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„Meilenstein“ im Fondsgeschäft : In Deutschland stecken jetzt 3 Billionen Euro in Fonds

2017: Ein gutes Jahr für Mischfonds. Bild: Picture-Alliance

2017 war ein erfolgreiches Absatzjahr für Fonds, Mischfonds waren wieder beliebteste Kategorie. Unterdessen warnt der Bundesverband Investment und Asset Management vor Überregulierung Branche.

          Einen „Meilenstein“ im Fondsgeschäft konnte am Montag der Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) vermelden: Zum ersten Mal in der Geschichte stecken in Deutschland mehr als 3 Billionen Euro in Fonds, davon entfallen mehr als 1 Billion Euro auf sogenannte Publikumsfonds für Privatanleger. Zudem hätten Fonds im Jahr 2017 ihr zweitbestes Absatzjahr nach dem Jahr 2015 erzielt. Verbandspräsident Tobias Pross machte dafür die „positive Grundstimmung“ an den Finanzmärkten im vergangenen Jahr verantwortlich.

          Zum fünften Mal in Folge seien dabei Mischfonds mit Aktien und Anleihen besonders beliebt unter den Publikumsfonds gewesen. Sie sammelten 29,5 Milliarden Euro neue Gelder ein. Hierbei standen Fonds, die zu gleichen Teilen in Aktien und Anleihen anlegen, besonders im Blick. Unter den Aktienfonds ist es offenbar so, dass den größeren Bestand die aktiv verwalteten Fonds aufweisen, die größeren Zuflüsse haben jedoch börsengehandelte Indexfonds („Exchange Traded Funds“, ETF) auf Aktienindizes. Die Zuflüsse in Aktienfonds insgesamt betrugen im Jahr 2017 rund 18,2 Milliarden Euro, davon entfielen 14 Milliarden Euro auf Indexfonds und nur 4,2 Milliarden Euro auf aktiv verwaltete Fonds. Hingegen beträgt der Bestand in aktiv verwalteten Fonds 283 Milliarden Euro, der in Aktien-ETF nur 111 Milliarden Euro.

          Den Rentenfonds flossen netto 20,7 Milliarden Euro zu. Unter anderem Fonds mit einem Schwerpunkt auf Anleihen aus Schwellenländern mit etwas höheren Zinsen verzeichneten Zuflüsse. Die größte Fondsgruppe insgesamt sind hingegen die Spezialfonds für institutionelle Anleger wie Versicherer und Pensionskassen. In ihnen stecken rund 1,6 Billionen Euro. Fast zwei Drittel davon sind laut BVI der Altersvorsorge zuzuordnen. Den Immobilienfonds flossen 5,5 Milliarden Euro zu, ihr Nettovermögen betrug zum Jahresende 89 Milliarden Euro. Leichte Abflüsse gab es bei Geldmarktfonds und sonstigen Fonds.

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          Der BVI warnte Behörden und Politik vor Überregulierung und vor Belastungen der Fondsbranche und Sparer. Deutschland brauche eine bessere, nicht mehr Regulierung. „2017 hat die Branche mehr gesetzliche Vorgaben umgesetzt als je zuvor“, sagte Thomas Richter, der Hauptgeschäftsführer des Verbands. Eine große deutsche Fondsgesellschaft beispielsweise habe wegen der Regulierungen mit sperrigen Namen wie Mifid II oder Priips und der Investmentsteuerreform insgesamt rund 560 Tonnen Post an ihre Kunden verschicken müssen – das entspreche dem Gewicht eines vollbeladenen und vollgetankten Airbus 380. „Die Branche ist inzwischen überreguliert. Statt immer weitere Regeln zu erlassen, sollten jetzt erst einmal die Wirkung der existierenden Vorschriften bewertet sowie Widersprüche und Fehler beseitigt werden“, forderte Richter.

          Der Verband sprach sich gegen die Abschaffung der Abgeltungsteuer und gegen die Einführung einer Finanztransaktionsteuer aus. „Das sind zwei Punkte, bei denen am Ende die Sparer belastet würden“, sagte Richter. In beiden Fällen sei die Umsetzung entsprechender Pläne der Politik noch an Bedingungen geknüpft, das mache ihm noch Hoffnung. Auch von Plänen, die Fondsaufsicht schrittweise auf die europäische Aufsichtsbehörde Esma („European Securities and Markets Authority“) zu verlagern, hält der Verband nichts. Dadurch werde die Aufsicht nicht einfacher, zudem drohe Doppelaufsicht: „Um Nachteile für Anleger und Branche zu vermeiden, muss die Produktaufsicht Sache der nationalen Aufsichtsbehörden bleiben.“

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