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Chefwechsel : Deutsche-Bank-Aktie deutlich im Plus

Christian Sewing steht die erste Hauptversammlung als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank bevor (Archiv). Bild: dpa

Ein deutscher Bankkaufmann soll den jahrelangen Niedergang stoppen. Weniger Investmentbanking fordern nun sogar Großinvestoren. An der Börse kommt der Chefwechsel gut an.

          Der neue Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing will hart durchgreifen, um das Institut nach drei Verlustjahren zu stabilisieren. Von seinen knapp 100.000 Mitarbeitern erwartet der 47-Jährige eine neue „Jägermentalität“, wie er am Montag in einem Brief an die Belegschaft schrieb. Bei dem größten deutschen Geldhaus werde kein Stein auf dem anderen bleiben. Er werde „harte Entscheidungen treffen und umsetzen“, erklärte der bisherige Leiter des Privatkundensparte, der seit vorigem Jahr einer von zwei Stellvertretern Cryans war.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bernd  Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          An der Börse komm der Chefwechsel gut an: Der Aktienkurs der Deutschen Bank  legt um mehr als vier Prozent zu. Analysten äußerten sich dennoch skeptisch: Alleine ein Wechsel an der Spitze könne die Probleme nicht lösen. Zwar spreche die Deutsche Bank von einer „neuen Ära“, „doch was wirklich zählt, ist, dass die Bank seit mehreren Jahren keine klar definierte Strategie hat und ebenso wenig die Unterstützung aller Parteien für die Richtung, in die das Institut geht“, schrieben etwa die Branchenexperten der Investmentbank JP Morgan.

          Mit Blick auf den bisherigen Jahresverlauf bleiben Deutsche Bank mit einem Minus von fast 26 Prozent und Commerzbank mit einem Verlust von fast 14 Prozent aber die schwächsten Werte im Dax. Zumindest für die Commerzbank-Aktien war es 2017 dagegen gut gelaufen: Mit einem Plus von mehr als 70 Prozent hatten sie zu den Favoriten gezählt.

          DT. BANK

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          Mit Christian Sewing wird die Deutsche Bank wieder deutscher. Als Stellvertreter werden ihm der Rechts- und Personalvorstand Karl von Rohr sowie der Ko-Chef des Investmentbankings, Garth Ritchie, zur Seite gestellt, der in den vergangenen Wochen mit seinem Abgang gedroht hatte. Einen entsprechenden Vorschlag des Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Achleitner hat das Kontrollgremium der Bank am späten Sonntagabend beschlossen.

          Die Diskussion davor dauerte allerdings deutlich länger als geplant. Einige Aufsichtsräte äußerten nach Informationen der F.A.Z. Kritik an Achleitners Vorgehen und fühlten sich vor vollendete Tatsachen gestellt. Auch zum schwachen Geschäft der Bank und der Frage, wie sie künftig ihre Erträge verbessern wolle, entbrannte eine Diskussion.

          Der Beschluss zum Führungswechsel beendet eine seit zwei Wochen andauernde Unsicherheit. Nachdem ans Licht gekommen war, dass Achleitner sich auf die Suche nach einem Nachfolger für Cryan gemacht hat, obwohl dessen Vertrag noch bis 2020 läuft, ist der Aktienkurs fast bis auf sein Allzeittief vom Herbst 2016 gesunken. Der 47 Jahre alte Sewing arbeitet mit einer kurzen Unterbrechung seit 1989 für die Deutsche Bank und hat schon seine Ausbildung in der Filiale Bielefeld gemacht. In den Vorstand ist er im Sommer 2015 gleichzeitig mit Cryans Amtsantritt aufgestiegen. Vor gut einem Jahr hatte Achleitner ihn gemeinsam mit dem Ko-Vorstand für das Investmentbanking, Marcus Schenck, zu Cryans Stellvertreter gemacht. Den offensichtlichen Eindruck, hier sollen sich zwei Kronprinzen nebeneinander für die Nachfolge an der Spitze warmlaufen, versuchte die Bank immer wieder zu zerstreuen.

          Stimmung dreht gegen Investmentbanking

          Dass sich nun Sewing als neuer Mann für die Spitze durchgesetzt hat und nicht Schenck oder einer der anderen Investmentbanker, die zuletzt im Gespräch waren, spricht auch für eine Richtungsentscheidung für die Bank. Offenbar soll sie sich stärker auf ihren Heimatmarkt fokussieren und das Investmentbanking, das zuletzt vor allem teuer, aber nicht mehr so ertragreich war, zurückgefahren werden. Vor allem die größten Investoren der Bank haben lange gefordert, dass die Bank ihr Investmentbanking wieder stärken solle.

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