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Neuer Anlauf von Trump : Der Mythos von den ausländischen Konzerngewinnen

Apple-Chef Tim Cook im Juni 2017 bei Präsident Trump im Weißes Haus. Bild: AFP

Amerikas Präsident Trump will im Ausland geparkte Milliarden-Gewinne heimholen und einen Boom auslösen. Das wird so nicht klappen.

          Amerikanische Konzerne haben Gewinne in Höhe von rund 2,5 Billionen Dollar steuerfrei im Ausland geparkt, so eine Schätzung der Citigroup. Wenn das Geld jetzt in die Vereinigten Staaten zurückgeführt würde, müssten die Eigentümer allein an Washington die übliche Gewinnsteuer von 35 Prozent abführen. Das wollen die Konzernlenker aber nicht. So bleibt das Geld, wo es ist.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Präsident Donald Trump unternimmt nun einen neuen Anlauf, das Geld heimzuholen. Die so genannte Repatriierung des Geldes soll den Konzernen mit einem Rabatt schmackhaft gemacht werden. Statt der üblichen 35 Prozent sollen die Konzerne nur zehn Prozent an den Fiskus überweisen müssen. Der Präsident will mit der Rückholaktion einen Investitionsboom in den Vereinigten Staaten auslösen getreu der Leitlinie seiner Regierung: „America first!“

          Das ist intuitiv einleuchtend. Leider trügt die Intuition. Sie wird offenbar von der Vorstellung stimuliert, dass das Geld nutzlos auf irgendwelchen irischen Konten versauert. Dann allerdings würden Banken ihr Kerngeschäft sträflich vernachlässigen. Der Ökonom John Cochrane weist darauf hin, dass das vermeintlich gehortete Geld von der Bank verliehen werden kann, etwa an amerikanische Unternehmen, um damit Investitionen zu finanzieren.

          Dreigestirn mit einer halben Billion Dollar

          Wenig deutet darauf hin, dass es die gehorteten Auslandsgewinne sind, die amerikanische Konzerne an Investitionen im eigenen Land hindern. Der Konzern mit den größten Geldbeständen im Ausland ist Apple, es folgen Microsoft und Oracle. Zusammen bringt es das Dreigestirn auf ein halbe Billion Dollar, davon hält Apple rund 240 Milliarden. Das hat die Unternehmen aber nicht daran gehindert, Geld zu investieren oder an Aktionäre auszuschütten.

          So hat Apple vor wenigen Wochen zum siebten Mal in diesem Jahr eine Milliarden-Anleihe aufgelegt, um mit den Erlösen Aktien zurück zu kaufen. Zugleich hat das Unternehmen mit großem Brimborium ein neues iPhone auf den Markt geworfen. An Geld für Entwicklung und Marketing scheint es nicht zu fehlen. Noch etwas  ist unstimmig an der Trump‘schen Kalkulation:

          Der Apple-Konzern bezahlt aktuell für seine Anleihen weniger als vier Prozent Zinsen, um damit Investitionen und Dividenden zu finanzieren. Das Rückholprogramm kostete Apple aber immer noch zehn Prozent. Das verkleinert den Anreiz für Apple, das Geld heimzuholen. Selbst wenn die Rückholaktion funktionierte, ist doch fraglich ob das zurückgebrachte Geld in den Vereinigten Staaten bleibt. Amerikanische Banken, bei denen das rückgeführte Geld geparkt wäre, könnten es ins Ausland zurücktransferieren, wenn sie dort größere Investitionschancen wittern wie Cochrane ausführt. Auch Anteilseigner, die in den Genuss von Dividenden durch ausgeschüttete repatriierte Gewinne kommen könnten, sind nicht gezwungen, das Geld in den Vereinigten  Staaten auszugeben. Das Problem mit dem Geld ist, dass es gerne dorthin geht, wo es am meisten bringt. Um Grenzen schert sich Geld nicht und „America first!“ nimmt es erst gar nicht zur Kenntnis.

          Quelle: FAZ.NET

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