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Sechs Jahre nach Fukushima : Tepco nähert sich der Wiederinbetriebnahme von Kernreaktoren

Das Fukushima Daiichi Kernkraftwerk in Okuma Town im Norden Japans Bild: AP

Der japanische Energieversorger Tepco geriet nach der Kernschmelze im Kraftwerk Fukushima in die Schlagzeilen. Nun steht er kurz davor, die verschärften Sicherheitsprüfungen für ein anderes Atomkraftwerk zu bestehen.

          Auf dem Weg zurück in die Nutzung der Atomenergie steht Japan vor einem historischen Moment. Der Betreiber des durch den Tsunami 2011 beschädigten Kraftwerks Fukushima Daiichi wird wohl in Kürze bestätigt bekommen, dass Atomreaktoren in einem anderen Kraftwerk des Unternehmens den verschärften Sicherheitsvorschriften genügen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Nukleare Regulierungsagentur neigt nach japanischen Medienberichten dazu, einen entsprechenden vorläufigen Bericht in der kommenden Woche zu beschließen. Eine endgültige Genehmigung wäre dann für den Herbst zu erwarten.

          Es wäre das erste Mal, dass zwei Reaktoren von Tokyo Electric Power Holding, abgekürzt Tepco, die neuen Sicherheitsanforderungen erfüllen. Es wäre zugleich das erste Mal, dass ein Siedewasserreaktor ähnlich des Typs in Fukushima Daiichi die erneute Zulassung erhielte.

          Bis die beiden Reaktoren aber wieder Strom ins Netz liefern, dürften noch Jahre vergehen. Am Standort des Kraftwerks in der Präfektur Niigata im Nordwesten Japans gibt es starken Widerstand gegen ein Wiederhochfahren der Reaktoren.

          Auch Kashiwazaki hat eine Vorgeschichte

          Bislang haben zwölf Reaktoren anderer Stromunternehmen im Süden und Westen des Landes die neuen Sicherheitsprüfungen bestanden. Alles sind Druckwasserreaktoren, die mit zwei getrennten Wasserkreisläufen arbeiten.

          In Siedewasserreaktoren wird die Stromturbine dagegen direkt durch Dampf des Wassers angetrieben, das durch Kontakt mit den Brennstäben erhitzt wird. Fünf Reaktoren sind in Japan derzeit im Betrieb. 37 im Prinzip betriebsfähige Reaktoren liegen brach.

          Tepco hatte schon 2013 die Sicherheitsprüfung der Reaktoren 6 und 7 im Kraftwerk Kashiwazaki-Kariwa am japanischem Meer beantragt. Die Anlage in der Präfektur Niigata gehört zu den größten Kernkraftwerken der Welt und hat eine unrühmliche Vorgeschichte. Nach einem schweren Erdbeben vor der Küste im Sommer 2007 gab es Schäden in der Anlage. Drei der sieben Reaktoren in dem Kraftwerk waren seither nicht mehr am Netz.

          TOKYO ELEC PWR

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          Die anderen vier wurden wie alle Reaktoren in Japan in der Folge des Atomunfalls in Fukushima Daiichi abgeschaltet und müssen vor einer neuen Inbetriebnahme verschärfte Sicherheitsstandards erfüllen. Tepco hofft darauf, in dem Kraftwerk wieder Strom erzeugen zu können, um den teuren Import fossiler Brennstoffe verringern zu können und um seine Finanzlage zu verbessern. Das Unternehmen steht vor Jahrzehnten des extrem teuren Rückbaus des havarierten Kraftwerks Fukushima Daiichi.

          Unter der Lupe

          Kashiwazaki-Kariwa ist eines von drei Kernkraftwerken, die Tepco vor dem Erdbeben und Tsunami-Unglück im März 2011 betrieb. In Fukushima Daiichi an der Ostküste Japans kam es nach der Flutwelle zur Kernschmelze, weil die Kühlung ausfiel. Im Schwesterkraftwerk Fukushima Daini gelang es den Tepco-Ingenieuren, die Lage zu stabilisieren und die vier Reaktoren abzuschalten. Auch Fukushima Daini ist seit 2011 nicht mehr am Netz.

          Die Nuklearaufsicht hat Tepco besonders gründlich unter die Lupe genommen und versucht abzuschätzen, ob das Unternehmen und sein Management fähig sind, Kernkraftwerke verantwortungsvoll zu betreiben.

          Nach der Kernschmelze in drei Reaktoren im Jahr 2011 in Fukushima Daiichi hatte Tepco eher verwirrt als planvoll reagiert und damit viel Kritik auf sich gezogen. Zweifel an der Eignung von Tepco, Nuklearanlagen sicher betreiben zu können, kamen abermals im Februar auf.

          Damals flog auf, dass das Unternehmen ein wichtiges Gebäude in der Anlage von Kashiwazaki-Kariwa fälschlicherweise als erdbebensicher gekennzeichnet hatte. Tepco mußte den Zulassungsantrag für den Betrieb der beiden Reaktoren daraufhin im Juni überarbeitet neu einreichen.

          Der lokale Widerstand gegen eine Inbetriebnahme von Reaktoren im Kraftwerk Kashiwazaki-Kariwa ist groß. Der Gouverneur der Präfektur Niigatta, Ryuichi Yoneyama, verlangt eine intensive Prüfung des Unglücks und der Sicherheitsvorkehrungen im havarierten Kraftwerk Fukushima Daiichi, bevor er der Stromerzeugung in Kashiwazaki-Kariwa zustimmen will.

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