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Schlechtes Image : Der Zucker-Preis verfällt

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Zucker - in vielem drin, vor allem zu viel drin. Bild: dpa

Zucker ist das neue Fett. Galt letzteres über Jahrzehnte als Ursache der Zivilisationskrankheit Übergewicht, so ist es nun Zucker. Immer mehr Zuckersteuern verteuern den Konsum – der Preis für die Rohware aber fällt.

          Lange Zeit war es vor allem ein Faktor, der über den Zuckerpreis bestimmte: der Ölpreis. Stieg dieser und wurde Sprit teurer, erscheine Äthanol als Alternative attraktiver. Und zu dessen Herstellung braucht man eine Menge Zucker, nicht zuletzt weil Äthanol als Treibstoff deutlich weniger ergiebig ist.

          In diesem Jahr gilt dies nicht mehr. Denn während der Ölpreis um rund 17 Prozent gestiegen ist, ist der Zuckerpreis um mehr als ein Viertel auf zuletzt 11,4 Cent je angloamerikanischem Pfund (rund 454 Gramm) gefallen. Und die Aussichten sind weiter schlecht: Die Bestände stehen auf Rekordniveau, das Wachstum der Nachfrage lässt nach, wohingegen die Produktion steigt. Damit ist Zucker der Rohstoff mit der schlechtesten Preisentwicklung im ersten Halbjahr.

          Denn während früher die Verwendung von Zucker in der Nahrungsmittelindustrie für Süßigkeiten, Dosenobst und vieles andere mehr gleichsam gesetzt war, hat sich der Wind gedreht. Die zunehmende Besorgnis über die gesundheitlichen Auswirkungen eines hohen Zuckerverzehrs hat die Nahrungsmittelindustrie zurückhaltend werden lassen.

          Zwar steigt der Verbrauch weltweit immer noch an, doch das durchschnittliche Wachstum ist von 1,7 auf 1,4 Prozent gesunken, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf das Forschungsinstitut Green Pool Commodity Specialists.

          Gleichzeitig steigert Indien, zweitgrößte Produzent der Welt, mit geschätzt 32 Millionen Tonnen in diesem Jahr seine Produktion. 2016 ernteten indische Bauern noch 25,5 Millionen Tonnen, 2017 21 Millionen Tonnen. Auch Thailand, Nummer drei unter den Zuckerproduzenten, erwartet eine gute Ernte. Die Produzenten sind in Not und wollen noch mehr Zucker auf den Weltmarkt werfen, Indien allein rekordhohe 6 Millionen Tonnen.

          Bis zum 30. September soll die Jahresproduktion den Bedarf um 19,6 Millionen Tonnen übersteigen. Der Überschuss wäre mehr als genug, um die jährliche Nachfrage zu decken. Das amerikanische Landwirtschaftsministerium erwartet, dass die Lagerbestände in dieser Erntesaison auf Rekordniveau steigen und sich auch im kommenden Jahr daran nichts ändern wird.

          Mittlerweile hoffen Rohstoffhändler schon auf nachteiliges Wetter. Jeder versuche, auf Zucker und zuckerhaltige Produkte zu verzichten. Man sehe dies in Supermärkten und Lebensmittelgeschäften, sagt Donald Selkin, Chefstratege von Newbridge Securities der Agentur Bloomberg. Der Zuckerpreis sei dazu verdammt, für längere Zeit niedrig zu bleiben. Laut Green Pool ist die negative Haltung zum Thema Zucker nicht auf die Industrieländer beschränkt. Sie werde viel mehr in Schwellenländern repliziert. Mexiko hat eine Steuer auf mit Zucker gesüßte Getränke schon 2015 eingeführt. Nach einem Jahr war der Verbrauch um 6 Prozent gesunken. Auch Südafrika hat als Reaktion auf steigende Diabetes-Zahlen vor kurzem eine solche Steuer in Höhe von 11 Prozent eingeführt.

          In der vergangenen Woche verdreifachten sich der Überhang der Leerverkauforders gegenüber den Kauforders. Die Zahl der Verkaufaufträge stieg um 15 Prozent, die Kaufauträge nahmen um fast 7 Prozent ab.

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