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Elektronikhändler unter Druck : Börse begrüßt Abgang der Ceconomy-Führung

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Der Elektrohandel Saturn gehört zu Ceconomy Bild: Reuters

Nach der mehrmaligen Senkung der Gewinnprognose innerhalb kürzester Zeit ist der Aktienkurs des Elektronikhändlers Ceconomy stark gefallen. Jetzt muss fast der gesamte Vorstand gehen. Reicht das für einen nachhaltigen Kursanstieg?

          Analysten und Anleger haben am Montag positiv auf den bevorstehenden Wechsel des Führung des Elektronikhändlers Ceconomy reagiert. Der über Monate gebeutelte Aktienkurs legte deutlich um mehr als 4,5 Prozent auf 4,86 Euro zu, nachdem der Mutterkonzern von Media Markt und Saturn die Trennung von Chef Pieter Haas verkündet hatte. Finanzchef Mark Frese solle nur noch solange bleiben, bis ein Nachfolger gefunden ist.  Bis dahin führt er zusammen mit Compliance-Vorstand Dieter Haag Molkenteller die Geschäfte.

          Beide gehen nach zwei Senkungen der Gewinnprognose binnen weniger Wochen. Diese hatten unter den  Aktionären für Unmut gesorgt. Im September etwa hatte Ceconomy die Prognose mit Verweis auf die Hitzewelle in Deutschland und anderen Teilen Europa gesenkt. Wegen der tropischen Temperaturen kauften die Verbraucher weniger ein. Nicht einmal drei Wochen später folgte die nächste Korrektur. Zu den Gründen ließ Ceconomy nichts verlauten. Analysten vermuten, dass es an Rückvergütungen lag, was aber wiederum Fragen über Lieferantenbeziehungen, die Rabattpolitik und die Informationsabläufe im Unternehmen aufwirft.

          Media Markt und Saturn nutzten ihr Potential nicht aus, sagte der Chef des Anteilseigners Freenet, Christoph Vilanek, dem „Handelsblatt“ und forderte öffentlich Konsequenzen. Der Mobilfunkanbieter hatte sich im Juli mit neun Prozent bei Ceconomy eingekauft und seitdem nur Geld verloren. Auch Großaktionär Haniel hatte in der Vergangenheit die Entwicklung des Aktienkurses kritisiert.

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          Ceconomy steht seit Mitte Juli 2017 auf eigenen Beinen. Seinerzeit war die Aufspaltung des Handelskonzerns Metro in einen Lebensmittel- und einen Elektronikhändler wirksam geworden. Die bisherige Bilanz an der Börse ist ernüchternd. Gestartet war die Notierung mit 9,32 Euro, ihren Höchststand erreichte sie Mitte Januar bei 13,40 Euro. Seitdem ging es kontinuierlich bergab. Allein nach der jüngsten Senkung der Gewinnprognose fiel der Kurs an einem einzigen Tag um rund 20 Prozent. Ihren niedrigsten Kurs erreichte die Aktie kurze Zeit später am 11. Oktober mit 4,23 Euro. Die Mehrzahl der Analysten raten aktuell nicht zum Kauf. Bewertet wird die Aktie derzeit mit einem prognostizierten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 7,8 für das kommende Jahr.

          Auf das neue Management wartet aus Sicht von Commerzbank-Analyst Jürgen Elfers nun viel Arbeit. Desaströse Nachrichten seien zuletzt eher die Norm als die Ausnahme gewesen, schrieb er in einem Kommentar. Das zerstörte Vertrauen zurückzugewinnen, dürfte daher ein langer und schmerzhafter Prozess werden. Die Liste schlechter Managemententscheidungen bei Ceconomy sei lang. Dazu gehören aus seiner Sicht neben der Aufgabe des Russland-Geschäfts die Schwächen bei Umsetzung der Strategie und auch die Kommunikation mit dem Finanzmarkt.

          Konzernumbau dürfte kostspielig werden

          Volker Bosse von der Baader Bank erwartet, dass das Unternehmen nun eine Phase der strategischen Ungewissheit durchlaufen wird. Das Management um Haas habe zwar die richtigen strategischen Schritte eingeleitet, wie etwa den Aufbau einer europäischen Handelsallianz oder die Verknüpfung des stationären Geschäfts mit dem Onlinehandel, gehapert habe es aber an der Umsetzung. Viele Filialleiter hätten noch nicht verinnerlicht, dass in Zeiten des Internets und der Preistransparenz andere Gesetze gelten, monierte Baader-Experte Bosse.

          Die Vereinfachung komplexer Strukturen sieht Andrew Porteous von der britischen Investmentbank HSBC als wichtigste Aufgabe an. Ansonsten werde das komplette Geschäftsmodell irgendwann unhaltbar, warnte er. Die dezentrale Aufstellung bei Beschaffung und Logistik sei überholt. Auch müsse ein Wandel in der Unternehmenskultur her. Ein Konzernumbau werde in jedem Fall kostspielig und dürfte das Ergebnis noch mehr unter Druck bringen. Ein neues Management könne auch die Logik von Beteiligungen wie am französischen Konkurrenten Fnac Darty oder am russischen Wettbewerber M.Video infrage stellen.

          Clement Genelot vom Investmenthaus Bryan Garnier geht davon aus, dass noch nicht abgearbeitete Themen zunächst hinten angestellt werden. Dazu zählt er eine Lösung für das schwächelnde Geschäft in Schweden oder die Übernahme des Minderheitsanteils der Kellerhals-Erben. Haas wollte die Erben des Media-Markt-Mitbegründers herauskaufen, um einen Schlussstrich unter einen jahrelangen schwelenden Konflikt zu ziehen. Dieses Kapitel wie geplant bis Jahresende abzuschließen, sei für Ceconomy nun unwahrscheinlich, so Genelot.

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