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F.A.Z. exklusiv : Commerzbank droht Tausenden Kunden mit Rauswurf

Blick auf die Banken: Frankfurter Skyline im Abendlicht Bild: Marc-Steffen Unger

Wer einen Bezug zu den Vereinigten Staaten hat, kann kein Depot mehr bei der Commerzbank haben. Es geht um Anforderungen der Steuerbehörden. Und das Geldhaus steht nicht alleine.

          Unangenehme Post von der Bank an Ihrer Seite: Die Commerzbank hat jetzt einigen tausend Privatkunden angekündigt, im zweiten Halbjahr ihr Wertpapierdepot zu kündigen. Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sind drei Fälle im Detail bekannt, die ein breites Kundenspektrum abdecken. So schickte die Commerzbank ihre Kundeninformation an einen Amerikaner, der seit 45 Jahren in Bonn lebt und seither in den Vereinigten Staaten und in Deutschland regelmäßig Steuern zahlt. Den Brief erhielt auch ein Teenager in Frankfurt, der während eines beruflichen Aufenthalts seines Vaters in San Francisco geboren wurde und deshalb auch einen amerikanischen Pass hat. Und auch die Tochter eines Hotelbesitzers in Amerika blieb von der Commerzbank-Post nicht verschont, obwohl sie schon ihren amerikanischen Pass zurückgegeben hat, um Commerzbank-Kundin bleiben zu können. Doch die Aussichten sind gering, dass die junge Frau ihr Wertpapierdepot bei der Commerzbank wie bisher weiterführen kann.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Denn die Commerzbank ist keine Ausnahme. Alle europäischen Großbanken treibt die Frage um, wie sie die Anforderungen der amerikanischen Steuerbehörden und der Wertpapieraufsicht erfüllen sollen. Die Deutsche Bank hat schon 2011 ihren Privatkunden mit Wohnsitz in den Vereinigten Staaten mitgeteilt, dass sie mit ihnen kein Wertpapiergeschäft mehr machen könne, wie ein Sprecher der Deutschen Bank der F.A.Z. bestätigte.

          Die Empfehlung lautete damals, wie sich Betroffene erinnern, mehr oder weniger offen: Geht mit eurem Depot zu einer anderen Bank! Wie viele Kunden die Deutsche Bank damals verloren hat, konnte der Sprecher der Deutschen Bank am Montag nicht sagen. Der Sprecher der Hypo-Vereinsbank, der ein ähnliches Vorgehen gegenüber „Kunden mit Amerika-Bezug“ nachgesagt wird, wollte sich „zu etwaigen einzelnen Kunden oder Kundengruppen nicht äußern“.

          Der Amerika-Bezug ist durchaus weit zu fassen. Darunter fallen nicht nur amerikanische Staatsangehörige, sondern auch Greencard-Halter, in den Vereinigten Staaten dauerhaft Lebende (mit Wohnsitz oder dauerndem Aufenthalt) und in den Vereinigten Staaten Steuerpflichtige. Auch solche Nichtamerikaner finden wegen ihres Amerika-Bezugs kaum noch eine europäische Bank, mit der sie Wertpapiergeschäft betreiben können. Der Grund lautete kurz und knapp: Zu aufwendig und zu riskant für die europäische Bank. Und 2018 verschärfen sich die Regeln nochmals. Doch der Reihe nach.

          Automatische Meldung

          2010 trat in den Vereinigten Staaten der Foreign Account Tax Compliance Act in Kraft. Fatca, wie das Gesetz seither genannt wird, verpflichtet in den Vereinigten Staaten steuerpflichtige Personen, ihre Konten im Ausland zu melden. Mit dem vorgebenen Ziel, Steuerflucht und Steuerhinterziehung zu bekämpfen, schlossen die Vereinigten Staaten später mit europäischen Ländern wie Deutschland Abkommen. Demnach müssen nun auch deutsche Banken seit dem 1. Juli 2014 melden, sobald sie einen Kunden mit Steuerpflicht in Amerika haben. Amerikaner sind in den Vereinigten Staaten oft auch dann steuerpflichtig, wenn sie nicht dort wohnen.

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