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Eurokrise : Griechenlands Banken kämpfen um Vertrauen

Die Bank von Griechenland in Athen Bild: AP

In dem Krisenland keimt ein zartes Pflänzchen der Hoffnung. Bankenpräsident Karamouzis hofft nun auf Investoren und eine Rückkehr der Einlagen. Was sagen die Zahlen?

          Es ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber der Trend ist gebrochen: Die Kunden schöpfen wieder etwas Vertrauen in die griechischen Banken. Im Gespräch mit dieser Zeitung berichtet Nikolaos Karamouzis, Präsident des griechischen Bankenverbands und Verwaltungsratsvorsitzender der Eurobank, dass die Einlagen der Institute seit Mai wieder um 1,8 Milliarden Euro gestiegen sind. Allerdings ist der Weg noch lang: Die griechischen Banken haben wegen der Staatsschuldenkrise und der damit verbundenen Angst vor einem Euroaustritt zwischen 2010 und 2016 Einlagen über fast 85 Milliarden Euro verloren. Auf den Konten liegen noch 125 Milliarden Euro. In der Krise, die mit dem Schuldenschnitt des griechischen Staates im Jahr 2012 auch die Banken des Landes in den Grundfesten erschüttert hat, sind 40 Prozent der Einlagen verschwunden.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch Karamouzis ist zuversichtlich. Denn das Vertrauen der ausländischen Investoren in die griechische Wirtschaft und ihre Aussichten sei wieder gestiegen. „Sie investieren vor allem in den Tourismus, die Pharmaindustrie, Logistik und Transport, in die Infrastruktur oder in erneuerbare Energien.“ Er muss es als Verwaltungsratsvorsitzender der Eurobank wissen, denn ein wichtiger Anteilseigner ist der amerikanische Handelsminister Wilbur Ross, der in der Presse wegen seiner Vorliebe für Krisen und angeschlagene Unternehmen auch schon als „Schrotthändler“ bezeichnet wurde.

          Arbeitslosigkeit auf 27 Prozent gestiegen

          Griechenland ist mit seiner Kreditwürdigkeit noch immer tief im Ramschniveau. Dagegen hat die Ratingagentur Standard&Poor’s (S&P) kürzlich das Rating für das andere Euro-Krisenland Portugal wieder als anlagewürdig eingestuft. Trotzdem konnte Griechenland Mitte Juli eine Anleihe mit fünfjähriger Laufzeit und einem Volumen von 3 Milliarden Euro plazieren. Die Investoren hatten mehr als doppelt so viel nachgefragt. Es war die erste Plazierung seit 2014.

          Bild: F.A.Z.

          Inzwischen gibt es Spekulationen über eine weitere Emission, wenn die laufende Überprüfung des dritten Hilfsprogramms abgeschlossen ist. Das Programm endet im August 2018, und bis dahin will Regierungschef Alexis Tsipras von der linken Syriza das Land aus dem Rettungsprogramm und der Abhängigkeit von den Gläubigern, der Eurogruppe und dem Internationalem Währungsfonds, herausgeführt haben. Die EU-Finanzminister haben am vergangenen Freitag auf ihrem Treffen in Tallinn Griechenland große Fortschritte bescheinigt. Die EU-Kommission hat sogar vorgeschlagen, das Land aus dem Verfahren für übermäßige Verschuldung zu entlassen. Das wertete der niederländische Finanzminister und Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem als ein Zeichen, wie weit das Land schon gekommen sei. Kürzlich forderte der französische Präsident Emmanuel Macron in einer Rede in Athen, im Hintergrund die angeleuchtete Akropolis, die Neugründung der Europäischen Union, um den Pfad der Demokratie wiederzufinden.

          Für Bankenpräsident Karamouzis steht fest: „Die Entwicklung in Griechenland geht in die richtige Richtung.“ In diesem Jahr wird Griechenland seinen Worten zufolge wohl zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder ein positives Wachstum von rund 1,5 Prozent verzeichnen. In der Krise hat die griechische Volkswirtschaft ein Viertel des Bruttoinlandsproduktes eingebüßt. Die Arbeitslosigkeit stieg auf 27 Prozent an. Zuletzt fiel sie wieder auf 21,7 Prozent. Für Karamouzis ist ein wichtiger Grund für die Erholung auch die schwindende Sorge, Griechenland könne aus dem Euroraum ausscheiden. Das politische Risiko eines Grexits sei wesentlich geringer. Die aktuelle Regierung arbeite daran, die mit den Gläubigern vereinbarten Reformen umzusetzen. Und die in Meinungsumfragen derzeit führende Oppositionspartei, die konservative Nea Dimokratia, wolle noch mehr Strukturreformen umsetzen sowie noch stärker privatisieren. „Die Gemeinschaftswährung ist für die griechische Wirtschaft ein Anker der Stabilität, und als Mitglied der Eurozone sind wir besser dran“, lässt Karamouzis keinen Zweifel an seinem Standpunkt.

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