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Aktienindex CAC40 : An Frankreichs Börse überwiegt die Zuversicht

Bessere Stimmung, mehr Anlegervertrauen: Frankreichs Aktienmarkt hatte zuletzt eine Blütephase Bild: Matthias Lüdecke

Analysten halten trotz höherer Risiken einen ähnlich starken Anstieg an Frankreichs Aktienmarkt wie im Vorjahr für möglich. Welchen Aktien lohnen sich?

          Gutes weltwirtschaftliches Klima, neues Vertrauen der Unternehmen, zuversichtliche Verbraucher und der Macron-Effekt: Die Börse in Paris startet unter guten Bedingungen ins neue Jahr. Seit Jahresbeginn hat der Vorzeigeindex CAC-40 schon knapp 4 Prozent zugelegt und damit die Grenze von 5500 Punkten überschritten. Angesichts des erreichten Kursniveaus nimmt zwar auch die Vorsicht zu. Doch in Frankreich hat die Börse bisher nicht jene Höchststände anderer Länder erreicht.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Zwanzig Brokerhäuser, welche die französische Finanz-Zeitschrift „Agefi“ im Dezember nach ihren Vorhersagen befragte, erwarten bis Ende 2018 im Durchschnitt einen Kursanstieg des CAC-40 von 8,8 Prozent gegenüber dem Stand von Mitte Dezember. Dieser notierte damals zwar etwas unter dem aktuellen Niveau, doch Luft nach oben sei noch vorhanden. Wenn die Vorhersagen der Analysten eintreffen, dann würde der französische Aktienkorb 2018 fast so stark zulegen wie im Vorjahr, das ein Plus von 9,3 Prozent brachte. Ende des laufenden Jahres käme der Index damit dort an, wo er zuletzt im Oktober 2007 stand. Paris holt jetzt erst die seit der Finanzkrise erlittenen Einbußen auf.

          Der Kapitalzufluss spricht für Aktien

          „Die Gewinne wachsen weiter, die geldpolitische Lockerung weicht nur langsam zurück, und der Kapitalzufluss spricht für die Aktien“, sagte kürzlich Romain Boscher, Anlagespezialist beim französischen Vermögensverwalter Amundi. Er schränkt aber auch ein: „Die Höhe der Kurse und die Dauer des Aufschwunges zeigen, dass die Risiken mit Aktien gestiegen sind.“ In solchen späten Phasen des Zyklus schlägt die Stunde der gezielten Aktienauswahl. BNP Paribas etwa plädiert für Titel, die vom zu erwartenden Inflationsanstieg und vom Konjunkturhoch profitieren, wie etwa Werte des Konsumgütermarktes. Auch rechnen die Analysten damit, dass Fusionen und Übernahmen zunehmen, die einzelne Werte in die Höhe treiben können.

          Morgan Stanley rät darüber hinaus zu Werten, die hohe und stabile Dividenden ausweisen, darunter der Pharmaanbieter Sanofi und der Telekomkonzern Orange. Auch Finanzaktien wie Société Générale und BNP Paribas seien empfehlenswert. Vorsichtiger ist die amerikanische Bank dagegen für zyklische Werte wie die Autozulieferer Faurecia und Valeo sowie die Hersteller PSA Peugeot Citroën und Renault. Im China-Geschäft wird eine Verlangsamung erwartet, daher raten die Analysten von Aktien wie ST Microelectronics, Eramet und JC Decaux tendenziell ab.

          CAC 40

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          Die Gewinner des Vorjahres dürften ihren Erfolg in dieser Weise nicht mehr fortsetzen. Spektakulär war 2017 die Kurserholung der Fluggesellschaft Air France-KLM, deren Aktie um 162 Prozent an Wert gewann. Die Anleger honorierten die Anstrengungen für mehr Wettbewerbsfähigkeit und die Multimarkenstrategie.

          Optimismus in der Luxusgüterbranche

          Zufrieden blickt auch der Luxushersteller Kering auf das vergangene Jahr. Sein Kursanstieg von gut 84 Prozent – mehr als doppelt so viel wie der größere Erzrivale LVMH – zeigt den Optimismus in der Luxusgüterbranche. Dass LVMH im vergangenen Jahr den Ölkonzern Total als das teuerste Unternehmen der französischen Börse ablöste, zeigt die neue Devise: Gold ist derzeit, was glänzt, nicht was klebt. Die Anleger bewerten LVMH aktuell mit 124 Milliarden Euro – 3 Milliarden Euro mehr als Total. Darüber hinaus gehörten ausgewählte Technologieunternehmen zu den Gewinnern des Jahres 2017. Die auf den Chipsektor spezialisierten Unternehmen Soitec (Kursanstieg von plus 102 Prozent) und ST Microelectronics (plus 69 Prozent) stehen für diesen Trend.

          Auf der Verliererseite findet sich dagegen ein bunter Strauß von Unternehmen: Die Technicolor-Gruppe (früher Thomson), die sich heute auf Video- und digitale Bildtechnik spezialisiert, war mit einem Minus von 44 Prozent besonders hart getroffen. Die Supermarktkette Carrefour, die unter großem Preisdruck steht und mit einem neuen Vorstandsvorsitzenden den Neuanfang sucht, musste ebenfalls Einbußen von gut 21 Prozent hinnehmen.

          Auf der makroökonomischen Ebene erwarten die Analysten eine Fortsetzung der positiven Tendenzen, wobei die französischen Unternehmen zunehmend auf Kapazitätsgrenzen stoßen, weil sie nicht die richtigen Fachkräfte finden – trotz der noch hohen Arbeitslosigkeit von mehr als 9 Prozent. Dies beleuchtet die krassen Ausbildungsschwächen in Frankreich. Der Chef-Ökonom des Internationalen Währungsfonds, Maurice Obstfeld, der in dieser Woche in Paris Station machte, wies denn auch auf den noch anstehenden Reformbedarf hin:

          „Frankreich leidet unter zu hohen staatlichen Ausgaben, zudem unter Problemen der Wettbewerbsfähigkeit und einer hohen strukturellen Arbeitslosigkeit.“ Er begrüßte den Reformkurs Macrons, mahnte aber zum Weitermachen. Die guten Konjunktur- und Finanzdaten dürften nicht die weiter herrschende Unsicherheit verdecken. Der Protektionismus könne aufflammen, und von der hohen staatlichen wie privaten Verschuldung gingen weiter Gefahren aus.

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