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Börse Sydney : Dem Wachstum Australiens hinterher

Die Vorsitzende von Australiens Rechtsaußen-Partei One Nation, Pauline Hanson, protestiert mit einer Burka im Parlament. Bild: dpa

Politische Turbulenzen in Australien belasten die Kursentwicklungen an der Börse in Sydney. Die sind jedoch nicht der einzige Grund für die schlingernden Werte am Markt.

          Es sind muntere Wochen „down under“. Das Parlament verkommt zu einem Komödienstadel. Abgeordnete kommen mit einem Brocken Kohle, wenn die Kohlepolitik besprochen wird, eine Rechtsaußen-Senatorin verkleidete sich in einer Burka, um gegen die Ausländerpolitik des Einwanderungslandes zu protestieren. Der Ministerpräsident wird laufend von seinem Vorgänger aus derselben Partei unter Feuer genommen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Und nun droht die konservativ-liberale Regierung ihre hauchdünne Mehrheit im Repräsentantenhaus zu verlieren, weil ein uraltes Gesetz ausgekramt wurde, das die doppelte Staatsbürgerschaft für Parlamentarier untersagt. Der stellvertretende Ministerpräsident ist auch Neuseeländer, was ihm augenscheinlich neu war. Woraufhin die eigentlich hochangesehene Außenministerin Julie Bishop der dortigen Regierung unterstellte, die konservative Regierung im großen Nachbarland schwächen zu wollen. Stabilität sieht ganz anders aus.

          Bild: F.A.Z.

          An ihr mangelt es auch im Aktienmarkt Australiens. Seit Monaten pendelt der australische Leitindex S&P ASX/200 zwischen 5600 und 5800 Punkten. Vor der Finanzkrise, im November 2007, hatte sein Rekord bei 6873 Punkten gelegen. Dabei wächst die Wirtschaft in Australien seit mehr als einem Vierteljahrhundert kontinuierlich. Doch wird der Index belastet von Einflüssen aus Amerika und Australiens wichtigstem Handelspartner, China. Die hausgemachte politische Instabilität tut ein Übriges. Und langfristig rätseln Anleger weiter, welche Kräfte das Land nach dem Ende des Rohstoffbooms antreiben sollten.

          Was, wenn die Zinsen steigen?

          Oder ist der gar nicht zu Ende? Haben die Erz- und Kohleriesen vielleicht längst ihren Weg gefunden, mit der langsamer wachsenden Nachfrage Asiens umzugehen? Der Weltmarktführer BHP Billiton begrüßte am Dienstag seinen neuen Vorsitzenden des Verwaltungsrates, Ken MacKenzie, mit einer goldgeränderten Bilanz: Eine annähernde Versechsfachung des Gewinns auf rund 7 Milliarden Dollar und eine Verdreifachung der Dividende.

          BHP BILLITON DL -,50

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          Konkurrent Rio Tinto hatte seine Zwischendividende gerade vervierfacht. Und Erzgräber Fortescue aus Perth verbuchte an der Börse ein Plus von gut 6 Prozent, weil er Produktivität und Dividende weiter erhöhte.

          Aktionären in Australien steht eine wichtige Woche ins Haus. Leitwolf ist BHP Billiton. Aber auch die Fluggesellschaft Qantas und der Einzelhändler Woolworths legen ihre Ergebnisse vor. Bislang haben in dieser Berichtssaison 60 Unternehmen einen Ausblick gegeben.

          Davon warnten 35 Prozent vor sinkenden Gewinnen je Aktie im nächsten Berichtsjahr, während 20 Prozent eine Zunahme erwarten. Der Rest sieht keine Änderung. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 15, knapp über dem langfristigen Durchschnitt von 14,5.

          RIO TINTO LTD

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          Am Ende stehen sich zwei Lager gegenüber. Die einen, unter ihnen die Analysten der Investmentbank Morgan Stanley, warnen vor einem schwächeren Wachstum, fassen die kaum steigenden Löhne ins Auge und fürchten das Platzen der Immobilienblase. Auch die Citigroup sprach nun von einem „besorgniserregenden“ Trend bei den Löhnen und Gehältern – und wer kein Geld hat, kauft keine Aktien.

          Zudem wächst die Furcht vor der Kreditblase in Australien: Die Australier sitzen auf der zweithöchsten Verschuldung privater Haushalte auf der Welt. Was, wenn die Zinsen steigen? Und schließlich ist da noch das Wiedererstarken des australischen Dollar. Im Januar gab es 72 Cent für einen australischen Dollar, nun sind es schon wieder knapp 80. Das lastet auf dem Export.

          USD/AUD

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          Die anderen aber verweisen auf den Trend im „lucky country“. In Köln würde man wohl sagen: „Et hätt noch emmer joot jejange.“ Und so hält die Notenbank Reserve Bank of Australia weiterhin eine Wachstumsrate von 3 Prozent und mehr für möglich. Die Rohstoffkonzerne, die gelernt haben, mit der Krise zu leben, zeigen, wie sich die Gewinne trotz langsameren Wachstums erhöhen lassen – oder sie zeigen gerade, wie weit sie in den vergangenen Jahren über ihre Verhältnisse gelebt haben.

          A2 MILK CO. LTD.

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          Doch es brennt an einigen Ecken. Die Commonwealth Bank of Australia hat sich in eine Schwarzgeldkrise manövriert, die den ganzen Finanzsektor belastet. Zudem werden die Banken deutlich leiden, sollte die Luft aus dem Häusermarkt entweichen. Weitere Kapital- und Investitionskontrollen in China treiben den Bankern in Sydney schon Sorgenfalten auf die Stirn – denn sie leben in ihrem australischen Reservat vor allem vom bislang enormen Zuwachs der Hypotheken.

          Analysten raten aber auch, Telstra-Papiere zu verkaufen, da hier wenig Phantasie liege. Vor einer Woche gaben Anleger Pakete im Gesamtwert von 5,5 Milliarden australischen Dollar ab. Der letzte verbliebene Stahlkonzern, Blue Scope, büßte am Montag ein gutes Fünftel seines Wertes ein, weil das Management vor schwächeren Ergebnissen in Amerika warnte. Und Pizzabäcker Domino’s verlor über Nacht ein gutes Fünftel seines Wertes, weil sich die luftigen Erwartungen nicht erfüllten.

          Während Anleger in Australien die politischen Wirren und den Mangel an Reformen durchleiden müssen, könnten sie auf althergebrachte Rohstoffe setzen. Erz und Kohle zum Beispiel, die immer noch kostengünstiger abgebaut werden. Oder Kuhmilch. Die Aktie von A2 Milk hat allein im vergangenen Monat an der Börse in Sydney fast 25 Prozent gewonnen.

          Innerhalb von zwei Jahren ist das Papier von knapp einem Dollar auf nun 4,55 Dollar gestiegen. Denn A2 bietet frische Milch an, die auch jene trinken können, die Laktose nicht vertragen – und das sind Hunderte Millionen Asiaten. Zudem bietet A2 Babymilch, die in China heiß gefragt ist. Dumm nur für die Australier: A2 Milk ist ein neuseeländisches Unternehmen. Und mit Neuseeland ficht die Politik gerade einen Strauß aus.

          Quelle: F.A.Z.

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