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Finanzmärkte : „Schwellenländer sind robuster“

Die Machang Grand Brücke in Südkorea, einem der vielen aufstrebenden Ländern. Bild: dpa

Investments in Schwellenländer gelten für Anleger als aussichtsreich aber im gleichem Maße auch als riskant. Die Fondsgesellschaft Franklin Templeton sieht derweil keinen Grund zur Sorge. Ein Fondsmanager erklärt warum das so ist.

          Die Verschärfung der politischen Krisen in der Welt führt bislang noch nicht dazu, dass sich die Anleger insgesamt aus Schwellenländern zurückziehen. Das sagt zumindest Chetan Sehgal im Gespräch mit der F.A.Z., der für die Investmentgesellschaft Franklin Templeton die Aktienanlage in Schwellenländern verantwortet. „Früher standen Schwellenländer vor allem für Öl und andere Rohstoffe. Inzwischen kommen große Technologiekonzerne aus diesen Ländern“, sagt Sehgal. „Dadurch sind die Schwellenländer heute viel robuster gegenüber politischen Krisen als früher.“

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ein Blick in den Templeton Emerging Markets Fund, den Sehgal von Singapur aus verwaltet, verdeutlicht, was er meint. Die größte Beteiligung des Fonds ist aktuell mit gut 8 Prozent der Mittel der koreanische Technologiekonzern Samsung, der gar nicht mehr viel mit einem klassischen Schwellenland-Unternehmen zu tun hat. Ebenfalls unter den 10 größten im Fonds vertretenen Werten sind die chinesischen Technologie-Riesen Alibaba und Tencent aus China sowie der südafrikanische Medienkonzern Naspers, der Beteiligungen in der ganzen Welt hat.

          „Viele Technologieunternehmen aus den Schwellenländern haben sich einen festen Platz in der Weltwirtschaft erobert. Inzwischen kommen mehr als 50 Prozent aller Patentanmeldungen in der Welt aus den Schwellenländern“, sagt Sehgal. Vor allem mit Blick auf die Elektromobilität sieht er durchaus die Chance, dass Unternehmen aus Südkorea oder China die globale Rangordnung in der Autobranche grundlegend neu aufstellen könnten. Mit Rohstoffen und Energie verdienen nur noch rund 10 Prozent der Beteiligungen ihr Geld.

          Große Wertschwankungen gehören dazu

          Der Fonds verwaltet derzeit 1,13 Milliarden Dollar und ist in den vergangenen Jahren kräftig gewachsen. Noch Ende 2016 hatte er gerade einmal 567 Millionen Dollar umfasst. Ende 2017 waren es mit 990 Millionen Dollar noch etwas weniger als eine Milliarde. Sehgal wertet das als Zeichen dafür, dass die Anleger wieder mehr Vertrauen in die Schwellenländer haben. Auch ein zweiter Fonds für kleine Aktien, den der gebürtige Inder verwaltet, konnte von 2016 auf 2017 sein Volumen auf 1,2 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln. Dass im Moment gleich mehrere politische Krisen klassische Schwellenländer wie Russland, die Türkei oder auch Südkorea betreffen, habe bislang noch nicht dazu geführt, dass die Anleger nennenswerte Summen abgezogen hätten, sagt Sehgal. Er sieht die Lage für seine Investitionen auch relativ gelassen.

          In Korea habe sich die Lage zuletzt wieder entspannt. In Russland müsse man abwarten, wie die von Amerika angekündigten zusätzlichen Sanktionen sich auf einzelne Unternehmen auswirken könnten. „Wir brauchen hier mehr Klarheit, um einschätzen zu können, ob wir Geld umschichten sollten“, sagt Sehgal. Ein Vorteil sei, dass Russland selbst nicht allzu stark in anderen Schwellenländern investiert ist. Insgesamt erwartet er nicht, dass eine Verschärfung der Krise in einem Schwellenland gleichzeitig negative Folgen für das Investitionsklima in allen Schwellenländern haben werde. „Die Märkte sind klar voneinander abgegrenzt“, findet Sehgal. Ohnehin achte er bei seinen Investition nicht so sehr auf den gesamten Markt, sondern sucht die Unternehmen nach ihren individuellen Faktoren aus.

          Nach wie vor gilt: Wer in Schwellenländer investiert, muss mit großen Wertschwankungen leben können. Der Franklin-Fonds hat von März 2016 bis März 2017 nach Angaben der Fondsgesellschaft um 32 Prozent zugelegt und den Vergleichsindex von MSCI in dieser Zeit um rund 7 Prozentpunkte geschlagen. Im Jahr davor ging es für den Franklin-Fonds um stramme 20 Prozent nach unten, ebenfalls etwas stärker als für den Vergleichsindex. In den vergangenen zwölf Monaten bis März 2018 sah der Wertzuwachs etwas moderater aus. Um 6,4 Prozent legte der Franklin-Fonds zu, während Anleger mit einer schlichten Investition in den MSCI-Index 9 Prozent Wertzuwachs erzielen konnten.

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