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ETFs unter der Lupe (1) : Fondsmanager in Bedrängnis

Bild: F.A.Z.

Börsengehandelte Fonds, sogenannte ETFs, sind das Erfolgsprodukt der vergangenen Jahre. Während klassische Investmentfonds in Europa daneben noch gut existieren können, werden sie in Amerika mittlerweile von ETFs verdrängt.

          Fonds, die einen Index nachbilden, sind ein Erfolgsprodukt. Nach jüngsten Zahlen des Informationsdienstleisters Morningstar erreichten die Nettozuflüsse in sogenannte ETFs in Europa in diesem Jahr bis Ende Oktober mit insgesamt 81,2 Milliarden Euro ein neues Rekordhoch. Allein im Oktober waren es netto 7,4 Milliarden Euro, die Anleger neu in diese Produkte steckten. Seit dem Vorjahr ist das verwaltete Vermögen um 20 Prozent auf 625 Milliarden Euro gestiegen. Amerika ist noch einen Schritt weiter. Dort flossen seit Jahresanfang 2015 rund 860 Milliarden Dollar in ETFs, mehr als dreimal so viel wie in Europa.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es sind zum einen die erheblich niedrigeren Kosten, die Investoren locken. Ein wesentlicher Punkt ist, dass hinter ETFs im Gegensatz zu klassischen Investmentfonds kein Managementteam steht, das aktiv Investitionsentscheidungen trifft. Vielmehr vollziehen ETFs nur passiv das Geschehen in einem Index nach, also einem Korb von Wertpapieren. Zu diesem Zweck investieren sie entweder analog zum Index direkt in diese Wertpapiere oder bilden die Entwicklung des Index über den Kauf und Verkauf von Derivaten nach. In jedem Fall ist die Verwaltung eines ETFs aufgrund des passiven Investierens billiger als die eines herkömmlichen aktiv agierenden Investmentfonds.

          Aber auch die deutlich höhere Liquidität macht ETFs beliebt. Denn sie werden an der Börse gehandelt, klassische gemanagte Investmentfonds dagegen meist nur einmal täglich über die Fondsgesellschaft. Selbst wenn sie an einer Börse gekauft und verkauft werden können, so ist der Handel wenig liquide.

          Hinzu kommt die Enttäuschung vieler Investoren über das, was gemanagte Fonds bieten. Nicht nur, dass deren höhere Kosten die Renditen schmälern. Auch jenseits dessen können nicht alle Fonds ihr Versprechen einlösen, durch cleveres Management auch nur durchschnittliche Erträge zu erzielen. Und zwar erst recht nicht auf die von ihnen so oft beschworene lange Sicht. Nach einer Erhebung des Indexanbieters S&P Dow Jones schnitt knapp die Hälfte aller aktiven amerikanischen Aktienfondsmanager über einen Zeitraum von einem Jahr schlechter ab als der Vergleichsindex. Über einen Zeitraum von zehn Jahren aber waren es 85 Prozent.

          Der direkte Vergleich wird im „Active-Passive-Barometer“ der Fondsanalysegesellschaft Morningstar deutlich, die den Erfolg von aktivem Management und passiver Indexverfolgung gegenüberstellt. Insgesamt ist das Ergebnis ähnlich desaströs. Nur jedem fünften europäischen Fondsmanager in zehn Aktien- und fünf Rentenfondskategorien gelang es, über den Zeitraum von zehn Jahren besser abzuschneiden als die passive Konkurrenz. Auch hier war das Ergebnis auf kürzere Sicht besser: Über drei Jahre war immerhin ein Drittel der Manager erfolgreicher.

          Dass hohe Gebühren beim schwachen Abschneiden eine wesentliche Rolle spielen, zeigt eine andere Tatsache. Denn jeder dritte der billigsten aktiv gemanagten Fonds schnitt über zehn Jahre besser ab als die passive Konkurrenz. Unter den teuren „Premium-Fonds“ war es weniger als jeder zehnte. Dies setzt die Anbieter aktiv gemanagter Fonds nach fast 100 Jahren erfolgreicher Geschäfte unter Druck. Nicht so sehr in Europa, wo seit Anfang 2015 mit netto 1,1 Billionen Euro immer noch mehr als sechsmal so viel neues Geld in herkömmliche Investmentfonds floss wie in ETFs.

          Zudem verbuchte die Branche in diesem Jahr mit einem Netto-Mittelzufluss von rund 500 Milliarden Euro wieder großen Zulauf. Während die Investmentfondsbranche in Europa also wieder Hoffnung schöpfen kann, stellt sich die Situation in Amerika durchaus dramatischerer dar. Seit Anfang 2015 sind in den Vereinigten Staaten netto mehr als 800 Milliarden Dollar abgezogen worden, also fast ebenso viel wie in ETFs neu angelegt wurden.

          Mit diesem Artikel eröffnet die F.A.Z. eine vierteilige Mini-Serie zum Thema ETFs, in der der Frage nachgegangen wird, wie der große Erfolg des Produkts zu bewerten ist und wie sich das Investieren in Fonds entwickeln wird. Die folgenden Teile erscheinen in den kommenden Tagen.

          Quelle: F.A.Z.

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