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F.A.S. exklusiv : Finnen entschuldigen sich bei Uniper-Management

In Datteln baut Uniper ein neues Steinkohlekraftwerk. Bild: Daniel Pilar

Das finnische Unternehmen Fortum versucht, für 3,8 Milliarden Euro beim Energiekonzern Uniper einzusteigen. Doch das Management zeigt sich bisher wenig begeistert. Jetzt kommt der Fortum-Chef auf die Düsseldorfer zu.

          Was macht ein Finne, der zu viel Geld hat? Er schaut sich in Deutschland um, ob da was günstig rumsteht, was er gebrauchen kann. So ähnlich ist es gelaufen, als Pekka Lundmark, Vorstandschef des Energiekonzerns Fortum, auf die Idee für einen großen Deal kam. Der Manager hat Mitte voriger Woche angekündigt, als Anker-Aktionär bei Uniper, einem der größten Stromerzeuger Europas, einzusteigen. Damit kauft er die Kohle-, Gas- und Wasserkraftwerke, die Eon abgespalten und vor einem Jahr an die Börse gebracht hat.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Diese Aktion hat sich für Eon-Chef Johannes Teyssen gelohnt: Die Aktie hat sich seither im Kurs mehr als verdoppelt, für seine 47 Prozent bieten die Finnen nun 3,8 Milliarden Euro. Das bezahlt die börsennotierte, aber staatlich kontrollierte Firma aus der Barkasse – falls der Deal nicht doch noch platzt, da das Uniper-Management Widerstand erkennen lässt.

          Im Sommer dieses Jahres, so erzählt Lundmark, habe er dort erstmals vorgesprochen: „Wir haben vorgeschlagen, unsere Geschäfte, die sich gut ergänzen, zusammenzufügen. Das haben sie abgelehnt, mit dem Argument, dass sie unabhängig bleiben wollten. Wir haben das respektiert.“ Was aber zählt das Wort der obersten Angestellten gegen den Willen der Eigentümer? Wenig. Und da Eigentümer Eon in loser Folge davon sprach, sich zurückzuziehen von den Kraftwerken, wählte Lundmark jetzt den Weg über den Großaktionär. Er einigte sich mit Eon-Chef Teyssen, dessen Paket Anfang 2018 zu übernehmen, sofern die einschlägigen Behörden mitspielen, ohne den Uniper-Vorstand darüber vorher einzuweihen.

          „Es war unsere klare Absicht, mit dem Uniper-Vorstand weitere Gespräche zu führen“, sagt Lundmark nun. „Es war unglücklich, dass wir aus juristischen Gründen gezwungen waren, unsere Kaufabsichten öffentlich zu machen, ohne vorher nochmal mit dem Uniper-Vorstand zu reden.“ Entsprechend harsch fielen dessen Reaktionen aus. Das Angebot der Finnen sei „unpassend“, sagte Vorstandschef Klaus Schäfer. Dabei spricht Lundmark diverse Garantien aus: „Die Konzernzentrale bleibt in Düsseldorf, es wird keinen Personalabbau geben über die vom bisherigen Management vereinbarten Pläne hinaus.“ Auch den Vorstand wolle er behalten: „Das Team leistet ausgezeichnete Arbeit.“ Ob das Team freilich unter den neuen Herren, die sich als „aktive, konstruktive Aktionäre“ begreifen, arbeiten will, ist eine andere Frage.

          Sicher ist: Das deutsche Recht zwingt die Finnen zu einem Übernahmeangebot an alle Uniper-Aktionäre. Die 22 Euro, die Fortum in Aussicht stellt, liegen unter dem Marktpreis zum Wochenende – was Pekka Lundmark ganz recht ist, schließlich will er keinesfalls 100 Prozent der Aktien angedient bekommen: „Unser Ehrgeiz richtet sich auf die 47 Prozent, die im Moment Eon hält. Darüberhinaus entscheiden die Aktionäre“, sagt der Manager, der seine Strategie ökologisch wie ökonomisch begründet: Das Geld, das die konventionellen Kraftwerke abwerfen, stecke er in den Aufbau der Öko-Energie. Seine Firma produziert bereits heute zu 96 Prozent emissionsfreie Energie – auch dank ihrer Atomkraftwerke übrigens.

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