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Tesla-Chef unter Druck : Börsenaufsicht wirft Musk Wertpapierbetrug vor

Tesla-Chef Elon Musk Bild: AFP

Die Börsenaufsicht SEC verklagt den Vorstandschef des Elektroautoherstellers Tesla wegen seiner Äußerungen zu einem möglichen Rückzug von der Börse. Sie will nicht nur eine Strafzahlung, sondern seinen Rücktritt.

          Der Satz ist wie ein Schlag ins Gesicht: „Prominentenstatus oder die Reputation als technologischer Innovator geben einer Führungskraft nicht die Lizenz, diese Verantwortlichkeiten auf die leichte Schulter zu nehmen.“ Gemeint waren Verantwortlichkeiten gegenüber Aktionären, und gesagt wurde das von einer Vertreterin der Börsenaufsicht SEC in einer eilig einberufenen Pressekonferenz am späten Donnerstagnachmittag. Die Behörde sprach über die spektakuläre Klage, die sie gerade gegen Elon Musk eingereicht hatte, den Vorstandsvorsitzenden des Elektroautoherstellers Tesla, der in der Tat einer der prominentesten Unternehmenschefs der Welt sein dürfte.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die SEC erhebt schwere Vorwürfe. Sie beschuldigt Musk, Wertpapierbetrug begangen zu haben. Sie beruft sich auf eine „Serie von falschen und irreführenden Tweets“ rund um Musks mittlerweile wieder aufgegebenen Plan, Tesla von der Börse zu nehmen. Musk habe gewusst, dass seine Aussagen falsch oder irreführend gewesen seien, oder hätte dies zumindest wissen müssen. Die Klage richtet sich nur gegen Musk, nicht gegen Tesla selbst. Die Behörde fordert harte Konsequenzen. Nicht nur solle der Tesla-Chef eine Zivilstrafe zahlen und etwaige Gewinne, die er durch seine Aussagen erzielt habe, zurückgeben. Es solle ihm auch fortan verboten werden, im Management oder im Verwaltungsrat eines börsennotierten Unternehmens zu arbeiten. Das hieße, Musk müsste seine Ämter als Vorstands- und Verwaltungsratschef von Tesla niederlegen. „Die wollen Blut,“ sagte Gene Munster von der Wagniskapitalgesellschaft Loup Ventures dem Fernsehsender CNBC mit Blick auf die SEC. Munster schätzte, die Chance, dass Musk jetzt tatsächlich zurücktreten muss, betrüge jetzt mehr als 50 Prozent. Es wäre ein Paukenschlag, denn Musk ist die alles überragende Figur und das öffentliche Gesicht des Unternehmens.

          Aktie verliert mehr als 13 Prozent an Wert

          Die Börse zeigte sich von der Klage geschockt, obwohl schon bekannt war, dass die SEC Ermittlungen führt. Im nachbörslichen Handel verlor die Aktie am Donnerstag zeitweise mehr als 13 Prozent an Wert und fiel unter 270 Dollar. Der Kurs ist jetzt weit von den 420 Dollar entfernt, die Musk im August als Preis bei einem möglichen Börsenrückzug ins Spiel gebracht hatte. Am Tag, bevor er dies tat, kostete die Aktie 342 Dollar, und seine Ankündigung ließ den Kurs zwischenzeitlich deutlich steigen.

          Musk hatte am 7. August zur Überraschung der Öffentlichkeit getwittert, er denke darüber nach, Tesla von der Börse zu nehmen, und die dazu notwendige Finanzierung sei „gesichert“. Er twitterte später, er habe die Unterstützung von Investoren, und die einzige verbleibende Hürde sei ein Votum der Aktionäre. Diese Aussagen über die Gewissheit der Finanzierung waren nach Auffassung der SEC „schlicht nicht wahr“. Musk hat eine Woche nach dem ersten Tweet konkretisiert, er habe sich mit der Aussage auf ein Gespräch mit einem Vertreter des saudi-arabischen Staatsfonds PIF bezogen, der zuvor einen 5-Prozent-Anteil an Tesla erworben hatte. Der Fonds habe Interesse gezeigt, an einer Transaktion mitzuwirken, die Tesla den Rückzug von der Börse ermöglichen würde, und Musk habe dieses Treffen mit dem Eindruck verlassen, dass ein entsprechendes Geschäft „ohne Frage“ zustande kommen könnte und es nur darauf ankomme, den dazu notwendigen Prozess anzustoßen. Von einer festen Zusage war allerdings nicht die Rede. In der Klage der SEC heißt es jetzt sogar, bei diesem Gespräch seien „nicht einmal die fundamentalsten Konditionen“ für eine solche Transaktion diskutiert worden.

          In der Klage wird auch die ungewöhnliche Art und Weise beschrieben, wie Musk auf den Preis von 420 Dollar gekommen sein soll, eine Zahl, die als Code-Begriff für Marihuana gilt. Der Tesla-Chef habe auf den letzten Aktienkurs 20 Prozent aufgeschlagen, weil er das für ein „Standardpremium“ gehalten habe, und damit sei er auf 419 Dollar gekommen. Er habe dann auf 420 Dollar aufgerundet, weil er erst kürzlich von deren „Signifikanz in der Marihuana-Kultur“ gehört habe, und er habe gedacht, seine Freundin würde das lustig finden. Diesen Preis habe er nie mit einem potentiellen Investor diskutiert.

          Musk sagte in einer Stellungnahme, die Klage sei „unberechtigt“, und er sei „zutiefst traurig und enttäuscht“ über sie. Er habe immer im besten Interesse der Wahrheit, der Transparenz und von Investoren gehandelt. „Integrität ist der wichtigste Wert in meinem Leben, und die Fakten werden zeigen, dass ich dies in keiner Weise verletzt habe.“ Die SEC ist nicht die einzige Behörde, die Musk ins Visier genommen hat. Auch das Justizministerium hat Ermittlungen eingeleitet. Sein Vorhaben, Tesla von der Börse zu nehmen, hat Musk nach drei Wochen wieder abgeblasen. Aber die Klage unterstreicht nun, dass sein kurzzeitiger Flirt mit einem Börsenrückzug gravierende Nachwirkungen haben könnte.

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