http://www.faz.net/-gv6-92305

Federal Reserve : Die zögerlichste Zinswende der Welt

Fed-Chefin Janet Yellen. Bild: dpa

Die amerikanische Notenbank will ihre Anleihen loswerden. Das lässt die Zinsen steigen. Gut für Anleger?

          Europa im Krisenmodus, Amerika Schritt für Schritt auf dem Weg zur Normalität: So könnte man beschreiben, was die beiden führenden Notenbanken der Welt derzeit von ihren Heimatregionen halten. Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft gerade jeden Monat Anleihen im Wert von 60 Milliarden Euro, um so die Zinsen niedrig zu halten, weil sie glaubt, der Euroraum habe die Krise noch längst nicht überwunden. Die amerikanische Notenbank Fed hingegen erhöht schon seit 2014 ihren Bestand an Anleihen nicht mehr und hebt seit 2015 sogar wieder die Leitzinsen an, denn Amerikas Wirtschaft läuft gut. Nun hat die Fed den nächsten Normalisierungsschritt eingeleitet: Sie reduziert die Zahl der Anleihen, die sie hält. Das hat weitreichende Folgen für Anleger auf der ganzen Welt.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Anleihen in der unvorstellbaren Höhe von 4,5 Billionen Dollar (also knapp 3,8 Billionen Euro) hat die Fed in ihrer Bilanz angehäuft. Das ist mehr, als die deutsche Wirtschaft in einem Jahr produziert. Davon sind 2,5 Billionen Dollar Staats- und 1,8 Billionen Hypothekenanleihen. Vor der Finanzkrise 2008 waren es insgesamt lediglich 900 Milliarden Dollar. Dann hat die Fed eifrig Anleihen gekauft, um Geld in die Finanzmärkte zu pumpen.

          Seit drei Jahren hat die Fed nur noch die Anleihen ersetzt, die fällig geworden sind, damit der Gesamtbestand nicht schrumpft, aber auch nicht weiter wächst. Dies will sie nun auch ändern und sich vorsichtig an die Vorkrisenzeit herantasten. Von Oktober an wird sie ihre Bestände immer stärker reduzieren. Sie wird dabei zwar keine Anleihen verkaufen, das könnte zu heftige Turbulenzen an den Finanzmärkten auslösen. Sie macht es ganz behutsam: Im vierten Quartal wird sie jeden Monat Anleihen im Wert von zehn Milliarden Dollar nicht ersetzen, wenn sie fällig werden. Danach steigt diese Summe jedes Quartal um zehn Milliarden im Monat, bis 50 Milliarden Dollar monatlich erreicht sind. Dann schrumpft die Bilanz also um 600 Milliarden Dollar im Jahr. Es würde demnach rund acht Jahre dauern, bis der Anleihebestand auf null reduziert wäre. Doch das ist gar nicht geplant.

          EUR/USD

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          „Die Fed wird auf Dauer Anleihen behalten und sogar mehr als vor der Finanzkrise. Denn der Bargeldbedarf der Wirtschaft ist viel höher als 2008 und wächst jährlich weiter“, sagt Jan Hatzius, Chefvolkswirt der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs. Auf 3 bis 3,5 Billionen Dollar dürfte die Fed die Bilanzsumme reduzieren, mehr aber auch nicht, erwartet Hatzius. „In etwa vier Jahren könnte dieses Niveau erreicht sein.“ Dann wären die ungewöhnlichen Maßnahmen, mit denen die Fed auf die Finanzkrise reagierte, endgültig beendet. Auch die Leitzinsen könnten dann wieder über drei Prozent liegen, wenn die amerikanische Wirtschaft vorher keinen Schwächeanfall erleidet, was derzeit niemand erwartet. Die Normalität von vor der Finanzkrise wäre 2021 zurück – acht lange Jahre nachdem die Fed 2013 die Wende eingeleitet hat. Es wäre eine der zögerlichsten Zinswenden der Finanzgeschichte.

          „Die Renditen für Anleihen werden steigen“

          Was heißt das nun für die Anleger? „Die Renditen für Anleihen werden steigen“, sagt Hatzius. Er erwartet, dass eine amerikanische Staatsanleihe mit zehn Jahren Laufzeit Ende des Jahres 2,75 Prozent abwirft. Derzeit sind es nur 2,3 Prozent. Für europäische Anleger ist das nur attraktiv, wenn keine Währungsverluste drohen. Goldman Sachs erwartet nicht, dass es dazu kommt. Der Dollar werde durch die Fed-Politik stärker und in drei Monaten nur noch 1,15 Dollar je Euro kosten. Derzeit sind es noch 1,20 Dollar.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Austrittsverhandlungen : Die positive Brexit-Erzählung

          Einen Durchbruch bei den Verhandlungen gab wieder nicht – aber eine etwas bessere Stimmung. Für alle Fälle gehen die Briten aber schon das „No Deal“-Szenario durch.
          Martialische Auftritte wie im September in Estland sind noch möglich, aber die Verteidigungsbereitschaft der Nato lässt zu Wüschen übrig.

          Geheimer Nato-Bericht : Allianz nicht verteidigungsfähig?

          Das Verteidigungsbündnis sei einer Auseinandersetzung mit Russland nicht gewachsen, heißt es in einem geheimen Nato-Bericht, aus dem der „Spiegel“ berichtet. Das liege vor allem an dem Niedergang seit dem Kalten Krieg.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.