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Gutes Jahr für Anleger : Jubel, Trubel, Börsenglück

Dieses Jahr konnte man viel Geld an der Börse verdienen. Bild: dpa

Das Jahr 2017 war für Anleger ein Traum. Fast überall auf der Welt kam es zu positiven Entwicklungen im Finanzsektor. Aber geht das so weiter?

          Wenn die Finanzbranche ein Wort des Jahres wählen würde, die Entscheidung für 2017 wäre ziemlich eindeutig: „Goldilocks“ würde zweifelsohne das Rennen machen, ein Begriff, der auf einem Märchen beruht und für Börsianer einen schier märchenhaften Zustand beschreibt. In der zugrundeliegenden Erzählung aus England probiert ein Mädchen namens Goldilocks (zu Deutsch: Goldlöckchen) Haferbrei aus drei verschiedenen Schüsseln, findet aber nur jenen rundum köstlich, der „nicht zu heiß, nicht zu kalt, genau richtig“ ist.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Übertragen auf den Finanzmarkt, bedeutet das Goldilocks-Szenario, dass die aktuellen Komponenten eine perfekte Kombination ergeben: Das Wirtschaftswachstum ist robust und liegt über dem langjährigen Durchschnitt, und zwar nicht nur in einigen Teilen der Welt, sondern global. Dazu ist die Inflation weiter niedrig, und die Zinsen sind auf absehbare Zeit tief. Alles ist also genau richtig, wie im Märchen. Eine traumhafte Zeit für Anleger, die auf Aktien setzen und dafür sorgen, dass ein Börsenrekord nach dem anderen gebrochen wird. „Alles zu schön, um wahr zu sein“, lautet die Einschätzung der Nord LB.

          „Wir haben 2017 sträflich unterschätzt“

          So hat der deutsche Aktienindex Dax Anfang November einen neuen Höchststand erreicht. Seit Jahresbeginn hat der Dax 14 Prozent an Wert gewonnen und damit fast doppelt so viel, wie er durchschnittlich in den vergangenen Jahrzehnten zulegte. Eine Rekordjagd sondergleichen erlebten die amerikanischen Börsen, deren große Indizes beinahe im Gleichschritt emporschossen. Zum Beispiel der Dow Jones: Noch Mitte Januar stand der berühmte Index unter 20.000 Punkten. Seither hat er eine Tausender-Marke nach der anderen geknackt und steuert jetzt auf die 25.000 Punkte zu. Noch besser schnitten Schwellenländer-Aktien ab, der entsprechende MSCI-Index gewann 30 Prozent hinzu.

          Korrekturen gab es so gut wie keine, die Kursschwankungen waren so gering wie lange nicht, die Anleger blieben erstaunlich ruhig. Der amerikanische Aktienindex S&P 500 hatte so geringe Ausschläge wie seit einem halben Jahrhundert nicht mehr. Das alles hat kaum jemand für möglich gehalten zu Beginn des Jahres. „2017 war besser als der Ruf, der dem Jahr vorauseilte“, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank. Zum Geschäft der Ökonomen und Anlagestrategen gehört es, erst Prognosen abzugeben und sich dann eines Besseren belehren zu lassen. Und so müssen Kater und Kollegen nun zugeben: „Wir haben 2017 sträflich unterschätzt.“ Das lag zum einen daran, dass ein überraschend gleichlaufendes globales Wirtschaftswachstum von 3,6 Prozent kaum vorhersehbar war. Ein anderer Grund war, dass politische Risiken schlicht überschätzt wurden.

          Nach der Wahl Donald Trumps herrschte die gängige Meinung, dass die protektionistischen Anwandlungen des neuen Präsidenten dem freien Welthandel schaden und neue Brandherde entstehen lassen würden. Doch hat Trumps Politik noch nicht viel Unheil angerichtet. Seine große Steuerreform, die Erleichterungen für Unternehmen verspricht, ist sogar dazu angetan, die Börsen weiter anzutreiben. Denn amerikanische Firmen könnten einen Gutteil der geschätzten 1300 Milliarden Dollar, die sie im Ausland lagern, in die Heimat zurückholen, für Investitionen, Aktienrückkäufe und Dividenden verwenden und somit die Kurse weiter antreiben.

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