http://www.faz.net/-gv6-95ozc

Anleihenmarkt : EZB trennt sich von Steinhoff-Anleihe

  • Aktualisiert am

Der Möbelhersteller Steinhoff gerät immer mehr unter Druck. Bild: dpa

Die EZB hat im Rahmen ihres Kaufprogramms für Unternehmensanleihen ihre Position an Steinhoff-Anleihen aufgelöst. Mutmaßlicher Verlust: 50 Millionen Euro. Für die Zentralbank kein großes Ding.

          Die Europäische Zentralbank (EZB) hält keine Anleihen des in angeschlagenen Möbelkonzerns Steinhoff mehr. Dies geht aus den am Montag von der EZB veröffentlichten Zahlen zu den Anleihebeständen der Zentralbank hervor. Zum Jahresende hatte die EZB noch Anleihen mit einer Fälligkeit im Jahr 2025 gehalten.

          Nicht bekannt ist, mit welcher Summe die EZB investiert war. Die Notenbank gibt dies grundsätzlich nicht an. Das Gesamtvolumen der genannten Steinhoff-Anleihe beläuft sich auf 800 Millionen Euro. Die Regularien der Notenbank sehen vor, dass maximal 70 Prozent einer einzelnen Unternehmensanleihe erworben werden dürfen.

          Indes dürfte der Umfang bei rund 100 Millionen Euro gelegen haben. Nicht nur, dass das durchschnittliche Volumen je Anleihe im Portfolio seinerzeit bei 121 Millionen Euro lag. Zudem kauft die EZB üblicherweise Anleihen eines Emittenten nach deren Anteil am Gesamtmarkt für die qualifizierten Unternehmensanleihen. Bei einem Marktvolumen von zuletzt rund 1000 Milliarden Euro entfallen auf Steinhoff mit seiner einzigen Anleihe 0,08 Prozent. Das wären dann am Portfolio der EZB rund 100 Millionen Euro.

          NIKKEI

          -- -- (--)
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Insgesamt befinden sich im Portfolio der EZB den aktuellen Angaben zufolge Unternehmensanleihen im Gesamtwert von knapp 132 Milliarden Euro. Auf die Steinhoff-Anleihe entfielen damit 0,76 Promille des Portfolios.

          Nach dem Publikwerden eines Bilanzskandals und dem Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden hatte die Ratingagentur Moody’s die Einschätzung der Bonität von Steinhoff auf ein niedriges Niveau gesenkt. Das bedeutet, dass Moody’s ernste Bedenken hat, dass der Konzern seine Schulden zuverlässig zurückzahlen kann.

          Die EZB kauft grundsätzlich keine Unternehmensanleihen, die nicht als investmentwürdig  bewertet werden. Die Bonität eines Emittenten und die Besicherung der Anleihe muss damit einem gewissen Mindeststandard entsprechen, den Steinhoff und die Anleihe des Konzerns nicht mehr erfüllen.

          STEINHOFF EUR. 17/25

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Tritt dieser Fall ein, ist die EZB nicht gezwungen zu verkaufen. Verkäufe sind absolute Ausnahmen, weil die EZB mit ihrem Anleihekaufprogramm gerade kein aktives Portfolio-Management betreiben will. Es gibt auch keine Richtlinien, um das Verhalten dieses großen Marktteilnehmers nicht berechenbar zu machen. Denn dies wäre geeignet, den Markt übermäßig zu beeinflussen.

          Hätte die EZB etwa Steinhoff nach der Abstufung der Bonitätsnote verkaufen müssen, wäre die Anleihe stark leer verkauft worden. Es wäre damit zu rechnen gewesen, dass der Kurs seinerzeit nicht nur bis auf knapp unter 50 Prozent des Nominalwerts gefallen wäre, sondern womöglich bis auf 10 Prozent oder tiefer.

          Kein Grund für schlaflose Nächte in Frankfurt

          Unbekannt ist, zu welchem Kurs die EZB die Anleihen ge- und verkauft hat. Erworben wurden die Anleihen zwischen dem 21. und 28. Juli 2017. In dieser Zeit notierte die Anleihe bei rund 99 Prozent, so dass die EZB ungefähr 99 Millionen Euro ausgegeben hätte. In diesem Jahr notierte diese zwischen 42,75 und 50,5 Prozent. Daraus ergäbe sich ein Verkaufwert zwischen 42,75 und 50,5 Millionen Euro, Abzüglich einer geringfügigen Zinszahlung betrüge der Verlust also zwischen 47,9 und 55,6 Millionen Euro.

          Dennoch ist der Fall Steinhoff für die EZB nur eine Randepisode. Dass es in einem Anleiheportfolio von 132 Milliarden Euro zu Zahlungsausfällen kommt, ist allein schon statistisch wahrscheinlich. Für Anleihen dieser Bonitätsklasse ist dabei von maximal einem Prozent auszugehen. Dies wären dann 1,3 Milliarden Euro, also etwa das 26-fache des möglichen Steinhoff-Verlustes. Dem stehen mindestens 3,5 Milliarden Euro an jährlichen Zinseinnahmen aus dem Portfolio gegenüber. Nichts also, was der EZB schlaflose Näche bereiten muss.

          Der Aktienkurs von Steinhoff fällt am Montag um 9 Prozent, der Anleihenkurs um 1,5 Prozent. Nichts davon muss einen Zusammenhang mit der EZB-Entscheidung haben, da beide Papiere längst zu Spekulationsobjekten geworden sind.

          Quelle: mho.

          Weitere Themen

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Weltwirtschaftsforum : Warum eigentlich gerade in Davos?

          Alljährlich treffen sich führende Politiker und Top-Manager in Davos: Doch, wie entstand das Weltwirtschaftsforum, wer darf teilnehmen – und was ist überhaupt der „Davos Man“? FAZ.NET beantwortet die grundlegenden Fragen zum Forum in den Schweizer Alpen.
          Retttungskräfte in Lünen vor der Schule

          Gesamtschule in Lünen : Jugendlicher von Mitschüler getötet

          Ein Schüler soll an einer Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen einen Mitschüler getötet haben. Die Polizei nimmt einen minderjährigen Tatverdächtigen fest – und schließt einen Amoklauf aus.
          Die KZ-Gedenkstätte Auschwitz

          FAZ Plus Artikel: Deutsche Schüler in Auschwitz : War krass

          Warum wollen junge Deutsche Auschwitz sehen? Was wissen sie darüber? Wäre es nicht einfacher, wenn keiner eine Ahnung hätte, wie Deutsche fabrikmäßig Menschen töteten? Drei Tage in Oświęcim mit Schülern aus einer Kleinstadt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.