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Börsengang : Deutsche Bank traut der DWS an der Börse wenig zu

Nicolas Moreau, künftiger DWS-Geschäftsführer Bild: Wolfgang Eilmes

Für den Börsengang ihrer Vermögensverwaltung setzt sich die Deutsche Bank bescheidene Ziele. Nicht einmal im besten Fall könnte sie aus dem Erlös ihre Boni zahlen.

          Die Deutsche Bank gibt sich beim Börsengang ihrer Vermögensverwaltung DWS zaghaft. War ursprünglich damit gerechnet worden, dass sie 25 Prozent ihrer Anteile an der profitablen Geschäftssparte an die Börse bringt, so will sie laut einer Mitteilung vom Sonntagabend zunächst nur 20 Prozent emittieren. Da 5 Prozent davon schon von dem japanischen Ankerinvestor Nippon Life reserviert sind, bleiben für andere Interessenten nur noch 15 Prozent, oder 30 Millionen Aktien, übrig. Nur wenn die Nachfrage sich als sehr hoch erweisen sollte, will die Bank noch einmal 10 Millionen weitere Aktien nachschießen.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Preisspanne liegt zwischen 30 und 36 Euro, wie in einem Teil der Montagsausgabe dieser Zeitung schon zu lesen war. Erster Handelstag im regulierten Markt der Deutschen Börse (Prime Standard) soll der 23. März sein. Auch bei der Bewertung ihrer Vermögensverwaltung hat die Bank gegenüber früheren internen Berechnungen noch einmal Abschläge gemacht. Sollte sie ihre Aktien am oberen Ende der Preisspanne loswerden, wäre die DWS mit 7,2 Milliarden Euro bewertet, am unteren Ende nur mit 6 Milliarden. Früher war einmal von 8 Milliarden Euro die Rede gewesen.

          DWS fällt im internationalen Vergleich durch

          Verglichen mit den anderen beiden großen börsennotierten Vermögensverwaltern aus Europa ist die DWS damit ein Leichtgewicht: Amundi, die vor acht Jahren die beiden französischen Großbanken Crédit Agricole und Société Générale gegründet haben, kommt aktuell auf eine Marktkapitalisierung von 13 Milliarden Euro. Die zu den französischen Sparkassen und Genossenschaftsbanken zählende Investmentbank Natixis, die DWS-Chef Nicolas Moreau ebenfalls als Wettbewerber sieht, kommt sogar auf 21,6 Milliarden Euro. Beide Aktien legten am Montag nach Bekanntwerden der Details zum DWS-Börsengang zu, Natixis gewann knapp 1 Prozent an Wert, Amundi sogar 2 Prozent. Beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock stand am Montag sogar ein Plus von 3,1 Prozent zu Buche. Aber auch die Anleger der Deutschen Bank werteten die Details zunächst positiv, am Montagmorgen legten die Aktien um bis zu 1,3 Prozent zu.

          Offenbar ist die Börse erleichtert, dass der Vorstandsvorsitzende John Cryan zumindest in diesem Punkt seiner Strategie für die Bank endlich einmal kurz vor dem Vollzug steht. In anderen Punkten, etwa der Verschmelzung der Postbank mit dem eigenen Privatkundengeschäft, sind bislang noch keine nennenswerten Fortschritte zu verzeichnen. Und auch mit den Versuchen, die Kosten der Bank zu drücken, zeigen sich bislang wenig Erfolge. Im Gegenteil: Wie die F.A.Z. berichtete, schüttet die Bank ihren Mitarbeitern für das Verlustjahr 2017 abermals mehr als 2 Milliarden Euro an Boni aus.

          Das ist mehr, als der Teilbörsengang der DWS nun im allerbesten Fall einspielen kann: 1,8 Milliarden Euro würde die Ausgabe der Aktien der Bank in die Kasse spülen, wenn sie die vollen 25 Prozent zum Höchstpreis von 36 Euro das Stück loswürde. Im Basisszenario mit den 20 Prozent läge der Erlös zwischen 1,2 und 1,44 Milliarden Euro.

          Nippon Life positiv bewertet

          Positiv bewertet etwa der Analyst Markus Rießelmann von Independent Research den Einstieg des japanischen Versicherers Nippon Life als Ankerinvestor. Mit zunächst 5 Prozent wollen sich die Japaner an der DWS beteiligen und auch einen Teil ihres verwalteten Vermögens an die Deutschen übertragen. Nippon Life sieht die vereinbarte Beteiligung nicht nur als Finanzinvestition, sondern als Partnerschaft mit Option auf mehr. Ausdrücklich verwies der Versicherer am Montag darauf, dass man seit dem Jahr 1989 Aktionär der Deutschen Bank sei und gute Erfahrungen mit der Zusammenarbeit habe. „Indem wir mit unseren Partnern Wissen teilen, wollen wir unser Anlagengeschäft stärken“, sagte ein Sprecher auf Anfrage.

          Nippon Life wird ein Mitglied in den Aufsichtsrat entsenden und schließt nach Aussage des Sprechers nicht aus, dass es in Zukunft auch Personal auf niedereren Ebenen zur DWS nach Deutschland schicken könne. Das entspräche dem Modell, das Nippon Life im Dezember mit der strategischen Investition in den amerikanischen Vermögensverwalter TCW Group verfolgt. Nippon Life ist dort mit 24,57 Prozent beteiligt und entsendet ein Mitglied in den Vorstand und einen Manager auf niedrigerer Ebene. Mit einer Beteiligung von nur 5 Prozent sei bei der DWS daran vorerst aber nicht zu denken, sagte der Sprecher. Auch Moreau zeigte sich am Sonntag erfreut über die Liaison: „Unsere strategische Partnerschaft steht im Einklang mit unserem Wachstumsfokus in der asiatischen Region und setzt Impulse für weiteres Wachstum.“

          Doch lohnt sich der Einstieg bei der DWS für den Privatanleger? Neben den Wachstumsaussichten wirbt Moreau vor allem mit hohen Dividenden um Anleger. Bis zu drei Viertel des Jahresüberschusses will Moreau seinen Aktionären ausschütten und sieht sich damit auf einer Linie mit Amundi und Blackrock. Die haben in den vergangenen Jahren ihre Dividenden immer weiter hochgeschraubt und konnten angesichts des wachsenden Interesses der Anleger an Fonds und ETF auch ihre Kurse immer weiter steigern. In den vergangenen drei Monaten gaben die Aktienkurse allerdings sehr unterschiedliche Bilder ab, so dass sich schwer sagen lässt, ob Vermögensverwalter bei den Anlegern derzeit eigentlich hoch im Kurs stehen oder nicht. Amundi hat in dem Zeitraum 12 Prozent verloren, Blackrock legte dagegen um 12 Prozent zu, bei Natixis ging es um 2 Prozent nach oben.

          Auf die Kritik, in der gewählten Rechtsform KGaA könnten die Investoren nicht mitreden, reagiert die Deutsche Bank nun, indem sie namhafte Manager von außen in den Aufsichtsrat holt. Nach Informationen der F.A.Z. gelten bislang Margret Suckale, früher im Vorstand von BASF und der Deutschen Bahn für Personal zuständig, als gesetzt, sowie die Finanzvorständin von Evonik, Ute Wolf.

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