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Börsengänge : Dotcom-Blase 2.0?!

Der verlustbringende Musik-Streamingdienstes Spotify feierte im April sein Debüt an der New York Stock Exchange. Bild: Reuters

Seit der Technologieblase im Jahr 2000 gab es nie so viele unprofitable Technologie-Unternehmen, die an die Börse drängten, wie jetzt. Kritiker fürchten eine neue Blase.

          Mit dem Software-Unternehmen Serviceware erlebt Deutschland einen eher seltenen Börsengang aus der Technologiebranche. 3,7 Millionen Aktien wurden zu 24 Euro das Stück verkauft. Das Angebot von damit eher bescheidenem Umfang war deutlich überzeichnet. Serviceware arbeitet profitabel.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das unterscheidet das Unternehmen von den zahlreicheren Börsengängen aus der Technologiebranche, die es in Amerika gibt. Im vergangenen Jahr war in den Vereinigten Staaten gerade mal jeder sechste Börsenneuling profitabel und auch in den Jahren davor noch nicht einmal jeder dritte.

          In diesem Jahr kam mit dem Streaming-Dienst Spotify ein bekanntes Internet-Unternehmen neu an die Börse gekommen, das gleichfalls bislang kein Geld verdient hat. Kritiker sind der Meinung, dass sich unter Anlegern wieder die Auffassung breit gemacht habe, wie sie zur Zeiten der Technologie-Blase 1999/2000 vorgeherrscht habe. In der Informationsökonomie bestimmten nicht Knappheiten die Preise, sondern die Verfügbarkeit. Ein Unternehmen könne erst Gewinn erzielen, wenn es ausreichend gewachsen sei. Wie die sogenannte „New Economy“ endete ist bekannt. Heute sei sie als „Digital Economy“ wieder gekehrt.

          Tatsächlich zeigen sich Parallelen. Seit 1980 war der Anteil profitabler Unternehmen bei Technologie-Börsengängen nur in den Jahren der Tech-Blase 1999/2000 niedriger, und das auch nur knapp: Jedes siebte Unternehmen, das auf das Parkett strebte, erzielte Gewinn. Im langfristigen Mittel, zeigen die von Jay Ritter von der University of Florida seit 1980 gesammelten Daten, war indes mehr als die Hälfte der Technologie-Unternehmen profitabel.

          Indes zeigt sich bei Betrachtung der Daten rasch, dass sich auch an der Börse Geschichte doch nicht immer wiederholt. Allein die schiere Zahl der Emissionen ist eine andere. Gerade einmal 30 Technologie-Unternehmen gingen 2017 an die Börse. Im Jahr davor sogar nur 21. Seit dem Platzen der Technologieblase waren es insgesamt rund 600 und damit weniger als während des Technologie-Booms in den Jahren 1999 und 2000.

          Vor allem aber ist das Bewertungsniveau ein vollkommen anderes. Seit 1980 liegt der typische Wert eines Technologie-Unternehmen bei einem Börsengang beim 4,3fachen des Umsatzes. Nur in den Jahren 1998 bis 2001 ging dies über das Siebenfache hinaus. Mit dem 26,5- und 31,7fachen nehmen die Jahre 1999/2000 hier einen einsamen Spitzenplatz ein. Seit 2011 liegen sie im historischen Mittel.

          Ähnliches gilt für die Gesamterlöse der Börsengänge. In den Jahren 1999 und 2000 erreichten diese, in Preisen von 1980 gerechnet, mehr als 35 Milliarden Dollar – rund 30 Prozent der Erlöse von Technologie-Emissionen in den vergangenen 38 Jahren und mehr als die gesamten Erlöse der Jahre 2005 bis 2017.

          Deutlich verändert haben sich die Emissionen im Zeitverlauf. Der durchschnittliche Erlös einer Technologie-Emission lag bis 1998 (in konstanten Preisen) bei 20 Millionen Dollar. Dieses niedrige Niveau wurde danach nicht mehr erreicht. Der Durchschnittswert liegt seitdem bei mehr als dem Dreifachen. Auch sind die Unternehmen älter geworden.

          Das typische Alter eines Technologie-Börsenneulings lag in den Achtziger Jahren unter sieben Jahren und ist in den 2010er Jahren auf mehr als zehn Jahre geklettert. Dementsprechend sind die Unternehmen auch größer. In Preisen von 2014 beträgt der Jahresumsatz seit dem Platzen der Technologie-Blase 2002 durchschnittlich 120 Millionen Dollar. Davor waren es 35 Millionen.

          Nur profitabler sind die Unternehmen im Trend nicht geworden, sondern im Gegenteil. Das wiederum erinnert dann doch wieder an die seinerzeit gefeierte „New Economy“ – Wachstum vor Profitabilität.

          Auffällig ist die Tatsache, dass die Beteiligung von Finanzinvestoren nicht nur bei Technologie-Emissionen seit 1999 erheblich zugenommen hat. Weniger als die Hälfte der Börsenneulinge verfügten in den Achtzigern über Beteiligungs- oder Wachstumskapital oder waren von Finanzinvestoren übernommen worden. Selbst als Anfang der Neunziger der damalige Übernahme-Boom seinen Höhepunkt erreichte, war das Niveau noch deutlich niedriger als heute. Seit der Finanzkrise kommt nur noch rund jedes fünfte Unternehmen ohne Finanzinvestoren aus.

          Ein gutes Geschäft sind Neuemissionen längerfristig selten gewesen. Mehr als jedes sechste neue Aktie brachte zwischen 1975 und 2011 auch fünf Jahre nach Emission noch Verluste ein. Vor allem aber schnitten sie gegenüber länger notierten vergleichbaren Unternehmen, meist deutlich schlechter ab, und zwar besonders in den ersten zwei Jahren.

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