtig liegen könnte und Adidas tatsächlich unterbewertet ist. Diese relative Unterbewertung zu Nike könnte sich allerdings auch dadurch auflösen, dass Nike an der Börse in den nächsten Monaten an Wert verliert. Dies ist aus Sicht der Analysten der australischen Bank Macquarie aber nicht zu befürchten. Sie erwarten vielmehr ein Ende des Umsatzrückgangs. Nikes Geschäft beleben werde ein neuer Laufschuh, heißt es in einer Studie. Der hat angeblich ein neuartiges Luftbett. Der Schuh sieht aber auf den ersten Blick recht klassisch aus.

          NIKE

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          Jedenfalls scheint Adidas beim 3D-Druck zumindest in der Sportartikelbranche Vorreiter zu sein. Zwar kämen in diesem Jahr höchstens 100.000 Stück auf den Markt, gemessen an den 2017 hergestellten 360 Millionen Paar Sportschuhen ist das nicht viel. Aber Adidas sagt von sich, dass keiner mehr 3D-Produkte herstelle. Diese Phantasie könnte dem müden Adidas-Kurs Beine machen.

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