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Geplanter Börsengang : Hello Fresh will Anleger überzeugen

Hello Fresh liefert Kochboxen mit Rezept und passenden Zutaten. Bild: Hello Fresh

Verkauft Rocket Internet die Aktien des Kochboxlieferanten Hello Fresh zu teuer? Die zuständigen Banken werben mit aller Kraft um die Gunst der Anleger.

          Die schwachen Börsendebüts der österreichischen Bank Bawag und der italienischen Bank Monte dei Paschi belasten den nächsten Börsengang in Frankfurt nicht. Zumindest deuten die Kurse, die Altaktionäre von Hello Fresh gerade vorbörslich beim Aktienverkauf erzielen, darauf hin, dass das für den 2. November offiziell geplante Börsendebüt gut gelingen wird. Am Donnerstag zahlten Anleger auf der außerbörslichen Handelsplattform Tradegate für eine Hello-Fresh-Aktie 12,20 Euro. Damit erscheint es wahrscheinlich, dass Hello-Fresh-Aktien, die noch bis 1. November bestellt werden können, eher am oberen Ende der von 9 bis 11,50 Euro reichenden Angebotspreisspanne zugeteilt werden. Das ist nicht selbstverständlich, weil Hello Fresh einiges an Skepsis entgegenschlägt.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hello Freshs Geschäft mit Kochboxen, in denen ein Rezept und die dafür nötigen Zutaten stecken, gilt als leicht nachzuahmen. So liefern die Einzelhändler Rewe und Lidl auch schon online bestellte Waren ins Haus, und in den Vereinigten Staaten hat der riesige Online-Händler Amazon gerade die Biosupermarktkette Whole Foods gekauft. Daran knüpft sich die Erwartung, dass Amazon in Amerika bald in das Geschäft mit Kochboxen einsteigt. Hello Fresh aber will vor allem in den Vereinigten Staaten seinen Marktanteil ausbauen, und in den Vereinigten Staaten ist auch das einzige börsennotierte Vergleichsunternehmen beheimatet: Der Kurs des Rivalen Blue Apron aber hat seit dem Börsengang im Juni fast die Hälfte verloren.

          Bewertung erscheint zu hoch

          Falls es Hello Fresh tatsächlich gelingt, mit seinem Börsengang am oberen Ende der Preisspanne 357 Millionen Euro einzusammeln, wäre das Unternehmen an der Börse 1,5 Milliarden Euro wert. Das erscheint teuer, nicht nur, weil Hello Fresh 2016 einen Verlust von 46,5 Millionen Euro gemacht hat. Auch im Vergleich eben zu Blue Apron wirkt Hello Freshs Bewertung ambitioniert. Die Analysten des nicht im Emissionskonsortium vertretenen Bankhauses M.M. Warburg haben den Jahresumsatz von Hello Fresh und Blue Apron mit den Unternehmenswerten in Beziehung gesetzt und haben so für Hello Fresh einen Bewertungsaufschlag von 50 Prozent am oberen Ende der Preisspanne ermittelt.

          Die von Hello Fresh mit dem Aktienverkauf beauftragten Banken Berenberg, BNP Paribas, Deutsche Bank und JP Morgan müssen nun gegen die Meinung ankämpfen, Hello Freshs Eigentümer Rocket Internet verkaufe die Aktien zum Börsengang zu teuer. Die Argumente, die von den Banken vorgetragen werden, scheinen bei den Anlegern durchaus zu verfangen.

          Hartes Ringen um die Gunst der Anleger

          Warum Hello Fresh ein besseres Investment ist als Blue Apron – auf diese Frage von Anlegern antworten die Banken nach Informationen dieser Zeitung so: Blue Apron kämpfe in den Vereinigten Staaten mit Schwächen bei der Zustellung seiner Kochboxen und habe deshalb schwache Geschäftszahlen für das zweite Halbjahr in Aussicht stellen müssen. Hello Fresh dagegen habe gerade sieben neue Verteilungszentren in den Vereinigten Staaten eröffnet und jage Blue Apron damit Marktanteile ab. Innerhalb der nächsten vier Quartale werde Hello Fresh Blue Apron überflügeln, weil es dem Rivalen derzeit nicht gelinge, die Produktvielfalt von Hello Fresh zu kontern. Hinzu komme, dass Blue Apron derzeit weniger Geld für Werbung ausgebe.

          Darüber hinaus sagen die von Hello Fresh beauftragten Banken Blue Apron nach, schon 2018 sämtliche Einnahmen aus dem Börsengang ausgegeben zu haben, was bei Anlegern die Frage aufwerfe, wie das amerikanische Unternehmen seinen Betrieb weiter finanziere. Des Weiteren sei die Internetseite von Hello Fresh Mitte September erstmals häufiger besucht worden als die von Blue Apron, und die Kunden von Hello Fresh hätten eine deutlich höhere Zufriedenheit signalisiert als bei Blue Apron. Dieser Verkaufsmix aus harten Argumenten und schwer zu beweisenden Prognosen und teilweise sogar Unterstellungen zeigt, wie hart das Ringen um die Gunst der Anleger ist. Im Fall von Hello Fresh könnte es von einem erfolgreichen Börsengang gekrönt werden.

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