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Aktien aus Österreich : In Wien regieren die Bullen

Festtagsstimmung in Wien Bild: NIESNER/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Österreichs Leintindex ATX profitiert vom Aufschwung in Osteuropa. Geschäfte an der Wiener Börse könnten also attraktiv sein. Oder birgt die neue Regierung ein Risiko?

          Investitionen in Wien lohnen sich. Im ablaufenden Jahr haben die Anleger hier gut verdient, der österreichische Leitindex ATX hat seit Januar um 28 Prozent zugelegt – im Börsenjargon sind also die Bullen am Zug. Die an der Wiener Börse notierten Unternehmen sind wieder so viel wert wie zuletzt vor dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman-Brothers vor neun Jahren mit den darauf folgenden Schockwellen. Trotzdem ist der ATX mit 3300 Punkten noch immer weit entfernt von seinem Höchststand von 5000 Punkten im Sommer 2007. Nicht nur deswegen gibt es gute Chancen, warum der Lauf noch anhalten könnte.

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Zum einen haussiere Österreich verzögert, weil das Land ein Randmarkt sei, argumentiert Roland Neuwirth, Fondsmanager der Liechtensteiner Gesellschaft Salus Alpha Capital Manager. Zum anderen profitiere das Land jetzt verstärkt von seiner starken Verflechtung mit den postkommunistischen Märkten in Osteuropa. Diese hätten eine vergleichsweise geringe Staatsverschuldung. Zudem befänden sie sich im Aufschwung und hätten nach wie vor starken Nachholbedarf. Für nächstes Jahr erwartet das Wiener Institut für Wirtschaftsvergleiche (WIIW) für die fast zwei Dutzend untersuchten Volkswirtschaften in Mittel- und Osteuropa (CEE) ein Wirtschaftswachstum von durchschnittlich drei Prozent, nach 3,3 Prozent im ablaufenden Jahr.

          Das ist deutlich mehr als im gesamten Europa und Österreich, wo die Wachstumsdynamik einem günstigen Zusammenspiel internationaler und nationaler Einflussfaktoren zu verdanken sei, wie die Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit OECD sagt. Insbesondere erholen sich Exporte und Investitionen. Aber auch der private Konsum dürfte angesichts steigender Einkommen, einer rückläufigen Sparquote und einer sich aufhellenden Konjunktur steigen.

          Zu tun gibt es genug

          Möglicherweise befeuert die in der Endphase von Koalitionsverhandlungen stehende neue konservative Regierung von ÖVP und FPÖ – wie es sie zuletzt vor eineinhalb Jahrzehnte gab – auch den Aktienmarkt. Auf die Unternehmen, welche zuletzt über den Kapitalmarkt in die „Freiheit“ entlassen wurden, werde die neue Regierung zwar wenig Einfluss haben, sagt Fritz Mostböck, Chefanalyst der Erste Group. Sie könnte aber durch steuerliche Maßnahmen den Kapitalmarkt insgesamt nur fördern, die alte politische Koalition aus SPÖ und ÖVP hatte so gut wie keine Kapitalmarkt-Akzente gesetzt. Zu tun gibt es genug. Das Aktienforum in Wien hat eine ganze Liste an Wünschen, die den Markt beleben würden: Dazu gehört der Ausbau einer zweiten und dritten Säule in der Altersvorsorge, denn in Österreich dominiert das staatliche Rentenwesen. Ebenso die Öffnung der Anlageklasse Eigen- und Risikokapital für institutionelle Investoren.

          Neuwirth sieht durch eine Neuauflage von Christdemokraten und Freiheitlichen nur bedingt eine Belebung. „Vom Allzeithoch sind wir meilenweit entfernt. Es könnte eine gewisse Aufbruchstimmung geben, sofern Privatisierungspotentiale andiskutiert werden. Denn während der Bund seine Industriebeteiligungen großteils abgegeben hat, horten Länder und Gemeinden nach wie vor öffentliche Güter, und zwar quer durch die politischen Lager. Daher fällt trotz der großen Industrieprivatisierungen der Anteil des öffentlichen Sektors an der österreichischen Wirtschaft noch immer relativ umfangreich aus. Wie in Deutschland gibt es eine Fülle von Rückzugsmöglichkeiten der öffentlichen Hand: so ist die Stadt Wien mit fast einer Viertelmillion Wohnungen die größte Hausverwaltung Europas.

          Marktbeobachter bewerten den Markt weiter im Aufwind

          Zusätzliche Privatisierungen wären wichtig für den Kurszettel, der in den zurückliegenden Jahren gelitten hat und in den zurückliegenden Monaten nach langer Zeit erstmals wieder länger wurde. Die Emission des Geldhauses Bawag im Herbst war für den Markt eine Bereicherung, vor allem auch unter Liquiditäts-Gesichtspunkten. Der Titel stieg in den ATX ein und hat eine Gewichtung von 3,2 Prozent. Größter Kursgewinner im ATX war bisher die Raiffeisen Bank International mit einem Kursanstieg von 71 Prozent seit Jahresanfang. Stark zugelegt haben auch S-Immo und OMV.

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          Marktbeobachter bewerten den Markt weiter im Aufwind. Hervorgehoben wird die starke Markt- und Kostenführerschaft in globalen Marktnischen. Aus Sicht der Erste Group ergibt sich ein intaktes ATX-Gewinnwachstum von 35 Prozent im ablaufenden Jahr und 20 Prozent für nächstes Jahr. Im internationalen Vergleich sieht Erste Group die ATX-Unternehmen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,3 für 2018 – trotz der positiven Kursentwicklung – weiterhin attraktiv. Im historischen Vergleich liege das auf der Durchschnittsmarke von etwa 13,5.

          Erste Group rät zum Kauf des Immobilienwerts CA Immo wegen seiner attraktiven Bewertung mit einem Kursziel von 30 Euro. Zudem steht der Kranbauer Palfinger wegen seines nachhaltigen Gewinnwachstums auf der Kaufliste mit einem Kursziel von 40,1 Euro. Darüber hinaus wird der Baukonzern Strabag angesichts seiner starken Position in Osteuropa mit einem Kursziel von 42,9 Euro empfohlen. Raiffeisen Research sieht den ATX eher seitwärts in den nächsten Monaten. Empfohlen werden neben Strabag das Geldhaus Erste Group, der Stahlverarbeiter Voestalpine und die Immobiliengesellschaft S-Immo.

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