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BVB-Aktie auf 17-Jahres-Hoch : Die Angst vor dem Déjà Vu

Derzeit haben beim BVB alle Grund zur Freude: Spieler, Fans und Aktionäre Bild: AFP

Borussia Dortmund spielt gut und der der Aktienkurs steigt auf ein 17-Jahres-Hoch. Alles gut? Nicht ganz, denn vor einem nahm das Gleiche kein gutes Ende.

          Für Jogi Löw und die deutsche Fußballnationalmannschaft mag es gut sein, dass Fußballfans ihre Lieblingsmannschaften weniger rasch wechseln als Börsianer ihre Aktienfavoriten. Gäbe es eine Nationalelf-Aktie, so hätte man sich ihren Kursverlauf etwa so vorstellen können: Ein starker Anstieg von niedrigem Niveau während der WM 2006 und dann eine gute weitere Entwicklung bis zur WM 2014. In der Folge Gewinnmitnahmen und ein Zwischenhoch 2017 nach dem Confed-Cup. Merkliches Bröckeln des Kurses schon bei der Bekanntgabe des Kaders, ein Einbruch nach dem Mexiko-Spiel und ein Kursdesaster nach dem Aus gegen Südkorea. Heute wäre sie dagegen gut dabei.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Da es aber nun einmal keine Nationalelf-Aktie gibt, bleibt fußballaffinen Börsianern nur die Aktie von Borussia Dortmund. Und an der haben sie gerade ihren Spaß. Mit 8,685 Euro verzeichnet diese am Mittwoch ein neues 17-Jahres-Hoch. Nicht, dass Dortmund am Vorabend gewonnen hätte – im Gegenteil standen mit Matthias Ginter und Mats Hummels lediglich ehemalige Dortmunder auf dem Platz in Paris. Aber der Fußballabend reicht, um daran zu erinnern, dass es diesen gibt und die Vorstellung des deutschen Fußballs war wohl geeignet, wieder etwas Zutrauen zu fassen.

          BORUSSIA DORTMUND

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          Für Langzeitaktionäre mag das Balsam sein. Immerhin waren die ersten fast neun Jahre der Aktie an der Börse eine einzige Talfahrt von zurückgerechnet 10,134 bis auf 0,826 Euro, eine Schrumpfung um sieben Achtel also. Die darauffolgenden nunmehr rund neun Jahre brachten demnach mehr als eine Verzehnfachung - eine starke zweite Halbzeit also und wer weiß, was in der Verlängerung noch so passiert.

          Im Geschäftsjahr 2017/18 ist der Umsatz des BVB um fast ein Drittel auf 536 Millionen Euro gestiegen, wovon 223 Millionen Euro aus dem Transfergeschäft kamen, drei Mal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Und endlich einmal scheinen die Einkäufe wieder gefruchtet zu haben - wobei die Saison immer noch erst am Anfang ist.

          Rein wirtschaftlich jedoch ist d8ie Aktie mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 38 ziemlich hoch bewertet. Und Börsianer sind am Ende eher schlimmer als Fußballfans. Die schimpfen vielleicht unflätig, kommen aber noch lange wieder. Börsianer bleiben einfach fort, indem sie verkaufen.

          Was das bedeuten kann, konnten BVB-Fans nach dem vorangegangen steilen Kursanstieg im vergangenen Jahr sehen. Damals war dieser binnen zweier Monate um 31 Prozent auf 8,20 Euro gestiegen und ebenso schnell wieder zurückgefallen. Letztlich ging es sogar noch weiter abwärts. Damals war Dortmund ebenso furios in die Saison gestartet und war am 8. Spieltag immer noch Tabellenführer. Zwei Spieltage später hatte man die Führung verspielt, holte aus neun Spielen noch drei Punkte und rutschte bis auf Platz acht ab.

          Diesmal ist der Kurs innerhalb von nicht ganz zwei Monaten um 43 Prozent gestiegen, Dortmund ist furios in die Saison gestartet und Tabellenführer - so wie vor einem Jahr. Da bleibt nur zu hoffen, dass sich der Rest der Geschichte nicht auch noch wiederholt.

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