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Technologie-Start-ups : Investoren lieben Versicherungs-Apps

Hoffentlich gut versichert: Mit neuen digitalen Lösungen können Risiken auch ganz kurzfristig abgesichert werden. Bild: Your_Photo_Today

Junge Unternehmen, die digitale Versicherungslösungen anbieten, sind bei Investoren gefragt. Die Kapitalgeber hoffen auch darauf, dass sich einige Technologien weltweit einsetzen lassen.

          Vor der schwarzen Piste im Skiurlaub noch schnell eine Unfallversicherung auf dem Handy abschließen oder auf einer Internetplattform die Versicherungsdaten eingeben und automatisch günstigere Konditionen vorgeschlagen bekommen. Mit solchen Angeboten könnte die Digitalisierung die Branche der Versicherer kräftig durchschütteln – und tut es teilweise schon jetzt. Denn in der ganzen Welt haben sich viele kleine Start-ups vorgenommen, mit neuen technischen Lösungen rund um das Thema Versicherung Kunden anzulocken.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Insurtech ist der Fachbegriff für diesen Teilbereich der seit einigen Jahren gefeierten Fintechs. Und jüngste Marktdaten zeigen, dass sich die Versicherungssparte unter den Finanz-Start-ups mehr und mehr zum Investorenliebling entwickelt. Einen Rekord bei den Investitionen, die in diese junge Branche fließen, erwartet die Beratungsgesellschaft KPMG. In einer am Dienstag vorgestellten Studie kommen die Autoren auf 1,53 Milliarden Dollar, verteilt auf 179 Transaktionen, die Risikokapitalgeber allein in den ersten neun Monaten des Jahres in der ganzen Welt in Insurtechs gesteckt haben.

          Im gesamten Jahr 2016 wurden demnach in 203 Deals 1,79 Milliarden Dollar in Versicherungs-Start-ups investiert. „Im Bereich der Insurtechs zeichnet sich für dieses Jahr sowohl bei der Anzahl der Deals als auch bei der Investitionssumme ein neuer Rekord ab“, kommentiert KPMG-Partner Sven Korschinowski die Ergebnisse.

          Technologien verbreiten sich schnell

          Die Beratungsgesellschaft Willis Towers Watson, die ebenfalls am Dienstag Zahlen zum Insurtech-Markt herausgegeben hat, verweist darauf, dass allein im dritten Quartal dieses Jahres mit 48 Transaktionen rund um die Kategorien Schaden/Unfall sowie Kranken-/Lebensversicherungen das bis heute dritthöchste Quartalsergebnis ermittelt worden sei.

          Dabei falle auf, dass sechs der Unternehmen aus den Schwellenländern Asiens, darunter drei aus China, sich Kapital beschafft hätten. Die höchste Transaktion war demnach mit 50 Millionen Dollar die Finanzierung der in Hongkong ansässigen Versicherungs-Vergleichsplattform Compare-Asia-Group.

          Die hohen Investitionen könnten auch die Angebote für deutsche Versicherungskunden schneller ändern als gedacht. Denn nach Ansicht von Willis Towers Watson kann eine Technologie, die in einem Markt funktioniere, relativ leicht auch auf andere Märkte ausgerollt werden – aller unterschiedlicher nationalen Regularien zum Trotz. „So, wie sich die Versicherungsbranche globalisiert und sich Wertschöpfungsketten in immer mehr spezialisierte kritische Funktionen zerteilen, wird sich die Technologie, die diese Funktionen unterstützt, zunehmend über unterschiedliche geographische Märkte hinweg einsetzen lassen“, sagte Carsten Hoffmann, verantwortlich für Digitalisierungsthemen bei Willis Towers Watson.

          Blick in Schwellenländer lohnt sich

          Der Blick auf Schwellenländer und insbesondere den drittgrößten Versicherungsmarkt der Welt, China, könne sich daher auch für europäische Unternehmen auszahlen. In solchen Schwellenländern seien die Unternehmen oft schneller in der Lage, Innovationen einzuführen als in Industrienationen. „Aufstrebende Märkte wie China zu beobachten gestattet uns einen Blick in die Zukunft“, sagt Michael Klüttgens, Leiter der Versicherungsberatung von Willis Towers Watson. „Wir sehen, in welche Richtung sich die Versicherungs-Wertschöpfungskette auch in den Industrieländern entwickeln wird.“

          Bei den klassischen Fintechs, die seit einigen Jahren vor allem mit neuen Technologien die Bankbranche aufwirbeln, machen viele Investoren inzwischen schon Kasse. Durch den Verkauf ihrer Anteile an solchen Start-ups haben Wagniskapitalgeber nach den Zahlen von KPMG im dritten Quartal in der ganzen Welt 940 Millionen Dollar erlöst.

          Das ist die zweithöchste Summe innerhalb eines Quartals überhaupt seit dem Jahr 2010 und im Vergleich zum vorigen Quartal eine Steigerung um fast 250 Prozent. Auch die Summe der Neuinvestitionen von Risikokapitalgesellschaften in Fintechs stieg vom zweiten zum dritten Quartal 2017 an: von 3,0 auf 3,3 Milliarden Dollar.

          Quelle: F.A.Z.

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