http://www.faz.net/-gv6-97lbf

Plattform „Marcus“ : Goldman Sachs will auch in Europa an Privatkunden ran

Goldman-Chef Lloyd Blankfein hofft auf positive Ergebnisse durch Verbraucherkredit-Plattform Marcus. Bild: Andreas Pein

Die Investmentbank Goldman Sachs will online neben Verbraucherkrediten auch Altersvorsorge und Vermögensaufbau anbieten. Doch kommt das Angebot auch nach Deutschland?

          Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs will ihr Online-Privatkundengeschäft weiter kräftig ausbauen. Goldman Sachs hatte ihre Verbraucherkredit-Plattform namens Marcus 2016 in den Vereinigten Staaten eingeführt und plant noch in diesem Jahr den Schritt nach Europa. Mit Marcus zielte Goldman zunächst auf Kunden, die ihre Kreditkartenschulden refinanzieren wollen. Die Sparte hatte bis zum Ende des vergangenen Jahres schon Kredite im Volumen von mehr als 2,3 Milliarden Dollar vergeben, ist aber weiterhin ein nur kleiner Teil von Goldman Sachs.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Lloyd Blankfein, der Vorstandsvorsitzende der Bank, prognostiziert aber, dass Marcus in den kommenden Jahren die Resultate von Goldman positiv beeinflussen wird. „Marcus entwickelt sich von einem einzelnen Angebot zu einem Geschäft mit mehreren Produkten, von dem ich glaube, dass es in den kommenden Jahren die Nadel für die Firma bewegen wird“, sagte Blankfein kürzlich auf einer Investorenkonferenz. Bis zum Jahr 2020 prognostiziert Goldman ein Wachstum des Kreditvolumens um 13 Milliarden Dollar. Innerhalb des Konsumentengeschäfts sieht Blankfein zudem Chancen für neue Produkte für Vermögensaufbau und Altersvorsorge.

          Plattform sorgte für Aufsehen

          Zunächst soll Marcus von London aus in Großbritannien eingeführt werden. Einen potentiellen Aufbau des Privatkundengeschäfts in Deutschland hatte Jörg Kukies, Ko-Chef von Goldman in Deutschland, Ende des vergangenen Jahres in einem Interview mit der F.A.Z. als „offen“ bezeichnet.

          Die Einführung der nach dem aus Franken stammenden Firmengründer Marcus Goldman benannten Plattform für Konsumentenkredite hatte in der Finanzbranche für großes Aufsehen gesorgt, weil sich Goldman Sachs bis dahin als Investmentbank nicht für kleine Privatkunden interessiert hatte. Zu den Kunden von Goldman zählen traditionell große Unternehmen und Profianleger wie Hedgefonds oder Pensionskassen. Investmentbanken beraten Unternehmen bei Fusionen und Übernahmen und bringen sie an die Börsen. Dazu war Goldman traditionell stark im Handel mit Wertpapieren. Privatkunden hatte Goldman zwar auch schon vor dem Start von Marcus. Das waren allerdings in der Regel sehr reiche Leute, die Goldman die Verwaltung ihres Vermögens anvertrauten.

          Neues Geschäftsfeld

          Da der Wertpapierhandel in den vergangenen Jahren zum Teil wegen regulatorischer Änderungen schwieriger geworden ist, suchte Goldman Sachs nach neuen Geschäftsfeldern. Chancen identifizierte die Bank angesichts rapider technologischer Umwälzungen, etwa der starken Verbreitung von Smartphones, im Geschäft mit digitalen Finanzdienstleistungen für Privatkunden und Mittelständler.

          „Die traditionelle Art und Weise, wie Finanzdienstleistungen an Verbraucher und kleine Unternehmen übermittelt werden, wird durch den technologischen Fortschritt grundlegend umgestaltet“, hieß es schon Mitte 2015 in einer innerbetrieblichen Mitteilung, die an der Wall Street große Wellen schlug. Goldman wollte dabei seine „Kompetenzen in Technologie und Risikomanagement“ nutzen, ohne ein teures Filialnetz aufbauen zu müssen.

          Technologie wird immer wichtiger

          Goldman reagiert mit der Neuorientierung auch auf das schnelle Wachstum von Technologieunternehmen, die unter dem Schlagwort „Fintech“ das Geschäft traditioneller Banken bedrohen. Die Angebote dieser oft kleinen Finanzdienstleister reichen von Überweisungen und Kreditvergabe bis zur computergesteuerten Geldanlage. Goldman ist bekannt dafür, auf Trends schnell zu reagieren, und ist schon seit längerem an Fintechs beteiligt. Goldman hat nach Einschätzung von Blankfein als sehr auf Technologie fokussierte Bank klare Wettbewerbsvorteile in dem Bereich. Traditionelle Banken hätten nicht viele Anreize, um Kreditkartenschulden zu refinanzieren, sagte Blankfein auf der Konferenz. Die Banken verdienen gut an den in der Regel hohen Zinsen für Kreditkarten. Andere Konkurrenten – also die oft jungen und aufstrebenden Finanz-Technologieunternehmen – hätten derzeit weder eine ausreichend große Bilanz, noch könnten sie wie eine Bank Einlagen hereinnehmen.

          Goldman Sachs hatte kürzlich das Einlagengeschäft einer vom Mischkonzern General Electric abgestoßenen Finanzsparte übernommen und mit Marcus verschmolzen. Goldman-Manager betonen, dass das Geschäft behutsam ausgeweitet werden soll, um zu hohe Risiken zu vermeiden. Technologie spielt bei Goldman Sachs eine zunehmend wichtige Rolle. In der Technologiesparte der Bank arbeiten 9000 Programmierer, rund ein Drittel der Mitarbeiter der Bank. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bank ist zudem ein Manager aus dem Technologiebereich, Martin Chavez, Finanzchef und damit ein möglicher Kandidat für den Vorstandsvorsitz geworden. In der Vorstandsetage von Goldman tummelten sich bisher Manager, die im klassischen Investmentbanking oder in der Handelssparte Karriere gemacht hatten.

          Weitere Themen

          Wetten auf den Absturz

          Spekulieren auf Tesla : Wetten auf den Absturz

          Tesla-Chef Elon Musk bricht ein Versprechen nach dem anderen. Das rächt sich: Immer mehr Anleger setzen darauf, dass der Aktienkurs fällt. Wie lässt sich damit Geld verdienen?

          Cloud-Gewinner SAP

          Prognosen übertroffen : Cloud-Gewinner SAP

          Der Walldorfer Softwarekonzern überzeugt mit einer Trendwende im operativen Geschäft. Die hohen Investitionen in das Cloud-Geschäft tragen erste große Früchte. Der Umsatz mit der Wolke knackt erstmals eine wichtige Marke.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.