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Bridgewater : Der weltgrößte Hedgefonds wettet auf Baisse

Vor der New Yorker Börse Bild: AP

Bridgewater, der größte Hedgefonds der Welt, hat europäische Aktien im Wert von 14 Milliarden Euro leer verkauft. Die größte Position findet sich bei Siemens.

          Der führende Hedgefondsbetreiber der Welt spekuliert mit großen Mitteln auf eine Baisse an den europäischen Aktienmärkten. Seit Januar hat die nahe Greenwich (Connecticut) ansässige Fondsgesellschaft Bridgewater Leerverkäufe europäischer Aktien im Wert von rund 14 Milliarden Euro vorgenommen. Leerverkäufe sind ein unter Großanlegern verbreitetes Instrument, um auf sinkende Aktienkurse zu spekulieren. Hierbei leiht sich ein Anleger Aktien, die er verkauft, um sie später zu einem niedrigeren Kurs zurückzukaufen.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nach Angaben aus dem Bundesanzeiger hat Bridgewater bei führenden deutschen Aktiengesellschaften wie Siemens, Allianz, BASF und Deutscher Bank Leerverkaufspositionen über jeweils 0,8 bis 0,9 Prozent des Kapitals aufgebaut. Da Siemens von diesen Unternehmen mit gut 100 Milliarden Euro den größten Börsenwert besitzt, entfällt die größte Leerverkaufsposition von Bridgewater auf den Münchener Industriekonzern. Allein ihr Wert beläuft sich auf 800 bis 900 Millionen Euro.

          Daneben hat Bridgewater Leerverkaufspositionen in Frankreich, den Niederlanden, in Spanien und in Italien aufgebaut. Hier setzt der Hedgefonds nicht nur auf Kursverluste von Bankaktien. Aber es fällt doch auf, dass er Leerverkäufe bei BNP Paribas, Société Générale, Intesa, Unicredit, Finecobank, ING, Banco Santander und BBVA vorgenommen hat. Angesichts des Anstiegs vieler Anleiherenditen haben sich europäische Bankaktien – von einzelnen Werten wie Deutsche Bank abgesehen – in den vergangenen Wochen meist besser entwickelt als die Indizes für den Gesamtmarkt.

          Dalio: Schwacher Dollar stimuliert die Konjunktur

          Ray Dalio, der Gründer von Bridgewater, hat auf einer Internetseite die Baisse-Spekulationen gegen europäische Aktien mit der Annahme einer sich allmählich verschlechternden Konjunktur in Europa begründet. „Wir wissen nicht genau, wie weit die Aktienmärkte und dann die Wirtschaft vom Gipfel entfernt sind, aber es ist klar, dass die Anleihemärkte den Gipfel überschritten haben“, schrieb Dalio. „Ich sorge mich darum, wie der nächste Abschwung aussehen wird, auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass er bald kommen wird.“

          Stellt sich gegen Europas Aktienmärkte: Bridgewater-Gründer Ray Dalio

          Dalio hatte sich schon vor wenigen Wochen auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos nicht dem dort verbreiteten Optimismus für Wirtschaft und Börse anschließen wollen. Auf einer Podiumsdiskussion hatte Dalio auf die Schwäche des Dollars in den vergangenen Monaten verwiesen und die Ansicht vertreten, dass diese zur Stimulierung der Konjunktur in den Vereinigten Staaten beitragen werde. Dalio hatte sich auch nicht davon überzeugt gezeigt, dass die Notenbanken ungestört eine Normalisierung ihrer Geldpolitik betreiben können.

          Die Wechselkurse würden im laufenden Jahr zu einem Thema für die Geldpolitik, sagte er mit Blick auf die offen von der Europäischen Zentralbank (EZB) kritisierte amerikanische Neigung für einen schwächeren Dollar. Zudem sah Dalio einen begrenzten Spielraum der Notenbanken für Zinserhöhungen, da sehr viel Geld in Anleihen mit langen Laufzeiten angelegt sei und spürbare Renditesteigerungen mit kräftigen Kursverlusten einhergingen, an denen die Notenbanken kein Interesse haben könnten.

          Healthineers treibt Börsengang voran

          Unterdessen treibt Siemens den Börsengang seiner Gesundheitssparte Healthineers voran. Angesichts der kräftig gestiegenen Kursschwankungen am Aktienmarkt muss Siemens offenbar Preiszugeständnisse machen. Anstatt der bisher kolportierten 6 bis 10 Milliarden Euro, die der Verkauf von 15 bis 25 Prozent der Aktien bringen könnte, erwarten Finanzkreise nur noch ein Emissionsvolumen von 5 bis 8 Milliarden Euro. Eine Kapitalerhöhung soll es nicht geben, das Aktienpaket dürfte kleiner als 20 Prozent ausfallen. Dass der Börsengang wegen der seit Februar starken Kursschwankungen abgeblasen wird, gilt als eher unwahrscheinlich. Vielmehr gehen Finanzkreise davon aus, dass die Börsengänge von Healthineers und der Fondsgesellschaft DWS im Februar offiziell bekannt gegeben werden, damit sie nach den Vorschriften prinzipiell vor Ostern stattfinden können.

          Emissionsbanken haben den Wert von Healthineers dem Vernehmen nach auf bis zu 44 Milliarden Euro taxiert. Und bis vor wenigen Wochen hielten es die federführenden Banken Deutsche Bank, Goldman Sachs und JP Morgan für möglich, im Auftrag von Siemens Healthineers-Aktien für bis zu 10 Milliarden Euro zu verkaufen. Inzwischen aber ist der Angstindex der Deutschen Börse, der V-Dax, kräftig geklettert. Vor einem Monat wies der V-Dax, der den Absicherungsbedarf von Anlegern gegenüber Kursschwankungen misst, einen Wert von 14 auf. Nachdem die Kursschwankungen im Februar deutlich zugenommen haben und der V-Dax zeitweise auf 40 schnellte, beträgt er nun 25. Schon Werte ab 20 machen es nach Ansicht vieler Investmentbanker fast unmöglich, ein größeres Aktienpaket für einen Börsengang mehrere Tage in einer nur kleinen Preisspanne anzubieten und zu verkaufen. Dabei wäre Healthineers keineswegs klein, sondern der größte Börsengang seit der Deutschen Telekom, die im Jahr 1996 Aktien für umgerechnet 10,6 Milliarden Euro plazierte.

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