http://www.faz.net/-gv6-99dfa

Geldanlagen : Was taugen Dividenden-ETF?

Indexfonds (ETF) auf Dividendenaktien - Doch was taugen ETF in der Praxis? Bild: Picture-Alliance

Laut zahlreicher Umfragen mögen die Deutschen Aktien nicht wirklich. Indexfonds auf Dividendenaktien werden bei Anlegern jedoch immer beliebter. Aber was ist das?

          Die Deutschen sind in Fragen der Geldanlage ein zauderhaftes Volk. Aktien, das haben zahlreiche Umfragen gezeigt, mögen sie nicht – da kann der Zinssatz auf dem Sparkonto noch so niedrig sein. Nur für eine spezielle Aktienart haben sich die Deutschen in den langen Jahren der Niedrigzinsphase doch ein ganz kleines bisschen erwärmen können – für Aktien, die den Anlegern eine hohe jährliche Ausschüttung (Dividende genannt) bieten.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Finanzbranche hat dieses Interesse begierig aufgegriffen und leichter Hand mit einem anderen Trend kombiniert: nämlich mit den populären Indexfonds (ETF). ETF bilden die Wertentwicklung eines Aktienindex eins zu eins ab. In den Marketingabteilungen der Fondsgesellschaften hat man wohl so kalkuliert: Wenn ETF und Dividende schon für sich genommen die Anleger bewegen, wie gut fürs Geschäft wären da erst Dividenden-ETF. Solche ETF werden derzeit häufig aufgelegt, in der vergangenen Woche hat beispielsweise die Fondsgesellschaft DWS gleich drei neue Dividenden-ETF vorgestellt.

          Was ein gutes Geschäft für die Branche ist, muss aber nicht notwendigerweise ein lohnendes Investment für die Anleger sein. Darum hat die Quirin Privatbank für die F.A.S. geprüft, was die ETF in der Praxis taugen. Die Bank hat dazu die Wertentwicklung häufig genutzter Dividendenbarometer mit der Wertentwicklung bekannter Aktienindizes verglichen. Dem bekanntesten deutschen Aktienindex Dax beispielsweise hat man den Div-Dax gegenübergestellt, zu dem 15 Dax-Konzerne gehören, die Dividenden zahlen. Und das Weltaktienbarometer MSCI World, das die Wertentwicklung der wichtigsten Aktien aus 23 Industrieländern abbildet, musste sich mit dem dazugehörigen Dividendenindex, dem MSCI World High Dividend, messen. Dem Vergleich liegt ein langer Zeitraum zugrunde: Die Experten haben die Wertentwicklung der vergangenen zehn Jahre betrachtet.

          Verheerendes Ergebnis

          Das Ergebnis der Untersuchung fällt verheerend aus für alle Anleger, die ihr Geld in Dividenden-ETF investieren. Nahezu in jeder Kategorie schneiden die bekannten Aktienbarometer besser ab als ihre Dividenden-Pendants. In Deutschland ist der Unterschied zugegebenermaßen nicht riesig: Der Dax kam in den vergangenen zehn Jahren auf eine Rendite von 5,8 Prozent im Jahresdurchschnitt, der Div-Dax liegt mit 5,6 Prozent nur knapp dahinter (siehe Grafik).

          Deutlicher fällt die Differenz beim MSCI World aus. Der Index erzielt im Schnitt der vergangenen zehn Jahre eine Rendite von 8,8 Prozent, der MSCI World High Dividend erreicht nur 6,9 Prozent – das ist an der Börse ein respektabler Unterschied. Auch in Europa ist der Abstand gewaltig: Der Euro Stoxx 50 hat zwar in den vergangenen zehn Jahren keine berauschende Wertentwicklung hingelegt. Aber mit durchschnittlich 2,3 Prozent pro Jahr enteilt er dem Dividendenindex Euro Stoxx Select Dividend dennoch um 1,5 Prozentpunkte.

          Wie lassen sich diese Unterschiede erklären? Zuallererst haben Dividendenindizes ein grundsätzliches Konstruktionsproblem. In ihnen sind stets weniger Aktiengesellschaften enthalten als in den dazugehörigen bekannteren Aktienbarometern. Der Dax hat 30 Mitglieder, der Div-Dax aber nur die Hälfte. Der MSCI World zählt rund 1600 Aktiengesellschaften, der MSCI World High Dividend kommt lediglich auf rund 280. Und der Euro Stoxx 50 zählt, wie der Name schon sagt, 50 Titel, während der Euro Stoxx Select Dividend nur auf 30 Titel kommt. Die Anleger investieren also in weniger Aktien, wenn sie Dividenden-ETF kaufen – ihr Geld ist nicht so breit gestreut.

          Dividendenindizes schwanken stärker

          Das ist nicht das einzige Problem: Verteidiger der Dividenden-Idee argumentieren gerne, dass Dividendenaktien ja nicht unbedingt die höchste Wertentwicklung erzielen müssten, zumindest aber weniger stark im Kurs schwankten. Genau das aber ist überraschenderweise nicht der Fall, wie die Analyse zeigt: Fast alle Dividendenindizes schwanken stärker als die bekannten Aktienbarometer.

          Dies hat auch mit einer dritten Schwierigkeit zu tun: Üblicherweise werden nur die Aktien mit der höchsten Dividendenrendite in Dividendenindizes aufgenommen, so ist es beim Div-Dax. Der Begriff steht für das Verhältnis der jüngst gezahlten Dividende eines Unternehmens zu dessen Aktienkurs. Das Blöde allerdings ist: Die Dividendenrendite kann auch dann hoch sein, wenn der Aktienkurs einer Firma dramatisch fällt, das Unternehmen die Dividende aber auf konstantem Niveau hält. Zwar versuchen manche Indexanbieter dies zu umgehen, indem sie nur solche Firmen aufnehmen, die die Dividende über Jahre hinweg leicht erhöhen und deren Aktienkurse wenig schwanken. Aber auch als „Dividenden-Aristokraten“ bezeichnete Barometer überzeugen meist nicht. Die Quirin Privatbank rät ihren Kunden generell davon ab, in Dividenden-ETF zu investieren. Auf den Ratschlag sollte man hören.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Künftiger Ministerpräsident? : Söder einstimmig nominiert

          Der bayerische Ministerpräsident bekommt in der Vorstandssitzung seiner Partei viel Applaus und soll nach dem Willen der Funktionäre seinen Posten behalten. Namhafte CSU-Politiker raten ihm gar zu einer Machterweiterung.

          Sportwagenhersteller : Porsche hat Lust auf mehr Börse

          Porsche richtet sich komplett auf Elektromobilität aus – und bleibt trotzdem bei einem Rendite-Ziel von 15 Prozent. Das weckt Phantasien.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.