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Deutsche Bank auf Fehlersuche : Warum überweist man aus Versehen 28 Milliarden Euro?

Die Deutsche Bank kommt aus der Krise nicht heraus. Bild: Wolfgang Eilmes

Finanziell ist angeblich kein Schaden entstanden – doch die Panne ramponiert den Ruf der Bank weiter. Wie konnte das passieren?

          In die sehr lange Reihe von Negativschlagzeilen für die Deutsche Bank hat sich am Freitag eine gereiht, welche das Vertrauen in sie noch stärker erschüttern könnte als jede Personalquerele und Strategiedebatte. 28 Milliarden Euro hat die Bank aus Versehen auf ein Konto überwiesen – das ist mehr Geld, als die ganze Bank noch an der Börse wert ist. Kein Sicherheitsmechanismus hat das verhindert, und offenbar gibt es auch keine Vorschrift, wonach eine Überweisung in solcher Höhe von einem Vorstandsmitglied genehmigt werden müsste. Immerhin: Schon wenige Minuten nach der Überweisung hat doch noch ein Kontrollmechanismus Alarm geschlagen, dem aufgefallen war, dass die Summe doch arg groß ist. Doch da war es schon passiert.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ein finanzieller Schaden ist der Bank nach eigenen Angaben nicht entstanden. Auch Kunden seien nicht zu schaden gekommen. Die 28 Milliarden Euro flossen von einem Konto der Bank auf ein anderes, das ebenfalls der Bank gehört. Es ist ein sogenanntes Clearing-Konto bei der europäischen Derivatebörse Eurex. Die Bank ist einer der aktivsten Händler auf dieser Plattform, die zur Deutschen Börse gehört und ebenfalls in Frankfurt sitzt. Um den Handel mit Terminkontrakten und anderen Derivaten am Laufen zu halten, unterlegt die Bank ihre Geschäfte dort regelmäßig mit Geld als Sicherheit. Nur eben nicht mit 28 Milliarden Euro. Zum Größenvergleich: Die Sicherheiten, mit denen alle auf der Eurex vertretenen Banken zusammen den Handel dort unterlegen, umfassen 51 Milliarden Euro.

          Eine Sonderprüfung soll es nicht geben

          Bei Kunden, Investoren und anderen Banken hat die Mega-Panne für Sprachlosigkeit gesorgt. „Am schlimmsten ist der Reputationsschaden, der durch eine solche Panne entsteht – und zwar nicht nur national, sondern auch international“, sagte der Vorstand einer anderen deutschen Bank gegenüber der F.A.Z. Michael Hünseler, der als Geschäftsführer der Assenagon Asset Management ein Investor der Bank ist, sagte: „Der Vorfall ist besorgniserregend. Wenn eine Bank ihre Sicherheitsmechanismen nicht unter Kontrolle hat, kann auch schnell eine Situation entstehen, in der so viel Geld nach außen fließt und langwierig wieder zurückgeholt werden muss. So etwas darf in der Größenordnung nicht passieren, dafür hat der Vorstand Sorge zu tragen.“

          DT. BANK

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          Auch die Bankenaufseher von der Europäischen Zentralbank hat die Panne, die sich schon am 16. März zutrug, aber jetzt erst bekannt wurde, auf den Plan gerufen. Sie haben der Bank dem Vernehmen nach einen umfangreichen Fragenkatalog geschickt. Wie konnte das passieren? Welche Kontrollmechanismen sollen solche Fehler verhindern? Warum haben sie in dem Fall nicht gegriffen? Bislang läuft der Fall eher unter „Missgeschick im Tagesgeschäft“; eine Sonderprüfung soll es nicht geben. Sollten sich aber Hinweise ergeben, dass so etwas wieder passieren könnte, dürften weitere Untersuchungen folgen. Die EZB wollte sich nicht äußern.

          4 Milliarden Euro blieben zunächst liegen

          Doch wie konnte eine solche Panne passieren? In Finanzkreisen ist von mehreren Faktoren die Rede, die zusammenfielen. So soll die Eurex schon im Dezember ein Update durchgeführt haben, das in den Programmen der Deutschen Bank einen Sicherheitsmechanismus außer Kraft gesetzt hat. Das hatte aber zunächst niemand gemerkt. Normalerweise soll das Programm „Beartrap“, zu deutsch: Bärenfalle, verhindern, dass allzu große Summen unbeabsichtigt das Haus verlassen. Doch die Falle war nun offenbar nicht scharfgestellt, als kurz vor Ostern ein Händler einen Klassiker unter den Bankerfehlern machte: einen sogenannten Fat Finger Trade. Als der Mitarbeiter bei mehr Nullen eingab als geplant, ließ das Programm ihn gewähren. Die Bank hält sich zu der Sache bedeckt, ein Sprecher sagte nur: „Wir haben die Ursachen sofort gewissenhaft untersucht und geeignete Maßnahmen ergriffen, damit sich ein solcher Fehler nicht wiederholt.“

          Dramaturgisch passt die Panne perfekt in das Trauerspiel um die „lausigen“ IT-Systeme der Deutschen Bank, die der gerade geschasste Vorstandsvorsitzende John Cryan gemeinsam mit dem IT-Vorstand Kim Hammonds aufmöbeln wollte. Nur zwei Tage nachdem die Bank den Abschied von Hammonds bekannt gab, liefert die Panne die Veranschaulichung für das „unfähigste Unternehmen, für das sie je gearbeitet hat“. Diese Fundamentalkritik hatte sie allerdings schon kurz vor dem Vorfall vom 16. März geäußert.

          Auch nachdem der Fehler entdeckt worden war, lief bei der Rückabwicklung der Überweisung noch nicht alles glatt: 4 Milliarden Euro blieben zunächst auf dem Eurex-Konto liegen, weil irgendwann in dem Prozess das Wochenende eingeläutet wurde – dummerweise war der Fehler an einem Freitag passiert.

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