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Neues Ranking : Finanzplatz Frankfurt steigt auf

Der Finanzplatz Frankfurt gewinnt an Bedeutung. Bild: dpa

In einer neuen Rangliste rückt das größte deutsche Finanzzentrum deutlich nach oben – und setzt sich im Brexit-Standortwettbewerb von Paris ab.

          Ein halbes Jahr vor dem Brexit bekommt Frankfurt Rückenwind im europäischen Standortwettbewerb um Londoner Finanzgeschäfte. In einer neuen Rangliste der globalen Finanzzentren rückt Frankfurt vom zwanzigsten auf den zehnten Platz vor und ist damit einer der größten Aufsteiger.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Der Global Financial Centres Index wird zweimal jährlich vom Londoner Analysehaus Z/Yen Group gemeinsam mit dem China Development Institute veröffentlicht. Die vielbeachtete Untersuchung basiert unter anderem auf der Befragung von mehr als 2400 Marktteilnehmern rund um den Globus.

          Frankfurt vor Luxemburg und Paris

          In der Rangliste landet der größte deutsche Finanzplatz deutlich weiter vorne als andere wichtige Finanzzentren in der EU wie Luxemburg, Amsterdam, Paris und Dublin. Angesichts des bevorstehenden EU-Austritts Großbritanniens versuchen alle diese Städte intensiv Finanzgeschäfte und Arbeitsplätze aus London abzuwerben.

          Das Finanzplatz-Ranking ist ein weiterer Hinweis darauf, dass Frankfurt in diesem Konkurrenzkampf gut positioniert ist. Inzwischen kann man am Main offenbar auch mit mehr politischer Unterstützung aus Berlin rechnen: Erst in der vergangenen Woche hat Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Besuch in Frankfurt signalisiert, sich stärker als bisher für den heimischen Finanzplatz einsetzen zu wollen.

          Die Briten werden die EU voraussichtlich am 29. März 2019 verlassen. London bleibt zwar der mit Abstand wichtigste Finanzplatz in Europa. Doch verliert Großbritannien mit dem Brexit den „Finanzpass“ in die EU: Banken und andere Finanzdienstleister können nach dem Austritt voraussichtlich nicht mehr wie bisher von London aus ungehindert Geschäfte in den Mitgliedstaaten ausführen.

          Eine Übergangsfrist bis Ende 2020, die den Instituten den Übergang erleichtern würde, ist zwar vorgesehen, bisher aber nicht verbindlich beschlossen. Banken, Versicherer, Fondsgesellschaften und andere Finanzdienstleister haben begonnen, ihre Standorte in der EU auszubauen.

          New York ist Spitze

          London fällt in der aktuellen Rangliste knapp hinter New York auf den zweiten Platz zurück, was in der britischen Hauptstadt als Warnsignal gesehen wird. „Die Unsicherheit darüber, wie die Brexit-Zukunft aussehen wird, spielt da wahrscheinlich eine Rolle“, sagte Miles Celic, Vorstandschef des britischen Branchenverbands The CityUK. Allerdings haben London und New York in dem seit elf Jahren erstellten Ranking immer wieder die Positionen getauscht.

          Am Main sorgte das starke Abschneiden Frankfurts dagegen für Optimismus. „Das zeigt, dass unser Finanzplatz sich gut entwickelt“, sagte Hubertus Väth, Geschäftsführer des Lobbyverbands Frankfurt Main Finance der F.A.Z. Er rechnet damit, dass bis zum Jahr 2024 durch den Brexit in Frankfurt 10000 zusätzliche Arbeitsplätze in der Finanzbranche entstehen.

          „Das ist absolut erreichbar. Bis Jahresende werden wir hier bereits auf 1500 bis 2000 neue Jobs kommen“, prognostiziert Väth. Vor allem Dienstleister, die der Finanzbranche bei den Brexit-Anpassungen helfen, wie etwa Anwaltskanzleien, Wirtschaftsprüfer und IT-Firmen stockten derzeit am Main kräftig auf.

          Nach Zählung von Frankfurt Main Finance haben bisher 26 Banken angekündigt, wegen des britischen EU-Austritts in Frankfurt zu expandieren. Frankfurt liege damit klar vor Paris, sagte Väth. Der Finanzsektor ist weit größer als der in Frankfurt. Seit der als wirtschaftsfreundlich wahrgenommene Emmanuel Macron Präsident ist, hat Paris im Wettbewerb um Brexit-Abwanderungen Boden gut gemacht.

          So zieht die europäische Bankenaufsicht EBA von London nach Paris. Doch der Frankfurt-Lobbyist Väth ist optimistisch: „Dass Paris jetzt wieder im Rennen ist, bedeutet nicht, dass die Franzosen dieses auch gewinnen.“

          Paris landet in der Finanzplatzrangliste auf Platz 23 und hat sich damit gegenüber dem Frühjahr um einen Platz verbessert. Deutlich nach oben schoben sich Wien und Mailand. Allerdings sind die Abstände zwischen den Finanzzentren häufig relativ klein, weshalb sich die Reihenfolge schnell ändern kann. Die Analysten schätzen die Attraktivität von fünf Kriterien ab: dem geschäftlichen Umfeld für Finanzunternehmen, dem Arbeitsmarkt, der Infrastruktur, dem Entwicklungsgrad des Finanzsektors und der Reputation.

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