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Steigender Ölpreis : Kann Saudi-Arabien liefern, was Trump bestellt hat?

Ölraffinerien am Golf: Saudi Arabien soll einspringen und mehr Öl fördern, wünscht sich Donald Trump. Bild: dpa

Öl wird immer teurer, nicht nur Fachleute machen sich zusehends Sorgen – sogar der amerikanische Präsident schaltet sich persönlich ein mit einer Bitte an Saudi-Arabien. Kann das Land ihm helfen?

          Der Ölpreis steigt. Das hilft den Ölförderländern und Konzernen, die diesen wichtigen Rohstoff verkaufen – sie verdienen mehr Geld. Für alle anderen bedeutet das teurer gewordene Öl aber vor allem eines: höhere Kosten. Umso mehr Geld sie ausgeben müssen für das Tanken oder Heizen, desto weniger bleibt übrig für Urlaub oder Essen gehen. Das ist der Grund, warum sich Fachleute zunehmend Sorgen machen darüber, dass der gestiegene Ölpreis das Wirtschaftswachstum bremsen könnte. Und es ist ein Grund, der hinter den schwächelnden Börsen steckt. Zur Erinnerung: Wer zu Jahresanfang Geld in Aktien gesteckt hat, konnte es in diesem Jahr bislang kaum mehren. Das gilt für europäische Börsenbarometer wie den Dax (minus 4 Prozent), aber auch für amerikanische wie den Dow Jones (minus 1 Prozent).

          Alexander Armbruster

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dabei ist die eigentlich robuste Wirtschaftsentwicklung wiederum eine Ursache dafür, dass das Öl heute mehr kostet als noch vor zwei Jahren, dass sich der Preis von seinem Tiefpunkt um 30 Dollar je Fass (159 Liter) zu Beginn des Jahres 2016 mittlerweile mehr als verdoppelt hat und – wie die Anleger sagen – mit der 80-Dollar-Marke kämpft: Die Nachfrage nach Öl hat schlicht und einfach zugenommen, Experten sagen für das Ende dieses Jahres einen weiteren Anstieg voraus.

          „Das kann man nicht bestellen wie einen Kaffee“

          Doch der Ölpreis ist nicht nur deswegen gestiegen. Hinzu kommt, dass die Förderländer-Vereinigung Opec einen höheren Preis anstrebt und ihre Produktionsmengen entsprechend angepasst hat; erst jüngst gibt es wieder Signale, dass dies nun zu einem Ende kommen könnte. Schlussendlich wird ein potentiell sehr potenter Lieferant in wenigen Monaten abermals ausfallen, und zwar unfreiwillig: Iran. Die amerikanische Regierung hat das Atomabkommen mit dem Land aufgekündigt und andere Länder aufgefordert, kein Öl mehr von dort zu kaufen. Unternehmen oder Staaten, die dies dennoch tun, droht Washington mit Sanktionen.

          Das hat den Ölpreis ebenfalls getrieben, was offenbar selbst das Weiße Haus überraschte und beunruhigte. Zumindest reagierte Präsident Donald Trump am Wochenende höchstselbst und teilte auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit: „Sprach gerade mit König Salman von Saudi-Arabien und erklärte ihm, dass ich wegen der Unruhen und Störungen in Iran und Venezuela Saudi-Arabien bitte, seine Ölproduktion zu erhöhen, möglicherweise um bis zu 2 Millionen Fass, um das auszugleichen... Die Preise sind zu hoch! Er ist einverstanden!“ Der Zeitpunkt ist wichtig: In den Vereinigten Staaten beginnt die Urlaubssaison, die Amerikaner tanken häufiger – und im Herbst stehen wichtige Wahlen an, in denen Trump und seine Republikaner ihre Mehrheiten in beiden Kammern des Kongresses verteidigen wollen.

          Die Rohstofffachleute in den Banken und Fondsgesellschaften zerbrechen sich wiederum seit Trumps Ankündigung die Köpfe. Können die Saudis das? Machen sie das wirklich? Und vor allem: Würde das den Preisanstieg nachhaltig stoppen? „Du kannst nicht zwei Millionen Fass (Öl) so bestellen, als würdest du irgendwo einen Kaffee ordern“, kommentierte Beat Wittmann vom Finanzdienstleister Porta Advisors gegenüber dem amerikanischen Finanzsender „CNBC“.

          Tatsächlich käme für eine solche Produktionsausweitung sowieso nur Saudi-Arabien in Betracht. Das Land verfügt über die größten freien Kapazitäten, könnte theoretisch Schätzungen zufolge 12 Millionen Fass am Tag fördern, hat aber, wie eine Umfrage des Finanzdienstes Reuters ergab, seine Förderung im Juni bereits um 700.000 Fass auf 10,7 Millionen Fass am Tag gesteigert. Eine Untersuchung des Finanzportals Bloomberg, die auf Befragungen von Analysten, Ölunternehmen und Ausschiffungen basiert, kommt zu dem Ergebnis, dass Saudi-Arabien seine Förderung um 330.000 Fass auf ungefähr 10,3 Millionen Fass erhöhte. Beide Rechnungen deuten darauf hin: Eine (weitere) Erhöhung um 2 Millionen Fass ist nicht mehr möglich.

          „Abgesehen davon, dass die von Trump genannten Störungen teilweise auch auf das eigene Konto gehen – den europäischen Unternehmen drohte er unverhohlen mit Sanktionen, sollten sie weiter Geschäfte mit dem Iran machen – wären nach der Erhöhung die freien Förderkapazitäten Saudi-Arabiens vollständig aufgebraucht“, schreiben die Rohstofffachleute der Commerzbank in einer Analyse und folgern weiter: „Der preisdämpfende Effekt wäre somit nur von kurzer Dauer. Sobald den Marktteilnehmern klar wird, dass kein Puffer für weitere Produktionsanhebungen mehr vorhanden ist, würden die Preise wieder steigen und zwar merklich.“

          Amin Nasser, der Vorstandsvorsitzende des saudi-arabischen Ölkonzern Saudi Aramco, bestätigte der Zeitung „Financial Times“, dass das Land auch dauerhaft 12 Millionen Fass Öl am Tag fördern könnte. Allerdings nicht sofort, sondern in frühesten sechs Monaten. Das Königshaus habe Energie-Analysten als Orientierung genannt, dass sie mittelfristig mit einer Produktionsmenge von 11 Millionen Fass am Tag rechnen sollten.

          Die Golfmonarchie dürfte auch auf Basis dieser Aussage kaum Trumps Wunsch nachkommen (können). Iran wiederum, der große Rivale Saudi-Arabiens in der Region, droht nun seinerseits in Richtung Washington mit Konsequenzen, falls die Vereinigten Staaten die Ölexporte des Landes zum Erliegen bringen wollen. Dies könne die Ausfuhren aus der Region insgesamt gefährden, sagte Präsident Hassan Ruhani laut einer Mitteilung seines Büros von diesem Dienstag. Er präzisierte dies nicht näher. Iranische Regierungskreise hatten zuletzt vor einer Blockade der Straße von Hormus gewarnt, die wegen der Gas- und Öllieferungen aus den Golfstaaten in alle Welt als sehr wichtige Schifffahrtsroute gilt.

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