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Einlagensicherung : Ab 100.000 Euro geht es ums Vertrauen

Wie sicher sind Kontoeinlagen über 100.000 Euro? Bild: Picture-Alliance

Ist das Geld der Sparer zehn Jahre nach der Finanzkrise sicher? Der gesetzliche Anspruch auf die Kontoeinlagen ist jedenfalls begrenzt.

          Zehn Jahre nach dem Zusammenbruch von Lehman gibt es auf die Frage, ob die Banken sicher sind, noch immer keine zufriedenstellende Antwort. Zumindest sind die Institute dank größerer Eigenkapitalpuffer sicherer geworden. Doch die Kunden interessiert, wie sicher ihre Kontogelder sind. Kundeneinlagen werden in Europa bis zur Grenze von 100.000 Euro gesetzlich garantiert, danach hängt es vom Vertrauen ab. Das Versprechen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem damaligen Finanzminister Peer Steinbrück im Oktober 2008 kurz nach dem Lehman-Zusammenbruch, wonach alle Kundeneinlagen sicher seien, stellt keinen gesetzlichen Anspruch dar.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Einlagenschutz deutscher Banken genießt in anderen Euroländern hohes Ansehen. In den heißen Tagen der Staatsschuldenkrise schichteten Anleger ihre Mittel aus Griechenland oder Italien auf deutsche Konten um. Aus diesem Grund wollen die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank (EZB) eine gemeinsame Einlagensicherung für alle Gelder bis zur gesetzlich garantierten Grenze von 100.000 Euro aufbauen. Dann müssten deutsche Banken auch für Institute in Griechenland oder Italien haften.

          Kennen Sie die Unterschiede zwischen den Säulen der Kreditwirtschaft?

          Darunter würde das Vertrauen deutscher Sparer leiden, zumal südeuropäische Banken noch immer hohe Bilanzrisiken aus faulen Krediten aufweisen. Die deutsche Regierung setzt als Bedingung für eine gemeinsame Einlagensicherung den Risikoabbau in den Bankbilanzen voraus. Doch die Debatte schwelt weiter, wie der jüngste Vorschlag Österreichs, das derzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat, zeigt. In dieser Woche machten sich auch Finnlands neuer Notenbank-Chef Olli Rehn und sein Kollege aus Litauen, Vitas Vasiliauskas, für eine gemeinsame Einlagensicherung stark. Sie sei notwendig, um einen Ansturm auf Banken im Krisenfall zu verhindern, so Rehn.

          Zwar hat bislang kein Bankkunde in Deutschland nach dem Zusammenbruch seines Instituts Geld verloren, doch ist auch hier Vorsicht angezeigt. Die Einlagensicherung der deutschen Kreditwirtschaft dürfte in einer schweren Finanzkrise mit Bankschieflagen in Schwierigkeiten geraten. Man muss davon ausgehen, dass die jeweiligen Sicherungstöpfe der privaten Banken, der Sparkassen und der Volksbanken kaum mehr als 4 Milliarden Euro umfassen. Kunden, die sich glücklich schätzen, über flüssige Mittel im sechsstelligen Bereich zu verfügen, sollten ihre Gelder bis zur Grenze von jeweils 100.000 Euro auf mehrere Banken verteilen. Denn die gesetzliche Garantie gilt je Kunde und je Bank. Wird die Summe von 200.000 Euro gleichmäßig auf zwei Institute verteilt, genießt sie den gesetzlichen Schutz.

          Der über 100.000 Euro hinausgehende Betrag wird in einer Schieflage von den jeweiligen Sicherungssystemen der privaten Banken, der Sparkassen und der Volksbanken geschützt. Bankkunden sollten deshalb die Unterschiede zwischen den drei Säulen der deutschen Kreditwirtschaft kennen. Ihren Kunden versprechen Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken den vollen Schutz. In beiden Verbünden wird über die Institutssicherung jede Mitgliedsbank, die in eine Schieflage gerät, von den anderen Mitgliedern aufgefangen, also übernommen. Damit sollen keine Kundengelder verloren gehen.

          Deutliche Nachbesserungen gefordert

          Etwas schwieriger gestaltet sich die freiwillige Einlagensicherung der privaten Banken, deren wichtigste Vertreter die Deutsche Bank und die Commerzbank sind. Hier beträgt der Schutz für Kunden derzeit noch 20 Prozent des Eigenkapitals einer Bank. Vom Jahr 2020 an werden es 15 Prozent und von Januar 2025 an nur noch 8,75 Prozent sein. Derzeit werden je Kunde der Commerzbank rund 5 Milliarden Euro geschützt. In zwei Jahren wären es 3,75 Milliarden Euro und nach sieben Jahren 2,2 Milliarden Euro. Das ist die theoretische Höchstgrenze. Die freiwillige Einlagensicherung des privaten Bankenverbandes musste auch die deutschen Kunden von Lehman nach dem Zusammenbruch entschädigen, wozu eine staatliche Bürgschaft nötigt war.

          Nicht nur deshalb fordern die Aufseher der EZB und der EU-Behörde Eba für die deutschen Schutzeinrichtungen deutliche Nachbesserungen. Die Institutssicherung von Sparkassen und Volksbanken reicht ihnen nicht. Die deutschen Institute wiesen Ende 2017 nach Eba-Daten Einlagen von 1,74 Billionen Euro auf, die unter den gesetzlichen Schutz von 100.000 Euro fallen. Die Sicherungstöpfe sollen bis zum Jahr 2024 mit 0,8 Prozent der garantierten Einlagen ausgestattet werden. Das wären 14 Milliarden Euro. Ende 2017 hatten die deutschen Banken und Sparkassen aber nur 6,9 Milliarden Euro eingezahlt.

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