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Börse in Georgien : Exotische Aktien aus dem Buchmesseland

Der Ort Ikalto in Georgien Bild: dpa

Georgien ist in diesem Jahr das Gastland der Frankfurter Buchmesse. Wie steht es eigentlich um den Aktienmarkt des Landes?

          Die Frankfurter Buchmesse lenkt in diesem Jahr den Blick auf das Gastland Georgien: Frankfurter Museen zeigen Ausstellungen zur ruhmreichen Geschichte dieser Region, die schon früh für die Goldförderung und -verarbeitung sowie ihren Wein bekannt war. Nicht zufällig hatte in der Antike die mythologische Reise des griechischen Helden Jason mit seinen Argonauten auf der Suche nach einem Widderfell aus reinem Gold, dem „goldenen Vlies“, mit Kolchis eine Region im heutigen Georgien zum Ziel.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Aktienmarkt in Georgien hingegen befindet sich noch im Aufbau. Vor allem aus dem Finanz-, aber auch aus dem Gesundheitssektor gibt es einige Titel aus dem Land, die über die Region hinaus Bedeutung haben und sogar an der Börse in London gehandelt werden. Und es gibt auch in Georgien selbst eine Börse, die „Georgian Stock Exchange“ (GSE), die sogar seit 2010 regelmäßig im Internet einen eigenen Aktienindex, den GSX, veröffentlicht. Zuletzt notierte dieser Index allerdings eher schwächer.

          Wichtige Aktien sind in London notiert

          „Direkt Aktien in Georgien zu kaufen, ist für die meisten Anleger aus Deutschland schwierig“, meint Claus Born, Schwellenländer-Fachmann bei der Fondsgesellschaft Franklin Templeton. Allerdings seien die wichtigsten Unternehmen an der Börse in London notiert. „Auch als institutionelle Anleger finden wir dort die besten Möglichkeiten, um Aktien aus Georgien zu handeln“, sagt Born. Derzeit seien in London drei Titel aus Georgien gelistet, darunter zwei Banken: die Bank of Georgia und die TBC Bank Group. Die 1903 gegründete Bank of Georgia ist die nach Vermögenswerten größte Bank des Landes. Die TBC Bank Group dagegen stammt aus den 90er Jahren, ihre Aktie wird mittlerweile im britischen FTSE-250-Index geführt.

          Hinzu kommt an der Londoner Börse noch ein Dienstleister aus dem Gesundheitswesen von Georgien, die Georgia Health Care Group. „Der Gesundheitsmarkt ist eines der größten Wachstumsfelder in Schwellenländern, das gilt auch für Georgien“, sagt Fondsmanager Born. Hier sei die Health Care Group „sehr stark aufgestellt“ und erreiche ungefähr 75 Prozent der Bevölkerung des Landes, unter anderem mit 37 Krankenhäusern mit mehr als 3300 Betten. Das bedeute einen Marktanteil von 25 Prozent. Hinzu kämen 250 Apotheken, die zusammen auf 30 Prozent Marktanteil kämen. Und als Krankenversicherer habe die Gruppe einen Marktanteil von mehr als 27 Prozent.

          42 Titel an der Börse gelistet

          Anleger, die in Aktien aus Georgien investieren wollen, können das auch über Fonds tun – allerdings gibt es hier offenbar noch nicht besonders viele Produkte. Georgien sei schließlich in keinem der gängigen MSCI-Indizes enthalten und werde daher von den meisten Fondsmanagern wohl eher selten bis gar nicht berücksichtigt, meinte Fondsmanager Born. Viele Banken und Fondsgesellschaften bestätigten das auf Anfrage. Franklin Templeton allerdings habe Georgien seit vielen Jahren auf dem Radar und investiere dort regelmäßig, sagte Born. Derzeit seien sowohl der Fonds „Templeton Emerging Markets Smaller Companies“ als auch der „Templeton Eastern European Fonds“ in Georgien investiert.

          An der im Jahr 1999 gegründeten Börse in Georgien selbst hingegen sind nach Unternehmensangaben derzeit 42 Titel zum Handel zugelassen. Das Ganze scheint aber noch ein schwieriges Geschäft zu sein. Hier findet sich neben der Bank of Georgia beispielsweise auch die Aktie der nach Filialen größten Bank des Landes, Liberty Bank – zudem Telekomunternehmen, Versorger, ein Hotel-Unternehmen sowie eine Supermarkt- und Wein-Kette.

          Über die Wirtschaft Georgiens berichtet das Auswärtige Amt, die Entwicklung, die sich in den Jahren 2015 und 2016 durch die wirtschaftliche Krise bei einigen Handelspartnern aus der ehemaligen Sowjetunion verschlechtert hatte, sei dann auf niedrigem Niveau stabil geblieben und zeige gegenwärtig einen zunehmenden Aufschwung. So wuchs das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2017 stärker als erwartet um geschätzte 4,3 Prozent. Die Ursache seien höhere Exportpreise und vor allem eine starke Zunahme der Einnahmen durch den Tourismus gewesen.

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